Fahrbericht Suzuki Twin Hybrid

Suzuki Twin Hybrid Suzuki Twin Hybrid

Fahrbericht Suzuki Twin Hybrid

— 26.10.2004

Her mit dem smarten City-Stromer!

Ein Mini, zwei Motoren – sind zusammen drei gute Gründe für den Twin, der bislang leider nur in Japan fährt.

Einmalig: Hybrid-Technik in Smart-Größe

Die Fußgänger lachen über mich. Sie lachen, weil ich in einem Auto sitze, das aussieht, als hätte Suzuki es aus Legoland entführt. Ein Kollege (fährt Porsche 911 – noch Fragen?) meint, er wäre in der Tiefgarage beinahe über den Twin gestolpert. Ich sage Ihnen jetzt mal, wieso man tatsächlich über den Zweisitzer stolpern darf: Weil der kleine Japaner mit moderner Hybrid-Technik fährt. Im Twin (was aus dem Englischen übersetzt Zwilling bedeutet) leisten zwei Antriebe Teamarbeit: ein sieben PS starker Elektromotor – und ein Benziner mit 44 PS.

Das ist zwar nicht ganz neu, aber in Smart-Größe (2,74 Meter lang, 1,48 Meter breit, 1,45 Meter hoch) bei uns noch nicht zu kaufen. Suzuki verheiratet die beiden Antriebe, um Sprit zu sparen und umweltschädliche Abgase zu reduzieren. Der E-Motor unterstützt den Dreizylinder immer dann, wenn der Benziner am meisten Super durch die Schläuche zieht: beim Anfahren und Beschleunigen. Daß sich der elektrische Partner einmischt, spürt der Fahrer nicht. Wenn man mal von den Abkürzungen (AST=Assistence, ID Stop=Ruhezustand, CHG=Aufladen) absieht, die während der Fahrt bunt auf dem Display auftauchen, fährt sich der Zweisitzer wie ein ganz normales Auto.

Im Vergleich zu einem Smart ForTwo sogar deutlich besser. Weil der kleine Hybrid mit einem Vier-Gang-Vollautomaten statt einer Halbautomatik schaltet wie im Smart Citycoupé. Gefühlt bedeutet das: Im Suzuki wechseln die Gänge flüssiger, leiser – einfach angenehmer. Und auch sonst fährt der Twin ganz schön erwachsen. Unter einer hohen Decke fühlt man sich wie in einer größeren Wagenklasse – voilà, der gleiche Trick wie im Smart.

Im Citybetrieb nur rund drei Liter Verbrauch

Das Ende der Show folgt mit dem ersten Schulterblick. Hinter den Sitzen hört das Auto plötzlich auf, der Twin schrumpft auf reale 2,74 Meter Länge (Smart 2,50 Meter). Vom großen Eindruck bleibt nur das kleine Stummelheck. Durch die klappbare Heckscheibe lassen sich zwei Getränkekisten schieben, dann geht der Twin in die Knie. Maximal 150 Kilogramm darf Suzi laden, das reicht für zwei Frauen plus ein bißchen Kleinkram – wenn man auf Nummer sicher gehen will. Und wer will schon ernsthaft eine Waage im Auto spazierenfahren? Im Suzuki fällt eben alles eine Nummer kleiner aus.

Zur großen Freude auch Wendekreis und Spritverbrauch. Mit 7,90 Metern dreht der Fronttriebler fast auf einer Straßenseite, wechselt die Richtung und fährt aus dem Windschatten des heckangetriebenen Smart, der mit 8,7 Metern auf der Kreuzung den Bogen schlägt. Das Balkendiagramm der digitalen Tankanzeige scheint dabei gar nicht abzunehmen. 4,4 Liter nippt der Twin auf Stadt- und Landstraßen (Smart: 5,0 l/100 km). Im reinen Citybetrieb rechnen wir mit einem Verbrauch um drei Liter.

Dank Start-Stopp-Funktion, die den Dreizylinder an der Ampel automatisch ausschaltet. Sobald man vom Bremspedal geht, springt der Motor wieder an. Dabei läßt sich das Auto gern überlisten. Ein Kollege meint: "Ich hab mit dem Twin gespielt." Ich sage: Er hat Ihn zweckentfremdet. Im Stau fummelte er an Scheibenwischer, Klima, Lampen und startete den Benziner sozusagen fremd, um die Batterie für den E-Antrieb wieder aufzuladen. Fährt man den Twin nach Gebrauchsanweisung, wird der Hybrid zu einem Beruhigungsmittel gegen steigende Benzinpreise.

Technische Daten und Meßwerte

Zur Zeit kann man den Zweisitzer für umgerechnet 9500 Euro nur in Japan kaufen. Wirklich Schade. Denn für den heute konkurenzlosen Stadtwagen Smart (ab 8980 Euro) wünschen wir uns einen Zwillingsbruder wie den Twin. Im Heimatland kostet Suzukis Zwerg mit Dreizylinder (ohne E-Motor-Unterstützung) ab 3600 Euro. Für 2000 Euro mehr (um europäische Sicherheitsvorschriften zu erfüllen und das Lenkrad nach links zu verlagern) könnten die Japaner das Modell auch bei uns verkaufen. Bitte, Suzuki, macht das! Ihr würdet eine ganze Menge Leute zum Lachen bringen ...

Technische Daten Drei-Zylinder-Reihenmotor vorn quer eingebaut• Vier Ventile pro Zylinder • 2 obenliegende Nockenwellen • Hubraum 658 cm³ • Leistung 32 kW (44 PS) bei 5500/min • max. Drehmoment 57 Newtonmeter bei 3500/min • E-Motor • Leistung 5 kW (7 PS) bei 1500–4500/min • max. Drehmoment 32 Newtonmeter bei 0–1500 /min • Frontantrieb • Viergangautomat mit Start-Stopp-Automatik • vorn Scheiben-, hinten Trommelbremsen • Tankinhalt 21 Liter • Preis ab 9500 Euro

Meßwerte • 0–50 km/h in 6,5 Sekunden • 0–80 km/h in 16,3 Sekunden • 0–100 km/h in 32,1 Sekunden • Bremsweg aus 100 km/h kalt 54,9 Meter • Bremsweg aus 100 km/h warm 54,5 Meter • Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 120 km/h • Innengeräusch bei 50 km/h 64 dB (A) • Innengeräusch bei 100 km/h 72 dB (A) • Testverbrauch 4,4 Liter Super • Länge/Breite/Höhe (Werksangabe) 2735/1475/1450 Millimeter • Radstand (Werksangabe) 1800 Millimeter • Leergewicht/Zuladung 750/150 Kilogramm

Autor: Margret Hucko

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