Fahrbericht Seat Leon

Seat Leon Prototyp Seat Leon Prototyp

Fahrbericht Seat Leon

— 07.04.2005

Der spanische Stier

Er war einer der Stars des Genfer Salons. Die erste Ausfahrt mit dem neuen Leon macht großen Appetit auf die Serie.

Südländisches Temperament

Vor sechs Jahren setzte bei Seat der Wandel ein, den Ferdinand Piëch kurz zuvor gewohnt selbstbewußt angekündigt hatte. Nach den tollkühnen Plänen des VW-Chefs sollte die spanische Tochter den italienischen Herzensbrechern aus dem Hause Alfa Romeo ans aufreizende Blech fahren. Als 1999 der Seat Leon auf der IAA vorgestellt und Walter de Silva (kam von Alfa!) als Design-Chef eingeführt wurde, nahm die Sache Formen an.

Ohne gleich Begeisterungsstürme auszulösen und mit einem deutlichen Schuß Alfasud im Blech, räumte der spanische Golf mit dem Langweiler-Image der Sociedad Española de Automóviles de Turismos (SEAT) gründlich auf. Kraftvoll und dynamisch wirkte der erste Leon, dabei weniger brav als Bruder Golf IV und irgendwie schwang tatsächlich südländisches Temperament mit.

Und das, obwohl Meister de Silva an den Kompakten noch gar nicht Hand anlegen konnte. Inzwischen trägt die Seat-Famile stolz und unverkennbar die Handschrift des gebürtigen Italieners. Und so wie zuletzt Altea und Toledo für Aufsehen sorgten, dürfte auch die zweite Auflage des Leon einigen Staub aufwirbeln.

Sprungbereit, spannend, sportlich

Nachdem wir in Genf einen vielversprechenden Blick auf den seriennahen Prototyp werfen konnten, durfte ich mich jetzt als erster Journalist hinters Lenkrad klemmen und den Leon probefahren. Die Annäherung an das im Wortsinne einmalige Showcar läßt trotz der frühsommerlichen Temperaturen in Nordspanien eine leichte Gänsehaut aufkommen.

Wie der immerhin 1,82 Meter breite, aber nur 1,43 Meter hohe Kompakte (Golf 1,76/1,49 m) da so auf dem Asphalt hockt, sieht er noch viel besser aus als auf dem Messestand. Sprungbereit, spannend, sportlich – der Kampf um den Titel "attraktivster Golf-Gegner" ist neu eröffnet, Titelverteidiger Alfa 147 muß sich auf jeden Fall warm anziehen.

Im Inneren verwöhnt der dynamische Latin-Lover mit vier einzelnen Sportsitzen und geräumigem Platzangebot. Letzteres sollten die Seat-Ingenieure durchaus in die Serie (Vorstellung IAA, Oktober im Handel) retten können, schließlich macht sich der Leon stolze 4,34 Meter lang (Golf 4,21 m).

Herrliche Zaubereien von de Silva

Im Fond erwarten wir beim Produktionsmodell dann natürlich eine geteilt klappbare Bank für drei Personen – die zwar nicht unbequem sitzen, wegen des nicht gerade üppigen Radstandes von 2,58 Metern (wie Golf) allerdings keine überlangen Beine haben sollten.

Der Fahrer muß sich mit solchen Problemen nicht herumärgern. Die A-Säule steht zwar bedrohlich flach, ich sitze dennoch perfekt und bequem. Und auch wenn das Studieninterieur knarzt und ächzt, als wolle es gleich aufgeben, genieße ich das anspruchsvolle Cockpit.

Bis auf die schwebende Instrumentenhutze, die Lüfterdüsen und einige weitere Details sollen 90 Prozent auch im Serienmodell auftauchen – freuen wir uns jetzt schon darauf. Packende Sportsitze, ein griffiges Lenkrad, der einmal durchs ganze Auto laufende mittlere Muskelstrang (so leider nicht in der Serie) – herrlich, was das Team um Walter de Silva da hingezaubert hat.

Sonores Ansaugröcheln des Vierzylinders

Eine berauschende Vorstellung dürfte auch der Vierzylinder liefern – wenn er bei späteren Tests einmal ausgefahren werden darf und den Verantwortlichen nicht wie bei unseren Fotofahrten ab 60 km/h der kollektive Herzinfarkt droht. Jeden Gangwechsel der DSG-Box begleitet ein sonores Ansaugröcheln, aus dem Auspuff röhrt ein vielversprechender Renn-Rock. Ansonsten keine Überraschungen, schließlich kennen wir den 2,0-Liter-Turbo ja schon aus dem GTI.

Und wir haben die angriffslustigen 200 PS dort liebengelernt. Mit Leidenschaft komponierter Sound, spontanes Ansprechverhalten, Kraft in allen Drehzahllagen – der Direkteinspritzer ist eindeutig für den Spaß, nicht fürs Sparen gemacht. Weshalb wir dem straffen Leon mit den seismographisch ansprechenden Reifen im Format 265/30 ZR 19 auch die recht direkte Übertragung der meisten Fahrbahnschäden in den Innenraum nachsehen.

Zudem hegen wir an den 6,9 Sekunden bis Tempo 100 und den 236 km/h Spitze deutlich weniger Zweifel als an dem genannten Verbrauchswert: 7,8 Liter alle 100 Kilometer. Das, in der Tat, wäre für einen solchen 200-PS-Renner und trotz des teuren Super plus die eigentliche Sensation.

Autor: Gerald Czajka

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