Fahrbericht Toyota Aygo

Toyota Aygo und Smart fortwo Toyota Aygo und Smart fortwo

Fahrbericht Toyota Aygo

— 10.05.2005

Smartes Stückchen

Rom ist die Hauptstadt des Smart fortwo. Ausgerechnet dort stellte Toyota jetzt den Aygo vor. Gelegenheit zum ersten Abgleich für Redakteur Jan Horn.

"Ausschließlich für Europas Jugend" gebaut

Auch wenn es schwerfällt, bringen Sie den folgenden Satz mal hinter sich: "Der neue Toyota ist ein agiler City-Kompaktwagen, der urbane Dynamik, funktionale Qualität und emotionale Attraktivität sowie ökologische Verantwortung und ökonomische Aspekte in sich vereint." Puhhh! Anstrengend, wie Toyota seinen neuen Mini Aygo in sinnfreies Sprachgeblubber verpackt. Dabei würden sich die Japaner doch so gern ein wenig von der Leichtigkeit des Smart-Seins auf die Fahne schreiben. Haben sie doch ihren ab Juni 2005 lieferbaren Stadtfloh "ausschließlich für Europas Jugend" gebaut.

Die aber hat mit Sicherheit ebensowenig Bock auf derart verquasten Marketing-Murks wie wir. Hier also die AUTO BILD-Kurzfassung, um was es eigentlich geht: Der Aygo ist winzig, flink genug für die Innenstadt, nicht edel, aber praktisch, drückt mit kleinem Sparmotor Toyotas Flottenverbrauch und bleibt günstig im Unterhalt. So, damit wäre das geschwollene Werbelatein übersetzt – jetzt folgt die Prüfung auf die Wahrheit.

Winzig? Das stimmt. Mit genau 3,41 Meter Länge kann er sich sogar hinter den City-Altmeistern Twingo und Ka verstecken, selbst der neue VW-Floh Fox überragt den Toyota gleich um ein paar Handbreit.

Vorn fühlt sich der Aygo erstaunlich luftig an

Nur der Parkplatzkönig Smart fortwo bietet dem Aygo keine Deckung. Egal wie sehr sich der Toyota-Mini auch zusammenkauert, sein Po guckt fast einen Meter hinter dem des Zweisitzers heraus. Hoffentlich schrammt niemand daran entlang, denn einen vernünftigen Rundum-Kratzschutz gibt es beim Aygo nicht. Nur in den Ecken der Stoßfänger sollen (lackierte) Einlagen Narben verhindern.

Sein Plus an Größe setzt der Toyota im Innenraum erfolgreicher um. Vorn fühlt sich der Aygo erstaunlich luftig an, hinten können es Erwachsene zumindest eine kleine Weile aushalten. Klar, die Knie stoßen an die Vordersitzlehne, der Kopf schubbert am Dach – insgesamt haben die Konstrukteure den Raum zwischen den Achsen aber geschickt genutzt. Schließlich beginnt im Smart schon direkt hinter den Vordersitzen der Kofferraum.

Unnötig eng wird es im Fond des Aygo neben den Schultern – hier kosten sehr breite Seitenwände viel Platz. Zudem minimieren die üppigen C-Säulen neben dem Raumangebot vor allem die freie Sicht nach schräg hinten.

Weniger Kofferraum als der Smart

Damit sind wir beim nächsten Aspekt: Wie praktisch ist der Aygo? Was den Dreitürer betrifft: Die sogenannte Easy-Entry-Funktion erleichtert den Passagieren tatsächlich das Einsteigen. Dem Fahrer danach aber nicht. Er muß jedes Mal umständlich nesteln, bis sein Stuhl wieder in die ursprüngliche Position zurückrutscht. Dann sitzt er ausreichend bequem, die Sitze mit integrierten Kopfstützen lassen sich aber nicht in der Höhe verstellen. Bei der Lenksäule funktioniert das – doch der Verstellbereich ist arg begrenzt, und großen Fahrern pikst der Zündschlüssel ins Knie.

Die Ausstattungslinien City und Club bieten elektrische Fensterheber ohne Aufpreis – allerdings mit nur einem, zudem unbeleuchteten Taster pro Tür. Hinter der etwas labil aufgehängten Glasklappe am Heck gibt es immerhin Platz für eine große Sporttasche, die über eine hohe Kante gewuchtet werden muß. Zum Vergleich die Volumen: Der Smart packt 150 Liter, der Aygo Dreitürer 130 Liter (Fünftürer 139 Liter).

Das klingt jetzt aber alles ein wenig unpraktisch. Dabei hat der Aygo doch auch eine Menge Vorzüge in dieser Richtung: die vielen Ablagen, Getränkehalter und Fächer zum Beispiel, eine klappbare Rückbank (ab City 50:50 geteilt), ein echtes Reserverad oder Isofix-Laschen für den Kindersitz. Und der Mini-Wendekreis von weniger als zehn Metern erleichtert den Ausflug in die Innenstadt auf jeden Fall. Das gilt auch für die Servolenkung, die beim Rangieren durch Leichtgängigkeit glänzt und zackige Spurwechsel – anders als der fortwo – mit ausreichend direkter Übersetzung fördert.

Fahrleistungen, Getriebe und Verbrauch

Die Servolenkung ist in jeder Version Serie und ausschließlich elektrisch unterstützt – das hilft dem kleinen Dreizylinder beim Benzinsparen. Er hat 68 PS – und das reicht. Zumal er seine Kraft äußerst gleichmäßig entfaltet. Bei mittleren Drehzahlen fühlt er sich ohnehin besonders wohl, brummt dabei sanft in typischer Dreizylinder-Tonlage. Hoch gedreht beschwert er sich dagegen mit dröhnig blechernem Klang. Immerhin 157 km/h sollen drin sein – da ist einem Smart längst die Puste ausgegangen.

Etwas zuviel Luft holt der Aygo beim Gangwechsel. Zumindest, wenn die optionale Halbautomatik (Multi-Mode-Getriebe) die Gänge sortiert. Dann schaltet der kleine Toyota angenehm weich, aber besonders beim Herunterschalten lästig lahm. Hier steht er dem Smart mit seiner ebenfalls zähen Schaltung in nichts nach. Besser geht es mit herkömmlicher Gangbox. Da rutscht der Schalthebel etwas widerstandslos, aber ausreichend exakt in die Gassen. Dazu paßt die sehr leichtgängige und fein dosierbare Kupplung ganz gut.

Dennoch: Im Stau bietet die Multi-Mode-Variante mehr Komfort, und der Verbrauch leidet ebenfalls nicht. Weniger als fünf Liter Super auf 100 Kilometer verspricht Toyota für den Automatik-Aygo. Noch günstiger soll es mit dem 54-PS-Diesel werden. Der 1,4-Liter verfeuert nur knapp über vier Liter – sagt Toyota. Er steht wie das automatisierte Getriebe aber erst ab 2006 bereit.

Technische Daten, Preis und Fahrverhalten

Ganz schön erwachsen zeigt sich der Aygo beim Fahrverhalten. Er federt ausgewogen, rollt, ohne zu hoppeln, über Bodenwellen und reagiert auch auf provoziert hektische Fahrmanöver wie ein Großer. Aber trotz stabilen Fahrverhaltens und sechs Airbags: Ein ESP wäre auch – oder besonders – in dieser Klasse wünschenswert. Toyota will es anbieten; wann, steht noch nicht fest. Deshalb unsere Empfehlung: Warten Sie mit der Bestellung, bis der elektronische Schleuderschutz zu haben ist.

Kommen wir zum letzten Aspekt, dem ökonomischen, wie ihn Toyotas Werber nennen. Genauer: Was kommt neben den Spritkosten und den 8950 Euro Kaufpreis (Smart ab 9160 Euro) sonst noch auf Aygo-Eigner zu? Nicht viel. Die dreijährige Garantie schließt früh anfallende Werkstattkosten weitgehend ein. Toyota verspricht zudem besonders niedrige Wartungskosten. So sollen auf 100.000 Kilometer nur rund 4,2 Stunden Arbeitszeit nötig sein, um den Aygo auf Trab zu halten. Spezielle Versicherungstarife sowie günstige Finanzierungsangebote für junge Aygoisten sollen zudem den Einstieg erleichtern. Außerdem muß der kleine Toyota selten zur Inspektion, die Werkstatt ruft nur alle 30.000 Kilometer zum großen Check. Gute Voraussetzungen, bei der Jugend als "voll krasses Teil" anerkannt zu werden.

Technische Daten Reihen-Dreizylinder • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 998 cm3 • Leistung 50 kW (68 PS) bei 6000/min • maximales Drehmoment 93 Nm bei 3600/min • Frontantrieb • Fünfgang • Einzelradaufhängung vorn, Torsionsachse mit Schraubenfedern hinten • Kofferraum 130 Liter (782 bei umgeklappter Rückbank) • Tank 35 Liter • Länge/Breite/Höhe 3410/1615/1465 mm • Leergewicht 865 kg • Spitze157 km/h • 0–100 km/h 14,2 s

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