Fahrbericht VW Fox und Polo

Fahrbericht VW Fox und Polo

— 29.03.2005

Welcher ist der echte Volkswagen?

Zurück zu den Wurzeln: Der Fox ist der preiswerteste VW seit langem. Nur ein Billigangebot oder die Alternative zum frisch renovierten Polo?

Ein kleiner Hochstapler

1001 PS, über 400 km/h, eine Million Euro: Der neue Volkswagen startet im Herbst. Nein, nicht der Fox, sondern der Bugatti Veyron. Wirklich ein Wagen fürs Volk? Wohl kaum, aber typisch für die Entwicklung bei VW in den letzten Jahren: Es konnte nicht groß, teuer und schnell genug sein. Das andere Ende der Preisskala hat VW lange sträflich sträflich vernachlässigt. Der alternde Lupo, auch nicht wirklich billig, fährt in sein verflixtes siebtes Jahr, und der Polo ist inzwischen so groß und teuer wie früher der Golf.

Aber jetzt sind die Herren der Wolfsburg endlich aufgewacht. Ein kleiner Brasilianer soll Samba mit den Europäern tanzen. Er heißt Fox, wird in Südamerika seit anderthalb Jahren gebaut und kommt nun – europatauglich gemacht – zu uns. 8950 Euro verlangt VW für die dreitürige Basisversion. Ein volkstümlicher Preis, für den man schon lange keinen Volkswagen mehr bekommen hat.

Der Fox ist mit 3,83 Metern neun Zentimeter kürzer als der Polo, aber immerhin 30 länger als der Lupo. Mit 1,54 Metern baut er merklich höher als die beiden anderen (Lupo 1,46 m, Polo 1,47 m). Er hat folglich einen etwas Van-artigen Auftritt: schräg stehende Frontscheibe, kuppelartiger Aufbau. In leuchtenden Farben, Gelb, Rot oder Blau, wirkt das knuffig und zutraulich – aber nicht in dem grauen Tarnanstrich des Testautos auf unseren Fotos.

Rustikales brasilianisches Design

Innen sieht es dann ganz anders aus, als wir das in den letzten Jahren von VW gewohnt waren: kein Softlack, keine silikongedämpften Griffe, keine Chromringe. Verbaut wurde im Cockpit reichlich rauhes Hartplastik zusammen mit rustikalen Kunststoffen. Sieht aus, wie von einer brasilianischen Landmaschinenfabrik zugeliefert, die auch noch das Design übernommen hat. Das, worauf es ankommt, hat VW aber gewohnt sorgfältig erledigt: Die straffen Sitze zum Beispiel tragen auch nach 300 Test-Kilometern zum Wohlbefinden bei, die Bedienung könnte nicht einfacher sein.

Das eigentlich Erstaunliche aber ist das Raumangebot: Platz gibt es in Hülle und Fülle – nach der ersten Sitzprobe scheint der Fox sogar mehr zu haben als der Polo. Dazu trägt vor allem die bemerkenswerte Kopffreiheit bei, aber auch die längs um 15 Zentimeter verschiebbare Rückbank (Aufpreis). Schiebt man die ganz nach hinten, können auch Mitteleuropäer im Fond fast die Beine übereinanderschlagen – und es bleiben immer noch 260 Liter im Laderaum fürs Gepäck übrig.

Klappt man die Bank komplett um, schluckt das brasilianische Füchslein stolze 1016 Liter. Sympathisch ist auch der Verzicht auf einen dritten, sowieso untauglichen Sitz im Fond – hier gibt es zwei Sitze mit einer kleinen Ablage dazwischen, man sitzt aufrecht und entspannt.

Ab 120 km/h wird's zäh

Der Fox wird zum Start mit zwei Benzinern und einem TDI vorfahren, alle sind vom Polo bekannt: 1,2-Liter-Dreizylinder mit 55 PS, 1,4-Liter-Vierzylinder mit 75 PS und der 1,4-Liter-Dreizylinder-TDI mit 70 PS.

Bei der ersten Fahrt rumorte der 1,2-Liter unter der Haube. Ich habe mich erst mal erschrocken, weil der in unserem Dauertest-Polo (mit 64 PS) eine eher bescheidene Vorstellung gegeben hatte. Aber der Dreizylinder hat mit dem nur knapp eine Tonne schweren Leichtgewicht doch spürbar weniger Mühe als mit dem Polo, den wir zur Ausfahrt gleich mitgenommen haben. Die 55 PS reichen durchaus mal für den ersten Platz an der Ampel und zum lockeren Mitschwimmen im Stadtverkehr. Auf der Autobahn wird es so etwa ab 120 km/h jedoch ziemlich zäh, Motor und bauchige Karosse stemmen sich zwar tapfer gegen Wind und Wetter, richtig voran geht es dann aber nicht mehr. Und die angegebene Spitze von 148 km/h entspricht gefühlten 130.

Dennoch: Ich habe mich nicht unwohl gefühlt. Das hängt weniger mit der Motorleistung zusammen, sondern mehr mit dem niedrigen Gewicht, der Leichtigkeit und der Spritzigkeit, mit der der Fox durch die Gegend schnürt. Er federt fast wie ein Großer, fährt handlich und ausgewogen. ABS ist immer an Bord, ESP wird es gegen Aufpreis geben.

... oder doch ein Polo?

Einzelheiten zu Preisen und Ausstattungen wird VW erst auf der AMI-Automesse in Leipzig (2. bis 10. April) verkünden, wo der Fox seine ganz offizielle Premiere feiert. Vorab verrät VW-Chef Bernd Pischetsrieder immerhin: "Ich bin keinem böse, wenn er sich für dieses Geld einen gebrauchten Golf kauft. Solange es kein Opel Astra ist..."

Aber vielleicht kommt ja auch der neue Polo in Betracht, den Basis-1.2 mit 55 PS gibt es jetzt ab 11.250 Euro, den günstigsten Diesel ab 13.485 Euro. Auch der Polo trägt ab sofort die Passat-Maske mit großem Kühler, am Heck eine zackig gepfeilte Heckscheibe – und funkelnde Rücklichter.

All das steht ihm richtig gut, überhaupt ist er kaum noch als Kleinwagen zu erkennen, schon gar nicht beim Fahren: Komfortabler und gelassener geht es in dieser Klasse kaum. VW hat ihn richtig rausgeputzt. Gegen Aufpreis gibt es sogar Feinheiten wie Reifendruckkontrolle und Einparkhilfe. Doch ein echter Wagen fürs Volk, so wie es der Käfer mal war, das ist er nicht mehr. Der Fox aber könnte wieder einer werden.

Fazit und technische Daten

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke VW findet zurück zu seinen Wurzeln. Mir gefällt der Fox. Klar, er ist preiswert, aber das ist es nicht allein. Er sieht nett aus, fährt ganz anständig und ist intelligent gebaut. Das, was notwendig ist, ist drin. Mehr nicht. Muß auch nicht sein.

Autor: Dirk Branke

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung