Fahrbericht Smart forfour

Smart forfour Smart forfour

Fahrbericht Smart forfour

— 05.02.2004

Ein ganz normaler Smart?

Smart wollte nie normal sein, immer anders als die anderen. Und jetzt das: Der forfour kommt. Ein Polo mit Lifestyle-Anspruch. Nüchterner: ein viertüriger Kleinwagen mit normaler Technik. Ganz normal ist das nicht, oder?

Erbanlagen des Smart forfour manipuliert?

Hat ein Auto Gene? Dann sind die Erbanlagen des Smart forfour manipuliert. Alles ist anders. Einfach normal. Mancher Smart-Fan der ersten Stunde fragt sich: Wo ist die Originalität des city-coupés geblieben, das einst eine neue Klasse definierte?

Rechts neben dem Lenkrad steckt der Schlüssel im Zündschloss wie bei den meisten Autos, die nicht Porsche oder Saab heißen. Smart city-coupé oder roadster starten in der Mittelkonsole. Dann pfeift der Turbo los. Im forfour mit 1,5-Liter-Benziner (109 PS) pfeift nur der Beifahrer, wenn das CD-Radio Robbie Williams spielt. Das sanfte Summen des Vierzylinders könnte auch eine gecoverte Version von Nissan Micra, Hyundai Getz oder Mitsubishi Colt sein.

Smart hat das Aggregat zusammen mit den Japanern entwickelt. Die drei Benzinmotoren (75, 95, 109 PS) gehören zu den Komponenten, die sich die Kleinwagen forfour und Colt teilen. Insgesamt sind es 40 Prozent Gleichteile, sagt Smart. Mitsubishi spricht von 60. Und beide beschwören, dass keiner die Gleichteile sehen kann. Das Marketing wird es schon richten.

Fünfgang-Handschaltung statt Automatik

Wie normal (nicht zu verwechseln mit langweilig) dieser Smart ist, zeigt sich schon am Konzept: Der Motor sitzt vorn und nicht hinten, die rechte Hand führt ohne großen Kraftaufwand einen Schaltknüppel durch fünf Gassen.

Das automatisierte Schaltgetriebe (550 Euro) wurde durch eine ganz normale Fünfgangschaltung ersetzt. Damit fällt auch die Kraftschlusslücke weg, die das city-coupé zwischen den Gangwechseln nervig nicken ließ. Die meisten werden es mögen, dass sich die Welt zwischen dem zweiten und dritten Gang weiterhin dreht und nicht mehr lähmend stillzustehen scheint. Endlich fließt der Kleinwagen flüssig mit dem Verkehr.

Wenn man nicht gerade wie wir in Rom unterwegs ist. Die italienische Metropole ist Smart-Hauptstadt, weil der Mini nicht nur fröhlich winzige Parkplätze besetzt, sondern durch die so genannten Bodypanels (350 Euro) in Boxenstopp-Zeit zu reparieren ist. In der Werkstatt muss der Mechaniker nur an ein paar Schrauben drehen, um die Kunststoff-Teile auszutauschen.

Rückbank um 15 Zentimeter verschiebbar

Spätestens im Fond entscheidet sich, dass Smart keine Aktentasche auf Rädern ist. Die Mittelarmlehne (210 Euro) zwischen Fahrer- und Beifahrersitz schwenkt um 180 Grad zurück und verwandelt die Rückbank in eine Lounge: Aus der Ablage für den Unterarm ist ein Getränkehalter geworden.

Auch der Beifahrersitz ist doppelt belegt: Wie im city-coupé lässt sich die Lehne nach vorn klappen, zwei Kissen in Farbe der Innenausstattung verwandeln den Fünfsitzer (120 Euro) wahlweise in Pausen- oder Partyraum. Dagegen wirkt der Polo wie ein spießiger Pensionär.

Auch im Kofferraum bewegt sich der forfour flexibel und beharrt nicht auf festgelegten Größen. Die Rückbank fährt um 15 Zentimeter nach vorn oder hinten, die Lehnen klappen im Verhältnis 60:40, die gesamte Rückbank verschwindet hinter den straff gepolsterten Vordersitzen. Damit liegt der Smart samstagmorgens auf dem Supermarktparkplatz ganz weit vorn (268 bis 910 Liter). Ähnlich gute Raumkonzepte besitzen noch Renault Twingo und Honda Jazz. Den wichtigsten Konkurrenten sehen die Smart-Verantwortlichen dagegen ausgerechnet im Platzzwerg Mini.

ESP ist serienmäßig an Bord

80.000 forfour will die Daimler-Tochter pro Jahr verkaufen, BMW setzt etwa doppelt so viele Mini ab. Was bietet der Smart, was Mini-Kunden wünschen? Zum Beispiel ein überraschend straffes Sportfahrwerk (ab 690 Euro), das den Viertürer in die Kurve legt, ohne dass sich die Karosserie merkbar zur Seite neigt. Nachteil: Die Passagiere werden kräftig durchgeschüttelt. Dafür genießt man feste Sitze, die sich im Cockpit mit einem Ritschratschbügel in der Höhe verstellen lassen (195 Euro).

Mit weniger als 1000 Kilogramm ist der Fünfsitzer sportlich leicht, beim 1,5-Liter-Motor bewegt ein PS neun Kilo. Wenig Probleme hat die zielgenaue Servolenkung, den Smart präzise durch jede Kurve zu zirkeln. Und wenn es eng wird, schaltet sich das Stabilitätsprogramm ESP (Serie) ein. So viel Mini steckt im Smart.

Für viele Familien wird der forfour trotzdem smarter sein als der Mini. Nicht nur wegen des knapp 1400 Euro günstigeren Preises, des mit 5,8 Litern um einen satten Liter geringeren Spritverbrauchs (Werksangabe), sondern auch, weil er fünf Türen hat statt nur drei, gegen Aufpreis (120 Euro für dritten Gurt und Kopfstütze) fünf statt nur vier Passagiere transportiert und dazu noch Getränkekisten unterbringt wie ein Großer (268 statt 150 Liter im Mini).

Fazit und Technische Daten

Fazit: Mit dem forfour ist Smart erwachsen geworden. Dafür wurde die gesamte Unternehmensphilosophie umgekrempelt. Smart bedeutet nicht mehr automatisch Zweisitzer, Dreizylinder-Heckmotor und automatisiertes Schaltgetriebe. Smart ist jetzt auch ein Auto wie viele andere und sogar für die Familie. Eben ganz normal. Daran müssen wir uns erst noch gewöhnen. An das neue Gesicht nicht so sehr. Denn wenn ein Auto Gene hat, stecken sie bei Smart im Design.

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Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen aber nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den Smart forfour. Den Zwischenstand sehen Sie direkt nach Abgabe Ihrer Bewertung.

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