Fahrbericht Radical SR3

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Fahrbericht Radical SR3

— 09.03.2009

Suzis radikaler Bruder

Der neue Radical SR3 ist durch radikalen Leichtbau ein Porsche-Killer par excellence. Unter seiner knackigen Kunstfaserhaut wütet der auf 260 PS gedopte Motor der Suzuki Hayabusa. Erste Ausfahrt im portugiesischen Portimão.

8000 Touren. Der Motor schiebt und schiebt. 9000, 10.000 Umdrehungen. Kreischen mischt sich unter den satten Motorradsound. Mein Kopf zittert im Fahrtwind. Immer stärker wehen die Böen, die Kopf und Helm nach hinten drücken. 11.000 Touren. Schaltalarm! Kurz die metallisch-blanke Schaltwippe rechts hinterm Lenkrad einmal zu mir hinziehen. Bam! Sechster und letzter Gang. Entspannte Cabrio-Ausfahrten fühlen sich anders an. Weniger radikal. Aber: Beim Radical SR3 ist der Name Programm. Oben offen, zwei knallharte Schalensitze, blankes Metall im Innenraum. Weder Traktionskontrolle noch Ablagen oder Kofferraum.

Die Zulassung soll so einfach werden wie bei einem x-beliebigen Pkw

Die auf das Gitterrohrchassis aufgesteckte Glasfaserkarosserie erinnert an einen Le-Mans-Prototyp.

Ein Rennwagen? Bingo! Aber bald mit Zulassung – ein Porsche-Schreck auf Landstraßen. "Unsere Arbeit an einer Kleinserienzulassung ist bereits sehr weit fortgeschritten", erklärt Heidrun Hans, Geschäftsführerin von Radical Deutschland. Der bisherige, seit 2002 gebaute SR3 kommt in Deutschland nur per langwieriger Einzelabnahme zu seinen Kennzeichen. Beim neuen soll die Zulassung so einfach werden wie bei einem x-beliebigen Pkw. Größte Hürde dahin: dem aus der Suzuki Hayabusa entliehenen, auf 260 PS und 1,5 Liter Hubraum getrimmten Motor die Abgasnorm Euro 4 anzutrainieren. Die muss ein Neuwagen derzeit unbedingt erfüllen. Im Motorrad reicht Euro 3. "Über eine aufwendige Neuprogrammierung der Motorsteuerung verbessern wir derzeit das Abgasverhalten im Kaltlauf", verrät Heidrun Hans.

Mit Sicherheit leicht: Dank Knautschzonen erfüllt der SR3 FIA-Sicherheitsanforderungen.

Zurück auf die Rennstrecke im portugiesischen Portimão. Die profillosen Rennslicks sind warmgefahren, kleben auf dem Asphalt wie ein Kaugummi unterm Schuh. Nach einem Regenguss ist nur die Ideallinie trocken gefahren. Verdammt wichtig, sie in engen Kurven optimal zu erwischen. Denn im Nassen kommt sonst beim Rausbeschleunigen das Heck schneller als der Gegenlenkreflex. In drei Teilen ist die neu gestaltete Fiberglaskarosserie auf das Gitterrohrrahmenchassis aufgesteckt. Mit Front- und Heckflügel erzeugt sie 25 Prozent mehr Abtrieb als beim Vorgänger. Das sorgt in schnellen Kurven für höhere Geschwindigkeiten und mehr Ruhe im Fahrwerk. Obwohl der SR3 bereits ein Leistungsgewicht von 2,19 kg/ PS hat (ein Porsche 911 Turbo liegt bei 3,30 kg/PS), fühlt er sich an, als könnte er noch etliche Pferdestärken mehr vertragen. Vor allem beim Verzögern. Denn viele Bauteile, wie etwa die Bremsanlage, sind exakt die gleichen wie im großen Bruder SR8 LM, in dem ein 460 PS starker V8 tobt. Dadurch lässt sich der neue Radical SR3 fast spielerisch schnell bewegen.

Rennwagen ohne Ende

Fuß vom Gas, aufs Bremspedal. Sofort hänge ich in den Hosenträgergurten wie ein Thunfisch im Schleppnetz. Mit der Linken schalte ich nun an der Schaltwippe Gang für Gang runter. Die 5000 Euro Aufpreis teure Betätigungsautomatik des Hayabusa-Getriebes quittiert jeden Wechsel mit einem herzhaften Gasstoß, damit der Motor so hoch dreht, dass er beim automatischen Einkuppeln die Hinterachse nicht zum Blockieren bringt. Die Alltags- tauglichkeit des SR3 sei dahingestellt. Doch die geplante Zulassung würde Touristenfahrten auf Rennstrecken wie dem Nürburgring ermöglichen. Um dort vielleicht Schwester Suzi zu jagen.
Technische Daten* Radical SR3 Supersport
Motor R4, mittig längs
Ventile 4 pro Zylinder
Hubraum 1500 cm³
Leistung 191 kW (260 PS) bei 10.000/min
Literleistung 173 PS/Liter
max. Drehmoment 217 Nm bei 7000/min
Antrieb Hinterrad
Getriebe sequenzielles 6-Gang
Reifen 200/580 R 15 / 265/605 R 16 v./h. (Rennkonf.)
Länge/Breite/Höhe 4300/1800 /1060 mm
Radstand 2730 mm
Leergewicht 570 kg
Leistungsgewicht 2,2 kg/PS
Tankvolumen 54 l
Verbrauch 23,0 l Super Plus (Rennbetrieb)
Beschleunigung 0–100 km/h in 3,2 s
Höchstgeschwindigkeit 237 km/h
Preis 87.941 Euro
*Herstellerangaben

Autor: Martin Westerhoff

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