Fahrbericht Renault Koleos

Renault Koleos Renault Koleos

Fahrbericht Renault Koleos

— 29.05.2008

Japanischer Franzose aus Korea

Spät, sehr spät kommt das erste SUV von Renault: Der Koleos startet bei uns am 12. September 2008 – etwa ein Jahr nach dem Spätzünder VW Tiguan. Zur Erinnerung: Der Toyota RAV4, Stammvater der Gattung, kam schon 1994 auf den Markt.

Die Franzosen haben sich dem Thema SUV lange grundsätzlich verweigert, ehe sich dann Citroën mit dem C-Crosser und Peugeot mit dem 4007 Mitte vergangenen Jahres erstmals öffentlich und ernsthaft ins Gelände wagten – über halbherzige Konstruktionen wie den Renault Scénic RX4 oder den Kangoo 4x4 wollen wir an dieser Stelle den Mantel des Schweigens breiten. C-Crosser und 4007 jedenfalls werden von Mitsubishi gebaut und sind Schwestermodelle des Outlander. Nicht überraschend hat sich auch Renault für den Koleos Unterstützung an Bord geholt: Der teilt 60 Prozent der Teile mit dem X-Trail von der Konzernschwester Nissan. Doch der Koleos wird nicht etwa in Japan gebaut, sondern in Korea. Hier kommt das ebenso zu Renault gehörende Unternehmen Samsung ins Spiel - eigentlich eher als Elektronik-Lieferant bekannt.

Aber Samsung baut durchaus auch noch Autos – zum Beispiel die bei uns komplett unbekannten SM3, ein Kompaktauto, und die Limousinen SM5 und SM7 – allesamt stammen übrigens von Nissan-Modellen ab. Und jetzt entstehen in einem modernen Werk in Pusan eben auch der Koleos und sein Schwestermodell Samsung QM5. Die internationale Arbeitsteilung hat sich auf den Koleos gleich mehrfach ausgewirkt: Zum einen ging ein Großteil des Charmes der ersten Konzeptstudie verloren – der Koleos sieht eben so aus, seien wir offen, wie ein SUV aus Korea. Langweilig. Andererseits tut der Produktionsort dem Renault sichtlich gut, er ist sehr ordentlich verarbeitet: asiatisch penibel und eben nicht französisch-nonchalant. Das betrifft auch das Cockpit, das sich nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ wirklich sehen lassen kann.

Die Einrichtung ist typisch französisch und deshalb vor allem praktisch

Platz hat der 4,52 Meter lange Koleos etwa soviel wie die anderen Kompakt-SUV – vorn ist es ausgesprochen geräumig, im Fond nicht mehr ganz so luftig. Auffällig ist, und das ist nun wieder typisch französisch, wie praktisch der Renault eingerichtet ist: Bequeme Sitze, jede Menge Ablagen und Staufächer, Beifahrersitz mit umlegbarer Lehne und dazu lässt sich die Rückbank mit einem einzigen Griff umlegen. Einfach dran ziehen (liegt an der Seitenwand des Kofferraumes) und schon falten sich Rückbank und Lehne von ganz allein zu einer ebenen Ladefläche. Schön. Der Kofferraum allerdings ist mit einer Größe von 450 bis 1380 Liter nicht allzu groß und auch die geteilte Heckklappe – der untere Teil klappt nach unten und kann bis zu 200 Kilo tragen – nicht unumstritten: Für nicht ganz so groß gewachsene Leute ist die Beladung des Gepäckabteils auf diese Art nicht ganz einfach.

Das Motorenprogramm umfasst drei Triebwerke: Ein 2,5-Liter großer Benziner mit 171 PS kommt von Nissan, der Zweiliter-Diesel mit 150 oder 173 PS von Renault. Den Benziner gibt es nur mit Frontantrieb, den 150-PS-Diesel mit Vorderrad- oder Allradantrieb und als einzigen auch mit Automatik, der 173-PS-Diesel fährt immer mit Allradantrieb. Auf den ersten Ausfahrten in wildromantischen Gebirgen im Norden Marokkos schlug sich der 173-PS-Diesel samt Allrad bemerkenswert. Souverän marschierte der Koleos damit über gut ausgebauten Asphalt, staubige Schotterpisten oder auch schmale Gebirgspfade. Vorbei an uralten Siedlungen, freundlich winkenden Menschen und großflächig grasenden Schafherden. Die blieben unbelästigt, der Motor läuft leise. Er dreht freudig und hat richtig Kraft, das Allradsystem – mit elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung – funktioniert reibungslos. Nicht ganz überzeugen kann nur die – typisch französisch – sehr künstlich wirkende Lenkung.

Über Preise und detaillierte Ausstattungen wollte Renault mit uns noch nicht reden – einen einzigen Preis gibt es aber: 24.500 Euro wird die Basis mit Benziner und Frontantrieb kosten, für den gefahrenen 173-PS-Diesel ist also mit etwa 30.000 Euro zu rechnen. Hat der Koleos trotz des Spätstarts überhaupt eine Chance? Hat er: Er fährt sich angenehm, ist gut ausgestattet und vor allem der 173-PS-Selbstzünder ein echte Empfehlung.

Autor: Dirk Branke

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