Fahrbericht VW Jetta

VW Jetta 1.6 Comfortline VW Jetta 1.6 Comfortline

Fahrbericht VW Jetta

— 25.08.2005

Der Golf-Passat

Fährt wie ein Golf, sieht aus wie ein kleiner Passat: Der neue VW Jetta will weg vom Biedermann-Image.

Mexikaner auf Deutschland-Mission

Das sagt doch schon alles: "Neue Design-Dynamik, neue Antriebsfaszination und gigantischer Kofferraum". Gigantischer Kofferraum – wenn ein Hersteller im ersten Satz der Pressemappe damit wirbt, daß sein Auto viel Platz für Gepäck bietet, muß etwas schiefgelaufen sein. Ich sage ja auch nicht zu einem Fremden bei der Begrüßung: "Mein Mann lebt auf großen Füßen." Da fange ich doch mit dem Gesicht an.

Oder beschreibe den Charakter. Aber das ist es ja: Der VW Jetta hatte nie ein markantes Gesicht. Und nie einen eigenen Charakter. Daher hieß er gern auch Rucksack-Golf oder Stufenheck-Variante. Variante – wie das klingt, so emotional wie ein Stück Kabelbinder. Der Golf lieferte dem Jetta immer schon seine gesamte Technik. Hinter den Rücksitzen folgte (und hier kommt die Variante ins Spiel) ein unmodischer Kofferraumdeckel, so dick und fett wie ein Big Mac.

Die Amis liebten ihn genau aus diesem Grund. Und so wurde er bis heute 2,2 Millionen Mal drüben verkauft (weltweit 6,6 Millionen) und ist damit für VW ein ganz wichtiges Modell. Der Neue wird jetzt ausschließlich in Mexiko gebaut – und von dort auch nach Deutschland exportiert und ist nun hier zur ersten Ausfahrt angekommen. Im Vergleich zum Vorgänger Bora dehnt sich der Jetta noch weiter aus: plus 18 Zentimeter mehr Länge (4,55 Meter), plus 72 Liter mehr Kofferraum (527 Liter), plus 1,3 Zentimeter mehr Höhe (1,46 m) und 4,6 Zentimeter mehr Breite (1,78 m).

Außen Passat, innen Golf

Obwohl der Jetta so groß und breit dasteht wie nie zuvor, wirkt er schlanker denn je. Ja, zum ersten Mal scheint es mir so, als hätten sich die Designer die Mühe gemacht, ein eigenes Auto zu zeichnen. Und nicht wie früher den Gölfen einfach große Kofferraumdeckel anzuhängen. An der Front glänzt er jetzt sogar neureich wie ein Passat, dessen V-förmigen Kühlergrill er übernommen hat. Am Heck leuchten runde LED-Lampen, die besser aussehen, weniger Energie verbrauchen und länger leben sollen.

Wer schon mal in einem Golf gesessen hat, wird sich auch im Jetta zu Hause fühlen. Alles wirkt vertraut: die vorbildliche Sitzposition, alle Schalter sind logisch angeordnet. Aufgrund der Kritik am Qualitätseindruck im Golf überzog VW die Kunststoffteile mit Softlack, damit sie sich besser anfühlen. Schlecht abzuschätzen ist die Länge des Jetta vom Fahrersitz aus. Besonders rückwärts einparken macht Mühe aufgrund der hohen Heckklappe.

Weshalb ich mir einen Parkpieper (400 Euro) in jeder Ausstattungslinie wünschte, ihn aber nur in der Comfortline-Ausstattung serienmäßig (ab 19.950 Euro) bekomme. Im Fond bietet der Neue Beinfreiheit wie in der Straßenbahn, die Lehnen lassen sich asymmetrisch klappen und mit dem Zündschlüssel abschließen. Der Kofferraum übernimmt jetzt die Rolle eines Tresors. In der breiten Mittelarmlehne baute Volkswagen eine Durchreiche ein, die lange Holzlatten oder Ski vom Kofferraum in den Fond läßt.

Vier Benziner, zwei Selbstzünder

Beim Motorenangebot reicht der Basis-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum (102 PS) völlig aus. Er wirkt weder schlapp noch dröhnig. Im Gegenteil: Im Leerlauf dreht der Vierzylinder leise wie ein Gebläse, erst ab 4500 Touren brummt er kehlig.

Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 7,4 Liter Super (Werksangabe). Volkswagen bietet den 1,6-Liter-Benziner in Kombination mit einem präzisen, nahezu perfekten Fünfganggetriebe an. Vom Golf kommt auch die Vierlenker-Hinterachse, die macht den Jetta so spurtreu wie den kompakten Bruder.

Die aufwendige Fahrwerk-Konstruktion schenkt dem Bora-Nachfolger eine super Straßenlage auch in Kurven. Spielend leicht lenken läßt sich der VW ohnehin, dank elektromechanischer Servolenkung (die Lenkunterstützung arbeitet nur bei einem Lenkeinschlag; geradeaus verbraucht sie keine Energie). Überhaupt fällt es schwer, etwas Negatives über den Jetta zu sagen: Er ärgert nicht, läßt uns aber auch nicht staunen. Höchstens über den riesengroßen Kofferraum.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für den VW Jetta. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Margret Hucko

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