Fahrbericht Saab Aero X

Saab Aero X Saab Aero X

Fahrbericht Saab Aero X

— 26.03.2006

Eine himmlische Idee

Der Name Saab steht für Automobil- und Flugzeugbau. Das zeigt der neueste Entwurf Aero X besonders eindrucksvoll. AUTO BILD schwang sich in die Kanzel.

Der Aero X gleicht einem kampf-Jet

Nur fliegen ist schöner? Kann ich mir zu diesem Saab gut vorstellen. Da hatte Opel mit dem legendären Werbespruch zum GT bereits 1968 ins Schwarze getroffen: Rassige Sportwagen haben was mit der Fliegerei zu tun. Cockpit und Spoiler sind durchaus mit Kanzel und Leitwerk zu vergleichen.

Ein aktuelles Beispiel für die Parallelen zwischen den Welten raubte uns jüngst auf dem Genfer Auto Salon den Atem: die Saab-Studie Aero X. Ein ultraflacher Kohlefaser-Zweisitzer, dessen kompromißloses Profil der Tragfläche eines Kampf-Jets ähnelt. Und erst die Fahrgastzelle! Wie eine Jäger-Kanzel gleitet die Kuppel surrend nach oben, kippt ein wenig nach vorn und gibt den Einstieg frei. Wie passend. Schließlich hat der schwedische Autobauer flugtechnische Wurzeln: Seit 1937 existiert das Werk. Und zwar – wie der Name Svenska Aeroplan Aktie Bolaget verrät – aktuell sogar auch als Hersteller von militärischem Düsengerät.

Auf einem Flugplatz bei Malmö wartet nun auch die fahrbereite Studie aus Genf auf mich. 400 PS Schubkraft aus einem Bio-Ethanol-V6 stehen bereit. Sie sollen dem Super-Saab eine "Reisegeschwindigkeit" von 250 km/h bescheren.

Im Innenraum geht's galaktisch zu

Gefühlt liefert der Bomber sogar noch weit mehr Schub. Weil der fauchende Klang des V6-Biturbos und der giftige Charakter der Maschine deutlich ungehemmter durch die dünne Kohlefaser-Karosserie bellen als durch eine schwere Blechhülle. Ich habe sofort das Gefühl, mehr Pilot als Fahrer zu sein. Kein Wunder, denn bereits der Einstieg ist sehr ungewöhnlich: Die Kanzel surrt nach oben, ich schlüpfe hinein, falle tief in zierliche Sitzschalen. Hier greifen die Hände das unten abgeflachte Lenkrad, und die Augen peilen auf Instrumente, die problemlos auch Trimmung und Höhe über Null anzeigen könnten.

Völlig ungewohnt die Aussicht. Keine B-Säulen verstellen den Blick, ich kann von ganz links bis ganz nach rechts schauen. Eine 180-Grad-Panorama-Aussicht: Wobei die Krümmung des Glases etwas verzerrt. So fühle ich mich bereits im Stand überirdisch schnell. Fast schon galaktisch.

Allen abgehobenen Eindrücken zum Trotz – letztendlich fliegt der Aero X auf Höhe Normalnull, eben wie ein ganz normales Auto. Okay, besser gesagt wie ein Supersportwagen. Die Studie verfügt nämlich über Allradantrieb, liefert also enorme Traktion. Die 325er-Reifen hinten bieten gewaltigen Grip, und die Schaltung am Lenkrad soll Gangwechsel in einem extrem schnell schaltenden Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe auslösen. Der empfindliche Prototyp muß allerdings für die Fotofahrten mit einem herkömmlichen Automaten auskommen.

Keine fünf Sekunden bis Tempo 100

Für die Beschleunigung heißt das so oder so: Keine fünf Sekunden verstreichen, bis Tempo 100 im grünlich schimmernden Tachodisplay aufblinkt. Dabei ist die Tachoanzeige etwas ganz Besonderes. Die Ziffern wirken dreidimensional, sind es aber nicht. Saab erreicht diesen Effekt durch speziell geschliffene und geätzte Deckgläser. Das sieht nicht nur abgehoben aus, es zeigt auch, wieviel Mühe sich die Schweden in Zukunft beim Cockpitdesign geben wollen. So werden wir die grüne Cockpitbeleuchtung demnächst wohl auch bei Serienautos finden.

Ebenso detailverliebt wie die Anzeige der Geschwindigkeit gibt das hart abgestimmte Fahrwerk eine Beschreibung der Straßenoberfläche wieder. Trotz elektronisch kontrollierter Stoßdämpfung – bei derart kurzen und harten Schraubenfedern sind auch regelbare Stoßdämpfer gegen Erschütterungen machtlos.

Sei's drum, den Aero X sehen die Schweden ohnehin nur als Botschafter für künftige Design-Ideen. Zumindest die Jet-Nase, die einer Turbine nachempfundenen Aluräder, LED-Lichttechnik oder das scharf geschnittene Heck werden wir in ähnlicher Form bald wiedersehen – meint Designer Alex Daniel. Eigentlich schade, ich hätte mir für den gesamten Aero X eine Starterlaubnis gewünscht.

Autor: Jan Horn

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