Fahrbericht VW EcoRacer

Fahrbericht VW EcoRacer (Studie) Fahrbericht VW EcoRacer (Studie)

Fahrbericht VW EcoRacer

— 12.12.2005

Teures Spielzeug

Rasend schnell und sensationell sparsam – der EcoRacer begeistert. Leider ist er aber wieder nur ein Scharfmacher, der nie in Serie gehen soll.

Technik-Botschafter ohne Fließband-Chance

Ich kann mir nicht helfen. EcoRacer klingt irgendwie merkwürdig. Gegensätzlich. Ja, sogar paradox. So wie Porsche Diesel. Das paßt auch nicht zusammen. In beiden Namen schwingt "Sportwagen auf Sparflamme", oder "knausern beim Kurven räubern" mit. Bäh! Dennoch ist beides verblüffend reizvoll. Wenn auch mit feinen Unterschieden. Porsche Diesel ist eine uralte Angelegenheit. So hieß ein kleiner Traktor, der vom Sportwagenhersteller in den 50er und 60er Jahren in relativ großer Stückzahl gebaut wurde.

Im Gegensatz zur aufregenden Sportwagenstudie VW EcoRacer mit Dieselmotor. Sie wird ein teures Einzelstück bleiben. Gänzlich ohne Kostendruck entstanden, diente die postgelbe Flunder als Blickfang auf der Tokyo Motor Show 2005. Und als Technik-Botschafter. VW wollte zeigen, daß ein reinrassiger Rennwagen durchaus auch mit sparsamem Großserien-Antrieb faszinierend sein kann.

Stimmt. Gute Idee und doch wieder nur so ein Pseudo-Scharfmacher ohne Aussicht auf Serienfertigung. Wie schon so viele wirklich kreative VW-Studien zuvor, die sich heute in dunklen Asservatenkammern die Achsen krummstehen. Bitte VW, hört auf, uns ständig den Mund wässerig zu machen und stellt so eine Renn-Hexe auch mal aufs Fließband. Das täte Eurem Streber-Image sicher gut. Es muß ja nicht gleich ein High-Tech-Gerät sein wie dieses.

Coupé, Roadster und Speedster in einem

VW hat beim EcoRacer die Formel-1-Idee mal eben verdoppelt. Zwei Personen sitzen nicht in einem Mono-, sondern in einem Polycoque aus CFK. Die Außenmaße machen den Racer zu einem Handtaschen-Ferrari. Er ist knackige 3,77 Meter kurz und mit 1,21 Metern so flach, daß man drüber stolpern könnte.

Für den Eco-Antrieb sorgt ein Mittelmotor. 136 Diesel-PS müssen nur 850 Kilo beschleunigen. VW verspricht einen Wundersportwagenverbrauch von 3,4 Litern auf 100 Kilometer. Und ein entsprechend laues Lüftchen am Auspuff, das in seiner Zusammensetzung nicht einmal die erwartet harten Gesetze der Euro-5-Abgasgrenzwerte bricht.

Genug der grauen Theorie. In Südfrankreich durfte ich den gelben Racer auch fahren. Und habe erfahren: Der ist gar kein Einzelstück. VWs EcoRacer ist Coupé, Roadster und Speedster in einem. Je nach Umbau an Dach und Windschutzscheibenrahmen. So lassen sich das T-Roof genannte Dachteil sowie der brückenförmige Heckaufsatz demontieren. Oder man tauscht die Windschutzscheibe samt Rahmen gegen einen flachen Windabweiser.

Pumpe-Düse weicht Common-Rail

Ich entscheide mich zunächst für den Speedster. Ohne vordere Scheibe, ohne Dach, ohne alles. Einfach nackig, pur. Ich erwarte eine heftige Fahrtwind-Ohrfeige. Gibt's aber nicht. Die Brise fällt über die nur wenige Zentimeter hohe Plexiglaskrempe vor mir her, faucht an ihr hoch und fächelt dann lammfromm über meinen Scheitel hinweg. Auch, als nach 6,3 Sekunden eine 100 auf dem wild flimmernden Tacho-Display aufblitzt, bleibt der Racer relativ sturmfrei.

Überhaupt: Der EcoRacer beschleunigt sensationell mühelos. Weil ein Direktschaltgetriebe die Gänge blitzschnell und ohne Schwung zu verlieren wechselt. Weil der Hinterradantrieb, die Mittelmotor-Auslegung mit leichtem Gewichtsüberschuß hinten sowie die griffigen 225er-Reifen für beste Traktion sorgen. Und weil der 250 Newtonmeter starke Vierzylinder trotz Mini-Hubraum überraschend fetten Schub entwickelt.

Der Turbodiesel mit Direkteinspritzung hebt sich nicht nur in der Hubraumangabe von den bekannten VW TDI ab. Statt auf Pumpe-Düse-Technik setzt VW im EcoRacer auf ein Common-Rail-System. Diesem Einspritzsystem mit einer für alle Zylinder gemeinsamen Hochdruckleitung sagen die Techniker eine gesicherte Zukunft bei Volkswagen voraus. Weil das System, das mit Piëzo-Einspritzelementen arbeitet, billiger ist. Und eine präzise Steuerung der Einspritzvorgänge zuläßt.

Mini-Hubraum entwickelt mächtig Schub

Zu spüren ist das im EcoRacer am etwas weicheren und spontaneren Motorcharakter. Zumindest meine ich, mehr Laufkultur und länger anhaltenden Biß erkennen zu können, als ich es beispielsweise von einem Golf TDI gewohnt bin.

Angenehm gleichmäßig steigt beim Beschleunigen die Drehzahl. Schon ab knapp 2000 Touren beißt der Diesel ordentlich zu. Schade, daß der Vierzylinder tatsächlich nach rein gar nichts klingt. Direkt hinter mir rumort und röchelt irgend etwas zahm – mit heiserem Sportwagen hat das prasselnde Nageln des TDI aber sowenig zu tun wie ein Formel-1-Rennen mit einer von Greenpeace organisierten Sparfahrt.

Renngefühl kommt trotzdem reichlich auf. Denn der EcoRacer verschweißt sich so herrlich trocken mit der Straße. Jede Rille, jede Fuge in der Fahrbahnoberfläche wird ungefiltert bis in die Schalensitze weitergegeben, alles zittert, da ist wirklich kein Gramm Weichspüler zuviel eingeflossen.

Technische Daten VW EcoRacer

Knüppelhart, sagen die einen, ich nenne das kompromißlos auf Fahrspaß getrimmt. Genau wie die Lenkung. Sie stammt aus dem Golf, wird von einem Elektromotor unterstützt und ist ultradirekt übersetzt. Eine viertel Drehung am griffigen Mini-Lederlenkrad zieht einen vollen Spurwechsel nach sich. Agiler geht es kaum.

Alles nur geträumt? Leider ja. Vielleicht muß man aber auch nur laut genug rufen, bis die VW-Manager endlich aus ihren tiefen Sicherheits-Rotstift-Rendite-Träumen aufwachen. Bauen, bauen, bauen. Mit so einem Racer würde jedenfalls endlich mal wieder ein ehrlicher Hardrock durch das gemächliche Wolfsburger-Café fegen. Sparspaß im Takt der Zeit. Bauen, bauen bauen ...

Technische Daten VW EcoRacer • R4 Common-Rail-Turbodiesel • zwei Ventile pro Zylinder • eine obenliegende Nockenwelle • Hubraum 1484 cm³ • Leistung 100 kW (136 PS) bei 4000/min • maximales Drehmoment 250 Nm bei 1900/min • Hinterradantrieb • Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe • Einzelradaufhängung vorn und hinten • L/B/H 3770/1740/1210 mm • Leergewicht 850 kg • Spitze 230 km/h • 0-100 km/h in 6,3 s • Verbrauch 3,4 l D/100 km

Autor: Jan Horn

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