Fahrbericht Renault Wind

Fahrbericht Renault Wind Fahrbericht Renault Wind

Fahrbericht Renault Wind

— 06.05.2004

Frischer Wind

Auf dem Genfer Salon weckte der Renault Wind Frühlingsgefühle. Jetzt konnten wir erstmals die Studie fahren – und fordern: Unbedingt bauen!

So schön und einfach kann Autofahren sein

Avantime, Vel Satis, Mégane: Mut zum ungewöhnlichen Design hat Renault längst bewiesen. Was dem französischen Automobilhersteller ("Créateur d’ Automobiles") fehlt, ist ein Image-Träger. Ein Auto, das neben ungewöhnlichem Styling wirklich frischen Wind in die Modellpalette bringt. Eines wie der Roadster Wind.

Im März auf dem Genfer Salon hatte Renault erstmals seine luftige Studie gezeigt – und prompt einen Orkan entfesselt. Doch da war nur Gucken erlaubt. Jetzt konnten wir den Wind erstmals auf unserer Haut spüren. Renault hat die Studie für uns an die milde Frühlingsluft gerollt. Und nach den Testrunden steht für mich fest: Dieses Auto muss Renault bauen.

Nach nur wenigen Metern vermittelt der Wind seine pure Botschaft: So schön und einfach kann Autofahren sein. Schön, weil offen der Fahrspaß ungefiltert ins Cockpit strömt; einfach, weil es nur ein Minimum an Knöpfen und Schaltern gibt.

Im Wind ist ehrliche Handarbeit gefordert

Anders als in vielen modernen Autos, in denen ich mich nur noch als Handlanger elektronisch kontrollierter Fahrsysteme fühle, ist hier ehrliche Handarbeit gefordert. Alles, was ich dazu benötige, liegt vor mir: Lenkrad, Schaltpaddel und Kombiinstrument. Zu meinen Füßen zwei unterschiedlich gestylte Pedale und eine Fußstütze. Zwischen die Sitze platziert Renault noch Starterknopf, Feststellbremse und Wähltaste für den Schaltmodus. Da gehören sie auch hin; denn beim Fahren benutzt diese Knöpfe eh niemand mehr.

Renault hat den Prototyp mit einem automatisierten Sechsganggetriebe ausgerüstet. Es wechselt die Gänge automatisch oder manuell. Ein sinnliches Vergnügen ist der Handbetrieb. Die Schaltpaddel aus poliertem Alu sind groß wie Mickymaus-Ohren und fühlen sich herrlich an. Übrigens: Laut Renault muss Schalten nicht lautlos, im Geheimen ablaufen. Die Gänge rasten mit einem satten metallischen Klack ein. So kennen wir das sonst nur bei Rennautos.

Den Zweilitermotor mit 135 PS haben die Techniker weit vorn im Prototyp versteckt. Er sitzt sauber verpackt unter der größten Abdeckung, die ich je bei einem Motor gesehen habe. Auch wenn man den Motor nicht sieht – hören kann man ihn. Und wie! Renault lässt den Vierzylinder brüllen wie einen fetten V8. Dabei reicht die kleine Maschine völlig, um das nur 850 Kilo leichte Auto flott voranzubringen. Für einen Serieneinsatz ist jedoch ein anderes, leichteres Aggregat im Gespräch. Ich habe keine Zweifel, dass der Roadster auch damit eine echte Windmaschine bleibt.

Inklusive modernem Schwiegermuttersitz

Eine, die hinter Fahrer und Beifahrer sogar einer dritten Person Platz bietet. Dazu muss das Mittelteil zwischen den Sitzen herausgenommen werden. Es dient dann als Sitzmulde. Fertig ist der moderne Schwiegermuttersitz.

Die Vordersitze wirken im ersten Moment spartanisch. Sie entpuppen sich aber als recht bequem und bieten genug Seitenhalt. Anders als gewohnt, lassen sich die Sitze hier nicht verstellen. Um meine ideale Sitzposition zu finden, verändere ich den Abstand von Lenkrad und Pedalerie mit zwei kleinen Knöpfen am Lenkrad – schon passt der Arbeitsplatz. Das Platzangebot übrigens auch. Der kurze Roadster (3,87 Meter Länge) wirkt überraschend groß. Renaults Tricks: Im Fußraum fehlt der Tunnel, die Ellenbogenfreiheit ist üppig. So lässt es sich gut reisen.

Bleibt die alles entscheidende Frage: Wann kommt er? Ich fürchte, es wird wohl noch mindestens drei Jahre dauern. Doch die genaue Antwort kennt nur der Wind – und natürlich Renault.

Renault: "Die Optik ist schon seriennah"

AUTO BILD: Auf dem Genfer Salon hat der Wind viel Lob geerntet. Wann wird er gebaut? Denis Falck (Prototypen-Entwickler bei Renault): Das Echo in Genf war in der Tat hervorragend. Doch noch ist nichts entschieden, aber wir als verantwortliche Entwickler wären natürlich stolz darauf, wenn das Auto so käme.

Entworfen wurde es im Renault-Technologie-Center. Wo könnte es produziert werden? Bei Renault Sport in Dieppe. In dem Werk fertigte Alpine früher Sportwagen. Renault baut dort heute sportliche Kleinserien wie Clio V6 oder Mégane Sport.

Seit dem Sport-Spider gibt es bei Renault keinen echten Sportwagen mehr. Wäre das nicht schon Grund genug, den Wind zu bauen? Ja, denn der Roadster würde dem Image der Marke Renault noch mehr Frische und Sportlichkeit verleihen.

Würde sich das Aussehen des Wind bis Serienanlauf noch wesentlich ändern? Nein, denn unsere Prototypen sind den Serienmodellen immer sehr ähnlich.

Womit überrascht uns Renault als Nächstes? Mit dem Prototyp eines kleinen Geländewagens? Wir zeigen im September auf dem Pariser Salon eine neue Studie, das ist richtig. Mehr aber kann ich heute dazu nicht sagen.

Autor: Manfred Kolbe

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