Tesla Roadster

Fahrbericht Tesla Roadster

— 11.04.2007

Ein elektrisierendes Erlebnis

Dem Tesla Roadster gelingt der Spagat zwischen ko-Anspruch und Fahrspa. Trotz der Faszination bleiben aber leichte Zweifel an der Technik.

ko-Fahrspa aus dem Silicon Valley

Spontan: wie in einem groen, ferngesteuerten Spielzeugauto. Der nchste Eindruck: Du kannst den Wind, die Reifen, irgendwie sogar die Elektrizitt hren. Und pltzlich der Gedanke: In deinem Nacken sitzen 6831 Akkus, von denen es heit, sie seien leicht entzndlich und wrden auch gern mal explodieren. ber 100 Meilen zeigt der Tacho, 160 km/h. Doch die Bedenken verfliegen mit der faszinierenden Vorstellung, gerade in einer automobilen Revolution zu sitzen. Darryl guckt rber und fragt leise, aber deutlich: "Cool, oder?"

Tesla will das Autofahren verndern

Großer Öko-Spaß aus einer kleinen Halle: die beiden Tesla-Prototypen.

Im Silicon Valley, jenem Tal eine Autostunde sdlich von San Francisco, in dem sich seit Jahrzehnten junge Technologie-Pioniere ansiedeln, um mit nichts als einer Vision eine Firma zu grnden und Millionen zu machen, steht in der Bing Street 1050 in San Carlos, gleich hinter den Eisenbahngleisen, ein weies Flachdachgebude. Hier befindet sich die Firmenzentrale von Tesla Motors, einem Automobilhersteller, der mit einem Budget von nur 60 Millionen Dollar noch 2007 sein erstes Elektroauto auf den Markt bringen wird, und dessen Firmenchef, Martin Eberhard, behauptet: "Wir sind die, die das Autofahren verndern werden." In einer kleinen, sauberen Halle stehen die beiden Prototypen des Tesla Roadster, der rote wird gerade aufgetankt. Ein dickes Stromkabel windet sich von der Steckdose zu dem gelb blinkenden Ladestutzen an der Fahrerseite des Sportwagens. Ein junger Asiate, frisch von der Elite-Universitt Stanford, die nur ein paar Meilen entfernt liegt, blickt auf ein Messgert und sagt: "Die Akkus sind zu 75 Prozent aufgeladen. Ihr knnt los."

Der Tesla Roadster ist eine Antwort mit 248 PS. Eine Antwort auf das Vorurteil, ko-Autos und besonders reine Elektro-Fahrzeuge mssten per se klein und langsam sein und komisch aussehen. Der Tesla, in dessen Heck ein von Nikola Tesla entwickelter Drehstrommotor sitzt, wartet mit Werksangaben auf, die man einfach so glauben kann aber besser am eigenen Leib erfhrt. Die wichtigsten: 248 PS, von null auf 100 in gut vier Sekunden, bis zu 210 km/h schnell, Energie fr bis zu 400 Kilometer, Ladezeit: nie mehr als dreieinhalb Stunden. Eigentlich kaum zu glauben.

Ein Fahrerlebnis wie im Slotcar

Fahren im Tesla Roadster hört sich an wie eine Carrerabahn.

"Steigen Sie ein", sagt Marketing-Vize-Prsident Darryl Siry. "Wir fahren die Hgel hinauf in Richtung Pazifik." Platz genug ist in dem Zweisitzer, der von Lotus in England gebaut wird und auf der Elise basiert. Darryl dreht den Schlssel, der Motor gibt ein leises Summen von sich, und beim Losfahren klingt es, als wrde man in einem dieser Slot-Cars sitzen und auf einer Carrerabahn fahren. Drauen liegt der Roadster bretthart auf der Bing Street. "Fr die Kunden wird er aber weicher", verspricht Darryl. 100 Fans von Tesla (Werbeslogan: "burn rubber, not gasoline" "verbrenne Gummi, kein Benzin") haben den Kaufpreis von 100.000 Dollar bereits berwiesen, darunter viele Promis wie Hollywood-Star George Clooney. Weitere 275 haben 50.000 Dollar angezahlt, um auf die Warteliste zu kommen. Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger will einen fr seine Frau, GM-Vize Bob Lutz will einen fr sich, "um ihn aufzuschneiden und reinzugucken", wie sie bei Tesla gern schmunzelnd behaupten.

Lithium-Ionen-Akkus berhitzen gern

Im Heck kann's heiß werden: Dort sitzen die 6831 Lithium-Ionen-Akkus.

In der zweiten Jahreshlfte sollen die ersten Tesla Roadster ausgeliefert werden. Martin Eberhard, Enkel deutscher Flchtlinge, wird einen der ersten bekommen. Und die privaten Investoren, Silicon-Valley-Millionre, die an Tesla glauben und mit ihrem Privatvermgen einstiegen. Sie sind sich sicher, dass die 6831 Akkus von der Gre einer Mignon-Batterie den Automobilbau revolutionieren werden. Die besonders leistungsfhigen Lithium-Ionen-Akkus bislang in Mobiltelefonen und Laptops verwendet sollen das Hauptproblem aller Elektroautos lsen: die geringe Reichweite. Nur haben sie ein Problem: Sie berhitzen gern, knnen dann Feuer fangen oder gar explodieren. Oben auf dem Armaturenbrett des Tesla-Prototyps sitzt ein roter Knopf, mit dem die Batterieeinheit abgeschaltet werden kann, falls Akkus brennen. In die Serienautos wird dieser Notfallschalter nicht eingebaut.

Technische Daten, Fahrleistungen und Preis

Fachleute warnen: Mit dieser Technik ist nicht zu spaen. Trotzdem planen auch Toyota fr den nchsten Prius und Mercedes fr die Mild-Hybrid-S-Klasse, die Mini-Kraftwerke zu verwenden. Eberhard und sein Team wollen die Gefahr gebannt haben, indem sie jede der aus Taiwan stammenden Zellen ummanteln und einen Khlkreislauf einbauen. "Kann gar nichts passieren", sagt Darryl, als er bergauf Gas gibt, und der Beifahrer in den Sitz gedrckt wird. Scheinbar ohne jeglichen Kraftverlust schiet der Roadster lautlos an den konsternierten Kaliforniern vorbei. Die Kombination aus Geschwindigkeit und Geruschlosigkeit ist ein elektrisierendes Erlebnis.

Leere Akkus drcken auf die Spabremse

Für Schaltfaule: der elektrische Roadster hat nur zwei Gänge.

Der Drehstrommotor, in dem ein Kolben in einem Magnetfeld rotiert, sorgt stets fr volles Drehmoment. Die Kraft gelangt unmittelbar auf die Hinterachse. Runterschalten zum berholen? Darryl lacht. Es gibt nur zwei Gnge. Einen fr null bis 100 km/h, dann wird hochgeschaltet. Es ist, als ob man in einem BMW M3 stndig mit 7000 Touren fhrt. Bergab ldt die Motorbremse die Akkus wieder auf. Nach einer Stunde Fahrt wird der Tesla-Manager dann pltzlich nervs. "Wie viel sind 36 Grad Celsius in Fahrenheit?", will Darryl wissen. So warm sind laut Anzeige die Akkus, die Motortemperatur liegt bei 118 Grad. Auerdem sind die Akkus schon ziemlich leer. "Wir fahren besser zurck", sagt Siry und macht jetzt deutlich langsamer.

Wir wollen Big Boys werden

Vom Kleinserienbauer zum Big Player: Tesla will mit den Großen gleichziehen.

Der Roadster ist nur der Anfang vom Tesla-Traum. 2010 soll die sportliche Limousine White Star folgen. 10.000 Stck will Tesla davon verkaufen. Preis: 37.500 bis 48.700 Euro. Das Entwicklungszentrum in Detroit arbeitet auch schon an einem gnstigen Kleinwagen namens Blue Star. 2009 ist das Werk in Albuquerque fertig. In zehn Jahren will Tesla auf Augenhhe mit GM, Ford oder VW sein. "Wir wollen Big Boys werden", sagt der Chef. Am Ende hat Martin Eberhard doch noch eine Bitte: "Gebt mir Zeit. Auch ich kann die Welt nicht an einem Tag erobern."

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Hauke Schrieber:

Tesla ist Faszination, nicht Revolution. Dazu vertraue ich der Technik noch nicht vllig. Aber dieser Roadster kann der Anfang einer neuen E-Poche sein. Er stt kein CO2 aus, dafr aber reichlich KF2 ein Atom Klimaschutz, zwei Atome Fahrspa.

Technische Daten Drehstrommotor, hinten eingebaut Energiespeicher 6831 Lithium-Ionen-Akkus maximale Aufladezeit 3,5 Stunden maximale Reichweite 400 km Lebensdauer der Akkus mindestens 160.000 km Leistung 183 kW (248 PS) maximales Drehmoment 260 Nm Hinterradantrieb sequenzielles Zweigang-Getriebe Reifen vorn 175/55 R 16; hinten 255/45 R 17 Lnge/Breite/Hhe 3946/1873/1127 mm Radstand 2352 mm Leergewicht 1140 kg Beschleunigung 0100 km/h in 4,2 Sekunden Hchstgeschwindigkeit 210 km/h Preis: circa 75.300 Euro

Autor: Hauke Schrieber

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