Fahrbericht Renault Twingo 1.5 dCi

Fahrbericht Renault Twingo 1.5 dCi

— 11.06.2007

Bist du Twingo, oder was?

Der alte Twingo wurde zum Trendsetter. Nun steht der neue Franko-Knirps am Start. Ob er das Erbe schultern kann? Erste Fahrt im Diesel.

Die süßen Kulleraugen sind verschwunden, der Neue schaut mich aus modisch-verchromten Leuchten groß an und sieht dabei nun so beliebig aus wie die große Masse aller Kleinwagen. Verschwunden sind auch die drei kleinen Haubenschlitze für die Heizungsluft. Geblieben ist nur der schmale Querspalt über dem Kennzeichen, darunter atmet der Kühler Luft durch ein schwarzes Gitter. Der Pressetext betont: Der Twingo ist "das erste Modell mit dem neuen Renault-Markengesicht ohne Kühlergrill". Zwei Designtrends im Land der Couturiers – Renault versucht, den Lufteinlass zu verstecken, was nicht richtig gelingt. Peugeot dagegen lässt seine Modelle vorn breit grinsen. Mal sehen, was sich langfristig durchsetzt.

Ich will einsteigen und entdecke einen alten Bekannten: Der unpraktische Türgriff ist geblieben. Hinterm Blech muss ein schwarzer Kunststoffhebel angehoben werden, dann gibt die breite Tür den Eingang frei. Auf die Plätze, fertig, und – oh Schreck – eine Plastikwüste breitet sich vor meinen Augen aus. Wo der alte Twingo teilweise noch stoffähnliche Verkleidungen hatte, ist hier nur noch riffeliger Kunststoff zu sehen. Mir stellt sich die Frage: Wie soll der mal ordentlich geputzt werden? Kleiner Trost: Im neuen Twingo ist innen wenigstens kein nacktes, lackiertes Blech mehr zu sehen.

Sparsamkeit hat auch ihre guten Seiten

Der Rotstift begleitet mich weiter. Die Ablageschale unterm Sitz (ab Ausstattungsstufe Initiale) wirkt billigst, Schrauben sind wie bisher unverkleidet, Sitzschienen ebenfalls, und an der Verstellung der hinteren Einzelsitze (neues Extra) kann man sich die Füße stoßen. Doch Sparsamkeit hat auch ihre guten Seiten. Wie beim Vorgänger muss ich in keiner Betriebsanleitung blättern, um loszufahren. Das bisschen Fünfgang-Heizung-Licht-Wischer-Radio-Betätigen kapiert jeder. Armaturen-Verschlimmerer, bitte herschauen und nachmachen!

Die wichtigste Neuerung im Bronze-Twingo steckt unter der Haube: Im Display verrät eine Vorglüh-Anzeige, dass hier ein Diesel gestartet wird. Den gab es bisher nicht. Gut hörbar nagelt der 1.5 dCi los, bringt die 1055 Kilogramm Leergewicht schnell in Schwung. Leider konnte ich ihn nur im Pariser Stadtverkehr bewegen, über Autobahn-Manieren kann erst nach einem späteren Test berichtet werden.

Echter Schwachpunkt aber: Ein Partikelfilter ist derzeit nicht lieferbar. Das gilt übrigens auch für den Schleuderschutz ESP. Der soll zwar im nächsten Jahr zu haben sein. Aber ob wir ihn wirklich vermissen, kann ebenfalls nur ein richtiger Test klären. Mit der Sicherheit geizen die Franzosen: Serienmäßig sind nur zwei Airbags vorn. Ab "Expression" gibt es zwei Seitenairbags und optional seitliche Windowbags. Von den drei Benzinern macht naturgemäß der 100-PS-Motor im GT den meisten Spaß. Der Turbolader des kleinen 1,2-Liters ist so gut abgestimmt, dass er sich anfühlt wie ein deutlich hubraumstärkerer Motor.

Bleiben noch Fakten: Gegenüber dem alten legt der neue Twingo in der Länge um 17 Zentimeter zu. Auch wuchsen Kopf- und Kniefreiheit. Die Karosse bleibt weiterhin dreitürig. Wer hinten etwa Kindersitze montieren will, der sollte die Einzelsitze statt der Zweierbank wählen. Dann lässt sich auch die Beifahrersitzlehne flachlegen, was wiederum den Einstieg erleichtert. Denn von der Größe her ist der Twingo irgendwie doch der Alte geblieben. Wenigstens etwas.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz

Der Charme des Twingo ist leider dahin. Keine Kulleraugen, keine vanartige Silhouette. Immerhin wurde der Neue moderner und noch praktischer (verschiebbare Einzel-Rücksitze). Vier Türen wie bei der Konkurrenz gibt es aber auch künftig nicht. Und weder den Schleuderschutz ESP noch einen Dieselfilter gibt es für Geld und gute Worte. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Autor: Diether Rodatz

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