Fahrbericht Smart roadster

Fahrbericht Smart roadster Fahrbericht Smart roadster

Fahrbericht Smart roadster

— 12.02.2003

Spaß & Spar

Smart setzt die alte englische Roadster-Philosophie neu in Szene: klein, leicht, knackig. Das Ganze zum vertretbaren Preis. Oder etwa doch nicht?

Klein, offen, leicht und genügend Power

Sie hießen Spitfire, Froschauge, Midget, Elan oder auch 850 Spider, kamen in den 50er und 60er Jahren aus England und Italien. Kleine, puristische Roadster ohne Schnickschnack, leicht und agil, mit nur einem Ziel: Fahrspaß.

Eine Nische, die längst ausgestorben zu sein schien, weil die Cabrios der Neuzeit immer größer, luxuriöser und damit immer behäbiger wurden. Als Erster wagte Mazda vor 13 Jahren mit dem MX-5 den Versuch, einfaches Fahrvergnügen zurück auf die Straße zu holen. Lotus und Opel trieben mit Elise und Speedster den Purismus noch einen Schritt weiter, legten aber preislich das Niveau viel zu hoch.

Und jetzt kommt Smart. Ausgerechnet die jüngste Automarke der Welt setzt das alte Prinzip von "klein und offen, wenig Gewicht und genügend Leistung" neu in Szene. Der Smart roadster und das roadster-coupé sollen, so verspricht der Pressetext, ein "einzigartiges Fahrerlebnis" bieten.

2,36 m Radstand bei nur 3,34 m Länge

Ob dies wirklich zutrifft, konnten wir auf einsamen Bergstraßen in Portugal erfahren. Selten war ich so gespannt auf einen Fahreindruck wie beim Smart roadster. Zu groß waren meine anfänglichen Bedenken. Schließlich gehört das city-coupé als technische Basis nicht gerade in die Kategorie knackig-sportlicher Kleinwagen, schon allein wegen seiner Lenkung und Schaltung. Und: Ist der roadster vielleicht doch nur ein Spielzeug? Reichen drei Zylinder und 700 Kubik wirklich für anständige Fahrleistungen?

Doch schon nach wenigen Kilometern kam die Anwort. Wow! Der nur 1,19 Meter flache Zweisitzer lässt sich dermaßen flott ums Eck scheuchen, dass man eher vermutet, in einem Ableger von Lotus anstatt in einem Smart zu sitzen. Häufig wechselnde Kurven erzeugen fast Gokart-Feeling.

Eigentlich auch kein Wunder, die technischen Eckdaten sprechen für sich. Knappe Abmessungen (3,43 Meter kurz), niedriger Schwerpunkt, langer Radstand (mit 2,36 Metern nur vier Zentimeter weniger als ein Mercedes SLK), Dreieckquerlenker, McPherson-Aufhängung vorn und – nicht zu vergessen – der klassische Heckantrieb bilden zusammen mit den 82 PS und nur 790 Kilo Fahrzeuggewicht eine äußerst agile Mischung.

Turbolader erzeugt fast Rallye-Athmosphäre

Auch die Lenkung (gegen Aufpreis mit Servo) gefällt: Sie ist durchaus direkt. Weniger schön: Zwar sind die Schaltpausen des elektronischen Sechsganggetriebes, sonst stets Anlass für Kritik, mittlerweile kürzer geworden, doch würde eine konventionelle Handschaltung zum Charakter des Autos eindeutig besser passen.

Dennoch: Man merkt dem Roadster-Smart in jeder Kurve an, dass die Ingenieure unter Leitung von Entwicklungschef Dr. Helmut Wawra eine Menge Spaß bei der Konzeption des Autos gehabt haben müssen. Allein schon wegen des Turboladers. Über das Wastegate dringt nach jedem Gangwechsel unüberhörbar schnatterndes Pfeifen ans Ohr, erzeugt fast Rallye-Atmosphäre.

Die Reduktion auf das Wesentliche, früher das Smart-Marketing-Motto, setzt sich auch im Innenraum fort. Tacho und Drehzahlmesser dominieren als aufgesetzte Instrumente das Cockpit, sind allerdings nicht gut ablesbar.

Harte Gepäckstücke müssen draußen bleiben

Fahrer und Beifahrer finden ordentliche Platzverhältnisse vor, ein Gefühl von Enge herrscht erstaunlicherweise nicht. Auch der Ein- und Ausstieg klappt ohne akrobatische Übungen. Das Lenkrad liegt nahezu senkrecht vor dem Bauch, der Schalthebel locker in der Hand. Wer gegen Aufpreis von 1000 Euro das Sportpaket ordert (enthält zusätzlich Breitreifen und Drei-Speichen-Lederlenkrad), kann auch per Schaltwippen Schumi spielen und am Volant die Gangstufen sortieren.

Beschränken müssen sich Smart-roadster-Insassen naturgemäß beim Gepäck. Vorn verschwinden 59 Liter (etwa zwei Rucksäcke), hinten sind es 86 Liter. Wer den Heckdeckel öffnet, glaubt jedoch zunächst, hier allenfalls eine Sonntagszeitung unterbringen zu können, so flach ist das Abteil über der Antriebseinheit. Doch selbst eine weiche Sporttasche passt rein. Nur harte Gepäckstücke sollten draußen bleiben, sonst drohen Beulen im Deckel.

Mehr Utensilien dürfen Eigner des roadster-coupé mitnehmen. Es unterscheidet sich lediglich im Heckbereich, erkennbar an seinem gewölbten Glasdeckel. Unter ihm haben bis zu 189 Liter Gepäck Platz. Nur 104 sind es, sobald der Fahrer den blauen Himmel über sich genießen möchte. Dafür lässt sich das zweigeteilte, hochglänzende Hardtop (Kunststoff), das zur Standardausstattung gehört, passgenau im Heck verstauen. Zusätzlich bestellbar ist ein Stoffdach (1000 Euro), das sich elektrisch öffnen und schließen lässt – und dies sogar während der Fahrt. Die beiden seitlichen Dachholme können wie beim City-Cabrio mit einem Handgriff ausgehakt werden. Sie finden Platz in einer Vorrichtung unter der Fronthaube.

Zwei-Farben-Optik wie beim city-coupé

Viel Extras, viel Ehr – und wie sieht's mit der Sicherheit aus? Antwort: Alles an Bord. Ab Werk gibt es ESP (abschaltbar), ABS, AAS, BAS sowie CBS. Zwei Fullsize-Airbags sind serienmäßig, Seitenairbags gibt es im Rahmen eines Sicherheits-Plus-Pakets für 630 Euro.

Wie auch beim city-coupé fahren roadster und roadster-coupé zweifarbig vor. Auch hier sind die Bodypanels austauschbar. Um Entwicklungskosten zu sparen, sind 35 Prozent aller Teile mit dem city-coupé identisch. Dazu zählen Motor, Getriebe, Hinterachse, Elektronik, Heizung, Klima und Sitze.

Nur so ist es zu verstehen, dass Smart schon ab 8000 Einheiten pro Jahr Gewinn machen will. Vielleicht liegt es aber auch an den Verkaufs- und Extrapreisen, die für die beiden Modelle aufgerufen werden. Zwar gibt es ab Sommer 2003 ein 61-PS-Einsteigermodell für 14.990 Euro, doch kostet es nicht viel Mühe, die stärkeren Versionen (Verkaufsbeginn im April) auf 23.000 Euro zu treiben. Dann fahren Mazda MX-5, MG TF und Peugeot 206 CC dem kleinen Smart roadster gefährlich dicht ans Blech.

Kommentar, Technische Daten und Preise

Kommentar von AUTO BILD-Redakteur Michael Specht Schön, dass die Nische der puristischen Cabrios weiter besetzt wird. Und vor allem mit Heckantrieb, für mich der Faktor für Fahrspaß. Am meisten aber hat mich überrascht, dass Smart aus dem city-coupé-Konzept ein echt sportliches Auto realisiert hat. Enttäuschend: die Preisgestaltung. Die 61-PS-Variante ist ein Alibi-Modell, das die wenigsten kaufen werden. Die 82-PS-Modelle sind teuer, zumal für junge Leute, die Kern-Zielgruppe des roadster.

Technische Daten vom Smart roadster Dreizylindermotor • Turbolader • Hubraum 698 cm3 • Leistung 60 kW (82 PS) bei 5250/min • maximales Drehmoment 110 Nm bei 2250–4500/min • Heckantrieb • automatisiertes Sechsganggetriebe • McPherson-Aufhängung vorn, De-Dion-Achse hinten • Kofferraum 59/86 Liter • Tankinhalt 35 Liter • Länge/Breite/Höhe 3427/1615/1192 mm • Reifen 185/55 R 15 • Leergewicht 790 kg, Spitze 175 km/h, 0–100 km/h 10,9 s, Verbrauch 5,1 Liter

Ausstattungen und Preise roadster, 61 PS, 14.990 Euro • roadster, 82 PS, 18.330 Euro • roadster-coupé, 82 PS, 19.950 Euro • Komfort-Paket 810 Euro • Sport-Paket 1000 Euro • Leder-Paket 750 Euro • Softtop 1000 Euro • Klimaanlage 900 Euro

Autor: Michael Specht

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