Fahrbericht Renault Clio III

Renault Clio III Renault Clio III

Fahrbericht Renault Clio III

— 22.09.2005

... und wächst und wächst und wächst

An der dritten Clio-Generation ist überhaupt nichts mehr klein: Der neue Renault kann jetzt sogar einem Golf Konkurrenz machen.

Ein Vollwert-Auto mit Biß

Vergessen wir einfach mal das Wort Kleinwagen. Komplett streichen. Denn am neuen Clio ist so gut wie nichts mehr klein. Nicht seine Maße, nicht der hohe Einstieg, die langen Sitze, auch nicht das riesige Handschuhfach, das jetzt drei Straßenatlanten übereinander schluckt. Das ist doch kein Kleinwagen mehr, aber was dann?

Sonnenklar: Der Clio ist ein Kompakter. Jawohl, ein GOLF-GEGNER! Klingt verwegen? Ganz und gar nicht, denn der deutlich gewachsene Franzose erreicht mit 3,99 Meter Länge fast exakt die Länge des alten Golf III (4,02 Meter), und der hat bis 1997 das klassische Kompakt-Maß definiert. In diesem Goldenen Schnitt zwischen Größe und Preis, den der aktuelle (teure) Golf verlassen hat, fährt ab 7. Oktober 2005 der neue Renault Clio vor. Und wie damals erwacht beim Fahrer hinterm Steuer die stille Zufriedenheit: Das ist ein Vollwert-Auto, das reicht völlig aus. Erwachsen fühlt sich der neue Clio an. Sein Blechkleid hat die verwegene Extravaganz der Mégane-/Scénic-Ära abgestreift, Renault kehrt zu mehrheitsfähig sachlichem Design zurück. Gut so oder schade? Muß jeder selbst entscheiden. Drinnen warten jedenfalls matte Kunststoffe und abenteuerfreie Schalter. Modern, praktisch, x-mal gesehen: In der umkämpften Klasse setzt sich ein Standard durch, den jetzt alle haben. Was ist da noch typisch französisch? Das außen untergeschnallte Reserverad und leider auch die gefühllose, elektrisch unterstützte Lenkung. Ein Erbe der Brüder Modus und Nissan Micra. Das kann ein Polo präziser.

Preise und Motorisierungen

Wird der Asphalt rauher, dann zeigt der Clio seine Schokoladenseiten: eine souveräne Federung, die schlechte Straßen sanft abreitet, und einen exzellenten Geräuschkomfort. Hinter der aufwendigen Dämmung ist der 106 PS starke Top-Diesel (hochmodern mit Piezo-Einspritzung, die Sparsamkeit und ruhigen Motorlauf vereint) nur noch als fernes Grummeln zu ahnen.

Der neue Luxus-Schnickschnack (Extras wie schlüsselloses Öffnen und Starten, Xenon-Kurvenlicht) kann nicht verbergen, daß die Volks-Versionen unter dem Konkurrenzdruck knallhart kalkuliert sind. ESP kostet unter 100 PS 500 Euro extra, ein Rußfilter kommt erst 2006. Der Preis-Lockvogel für 10.950 Euro fährt reichlich nackt vor, ohne E-Fenster und Seiten-Airbags. Die Version Dynamique, bei uns vermutlich am beliebtesten, kostet mit 75 PS mindestens 12.350 Euro. Streichen wir also das Wort klein. Als Fünftürer (600 Euro extra) ist der neue Renault Clio so teuer wie ein Modus. Ganz schön selbstbewußt. Klein ist da nur der alte Clio: Der wird weiter gebaut und kostet mit 60 PS ab 8950 Euro.

Autor: Joachim Staat

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