Fahrbericht Skoda Roomster 1.2

Skoda Roomster 1.2 Skoda Roomster 1.2

Fahrbericht Skoda Roomster 1.2

— 30.05.2006

Platz da für den Roomster!

Skoda geht auf Raumfahrt: Der neue Roomster ist schick, hoch und günstig. Ein Gegner für den Meriva – oder wo ist die Lücke für das Rundstück?

4,21 Meter mit echten Taxi-Qualitäten

Wir kennen Boxster und Speedster, beides Sportwagen von Porsche. Aber was, bitte schön, ist ein "Roomster"? Nun, zuerst mal ein cleverer Name für den neuen Skoda. Roomster, das liftet den Kastenwagen weg von Konkurrenten wie dem eiförmigen Opel Meriva oder dem entwaffnend nackten Renault Kangoo. Skoda erklärt uns den Namen so: vorn Roadster, hinten Wohnzimmer – es lebe die Worthülse.

In der Tat bringt der 4,21 Meter lange Roomster neuen Schick in Skodas Schauräume. Und in die boomende Klasse der nützlichen Faltschachteln. Hinter der markanten Haube ist die Karosserie glatt wie ein handschmeichelnder Kiesel, dem ungewöhnliche Linien Spannung verleihen. Die Frontscheibe gewölbt wie eine Pilotenkanzel, hinten versteckte Türgriffe wie bei Alfa Romeo, die Rückleuchte wieder ein markantes C. "Ein neues Skoda-Gesicht für junge Kunden", sagt Vorstandschef Detlef Wittig. Ich ertappe mich dabei, mir den Roomster in schickem Schwarz vorzustellen ...

Innen regiert dagegen der Skoda-Stil: sachlich, nützlich, kein Chichi. Jeder Schalter, jeder Hebel oder Fensterheber sagt: Ich bin ein VW zum Aldi-Preis. Was, bitte, soll in der ersten Reihe an Roadster erinnern? Vielleicht die schlechte Sicht zur Seite durch die hochgezogene Fensterlinie? Nein, das eigentliche Roomster-Wunder geschieht im "Wohn-Zimmer", wie Skoda den Fond nennt. Die tiefe Fensterlinie, ein Trick des deutschen Designers Thomas Ingenlath, läßt den Raum noch luftiger erscheinen. Dach und Vordersitze rücken weit weg, die Rückbank steht wie im Kino 46 Millimeter höher als die erste Reihe – ach, man fällt unwillkürlich in Lümmelhaltung. Der Roomster gibt bestimmt ein tolles Taxi ab, da muß VW mit dem Touran aufpassen.

Drei Benziner und drei Diesel im Angebot

Auf seinem langen Radstand (2,62 Meter, vier Zentimeter mehr als im Octavia Combi) beherrscht das Raumauto fast alle heute üblichen Umbautricks: Lehnen verstellen, Sitze längs verschieben (bis zu 15 Zentimeter), hochklappen, nach innen versetzen, ausbauen – so viele Möglichkeiten, daß man sich fragt: Macht diese Umbau-Arie noch irgendjemand anderes, außer der AUTO BILD-Redakteur fürs Foto? Daher kurz die Fakten: Maximal 1780 Liter Kofferraum sind 160 Liter mehr als im Octavia Combi. Das Umlegen der Sitze ist komplizierter als beim genialen Ein-Griff-Mechanismus des Honda Jazz. Und schön wäre auch, wenn im Roomster hinten nicht nur Kinderkino laufen würde – die Sitze sind schon arg klein geraten, wie bei vielen Vans.

Bescheiden geben sich zum Modellstart im August auch die Motoren, drei Benziner und drei Diesel mit 64 bis 105 PS. Die beiden kleinsten Triebwerke, Dreizylinder-Diesel und -Benziner aus Polo/Fabia, brummen vorn dezent und emsig wie die fleißigen Bienchen, laufen aber beladen auf der Autobahn ab Tempo 140 vor eine unsichtbare Gummiwand. Sie sind halt die karge Grundversorgung, um den Einstiegspreis auf plakative 12.990 Euro drücken zu können.

Technische Daten

Für die knapp 13.000 Euro gibt es zwar sechs Airbags, aber weder elektrische Fensterheber noch Deckel fürs Handschuhfach oder ESP. Der elektronische Schleuderschutz ist erst ab 80 PS zu haben. Ist das nun kundenfreundlich preissenkend oder gefährlich, wie gerade beim Nissan Note festgestellt? Wir werden es testen. Der Roomster steht – auf den Achsen seines kleineren Bruders Fabia – mit einem straff abgestimmten Fahrwerk auf der sicheren Seite. Das wirkte bei unserer ersten Probefahrt recht erwachsen, aber die bösen tschechischen Landstraßen-Löcher schlugen manchmal hart durch.

Wo ist der Platz für den Roomster? Der Skoda ist geräumiger als der Platzhirsch Opel Meriva (2005 bei uns 55.863mal verkauft), dabei voraussichtlich rund fünf Prozent günstiger. Exakte Preise und Ausstattungen stehen noch nicht fest.

Doch in dieser Klasse entscheiden Nutzwert und Geld: Für einen gutausgestatteten Roomster sind schnell über 14.000 Euro fällig. Renault mußte zuletzt erleben, daß der kleinere Modus nicht junge Familien anspricht, sondern eher zahlungsfähige Senioren. Deshalb nennt Skodas Markenchef Detlef Wittig vorsichtige Ziele: "Mit 15.000 Roomster sind wir zufrieden." Er weiß genau: Da ist noch Raum nach oben. Der Roomster kann mehr.

Technische Daten Skoda Roomster 1.2: Dreizylinder • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1198 cm³ • Leistung 47 kW (64 PS) bei 5400/min • max. Drehmoment 112 Nm bei 3000/min • Frontantrieb • Fünfgang • Federbeine und Dreieckquerlenker vorn, Verbundlenkerachse hinten • Kofferraumvolumen 450 Liter (1780 bei ausgebauter Rückbank) • Tankinhalt 55 Liter • Länge/Breite/Höhe 4205/1684/1607 mm • Leergewicht 1150 kg • Zuladung 515 kg • Spitze 155 km/h • Preis: 12.990 Euro

Mutige Brüche oder chaotisches Grauen?

Das Design des neuen Roomster spaltet die Gemüter. Lesen Sie hier zwei Meinungen zur frechen Linie des Skoda – pro und kontra.

Testchef Jürgen von Gosen: Das kann doch nicht wahr sein! Da bringt Skoda ein durch und durch vernünftiges Auto und verpaßt ihm eine extravagante, schier unmögliche Form. Modernes Design? Ich sage: chaotisch. Vorn durchaus gelungen, sogar mit sportlichen Zügen. Doch hinter den vorderen Türen beginnt das Grauen. Da paßt keine Linie zur anderen, der kantige Kasten wirkt wie ein Fremdkörper. Mir scheint: Skoda wollte um jeden Preis anders sein. Ergebnis ist ein zerklüftetes Raumwunder mit eigenwilligem Vorbild: Toyota Yaris Verso.

Chefredakteur Bernd Wieland: Es sind gerade die Brüche der gewohnten Linien, die den Reiz des Roomster ausmachen. Sie heben ihn von einem langweiligen Berlingo oder einem niedlichen Kangoo ab. Das tiefergesetzte hintere Seitenfenster, das schon den Citroën C2 schicker als andere Kleine machte, funktioniert auch beim Skoda. Die schwungvoll gegeneinander verdrehten Fensterlinien erinnern mich sogar ein wenig an das geniale Guggenheim-Museum in Bilbao von Star-Architekt Frank Gehry. Oder an die Kreationen von BMW-Designer Chris Bangle. Dieser Schuß Avantgarde tut gut!

Autor: Joachim Staat

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