Fahrbericht VW Polo

— 26.05.2009

Der wahre Volks-Wagen

Die größte Konkurrenz für den Golf kommt in Zukunft aus der eigenen Familie. Der neue Polo passt ideal in die Zeit. Er ist klein und doch ein Großer – wie der erste Fahrbericht zeigt.
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Von Margret Hucko Mini-Golf? Wer spielt denn heute noch Mini-Golf? Niemand außer ein paar Rentnern oder gelangweilten Twens, die zu deutschen Schlagern tanzen. VW aber glaubt fest an die Zukunft des Mini-Golf, der Herzen berührt, die Jugend bewegt und trotzdem einen etablierten Namen trägt: Polo. Schauen wir ihm tief in die Augen. Designchef Walter de Silva verengte die Scheinwerfer zu schmalen Schlitzen, setzte darunter einen schmollenden Mund à la Scirocco – bitte sehr, so sieht das bislang seriöseste Kleinwagen- Gesicht aus. So ernsthaft, dass ich dem Polo glatt abnehme, dass er raus ist aus der Pubertät. De Silva selbst nennt das "La Semplicità" – die "Einfachheit". Dank Leichtbauweise und eines Klaps aufs Dach (minus 14 Millimeter) speckte der Junior im Schnitt 7,5 Prozent seines Gewichts ab, lediglich 1067 Kilo wiegt die nackte Basis-Version.
Genügend Entfaltungsfreiheit selbst für Sitzriesen
Im Innenraum spüre ich weder Wolfsburgs Weight-Watchers noch die Flachbauweise. Selbst Sitzriesen entfalten sich frei, wahren Abstand zu Decke und Seitenwänden. 12.150 Euro kostet der günstigste Polo mit drei Türen und 60-PS-Benziner. Zur Markteinführung am 26. Juni kommt aber zunächst nur der Fünftürer (735 Euro teurer). Über 13.000 Bestellungen gingen bei VW seit Anfang März ein. 90 Prozent mehr als beim Vorgänger im gleichen Zeitraum – der Abwrackprämie sei Dank. Beliebtester Benziner (Modellanteil: 31 Prozent) dürfte der 1,4-Liter mit 85 PS werden, den AUTO BILD zum ersten Fahrtermin ausgewählt hat. Ein alter Bekannter, eine bewährte Messlatte, um die Qualitäten des neuen Polo zu checken. Unter 2000 Touren fühlt sich der 1.4er eher schlapp an. Darüber hinaus entfaltet er seine Kraft leise und harmonisch, als Normverbrauch gibt VW 5,9 Liter Super an. Nicht gerade ein Wunder-Wert, weshalb der erst überarbeitete Motor bereits ein Verfallsdatum besitzt. Spätestens 2011 wird der Sauger durch einen 1.2 TSI mit der gleichen Leistung ersetzt – der soll Verbrauch und CO2-Ausstoß senken, wohl auch mithilfe eines Sechsgang-Getriebes.
Die Diesel wirken extrem aufs Sparen getrimmt
Tipp: Der 1.2 TSI ist ein herrlicher Motor – springlebendig und hellwach.
Tipp: Der 1.2 TSI ist ein herrlicher Motor – springlebendig und hellwach.
Unser 1,4-Liter muss noch mit fünf Gängen auskommen – was aber schnell vergessen ist. Wer schaltfaul fährt, erntet auch nur müdes Temperament. Dabei flutschen die Gänge problemlos, auch beim Sechsganggetriebe, das ich bereits im 1.2 TSI testen konnte. Ein herrlicher Motor, mein heimlicher Favorit, der ist springlebendig und wirkt hellwach wie ein guter Diesel, ohne mit dessen Geräuschkulisse zu nerven. Die Selbstzünder sind zwar erstmals im Polo laufruhigere Common-Rail-Motoren, aber immer noch zweifelsfrei als Diesel zu erkennen. Die kleinste Variante (75 PS) kommt nur schwer auf Trab. Ihre Anfahrschwäche ertragen nur geduldige Sparer. Alle anderen drücken aufs Gas, das man wirklich ans Bodenblech nageln muss – generell wirken alle Diesel extrem aufs Sparen getrimmt. Deshalb bekamen sie auch eine Schaltempfehlung im Display.
TECHNISCHE DATEN VW POLO 1.4
• Vierzylinder, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1390 cm3 • Leistung 63 kW (85 PS) bei 5000 U/min • max. Drehmoment 132 Nm bei 3800 U/min • Vorderradantrieb • Fünfganggetriebe • Reifen 185/60 R 15 v./h. • L/B/H 3970/1682/1453 mm • Radstand 2470 mm • Kofferraumvolumen 280–952 l • 0–100 km/h in 12,1 s • Spitze 177 km/h • Verbrauch EU-Mix 5,9 l Super • CO2 139 g/km • Tankinhalt 45 l


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Gegen Aufpreis bietet VW für den 1.6 TDI mit 90 PS ein BlueMotion-Paket mit Start- Stopp-System und Bremsenergie-Rückgewinnung (circa 500 Euro), das den Verbrauch von 4,2 auf 3,6 Liter senken soll. Noch günstiger kann es nur der echte BlueMotion (3,3 Liter), der im Januar 2010 folgt. Wo VW beim Polo spart, lässt sich unter der Haube mit bloßem Auge erkennen: Bei den Benzin-Versionen wurde auf die Plastikabdeckungen verzichtet – macht zehn Euro. So viel kostet der schwarze Deckel. Auch anderswo ist der Rotstift zu spüren. Eine digitale Anzeige ersetzt die Tankuhr, statt eines durchgehenden Vorhangairbags (nur als Extra) gibt es Airbags in den Vordersitzen. Dafür ist ESP serienmäßig in allen Modellen. Beruhigend, so wie die vertrauenerweckende Lenkung, die alte Talente perfektioniert. Jeder Kurve folgt der Polo zentimetergenau auf Befehl, in Parklücken gibt er mit seiner variablen Servounterstützung nach und bewegt seine Räder mit jugendlicher Leichtfüßigkeit. Bei höheren Geschwindigkeiten gewinnt das Lenkgefühl an Ernsthaftigkeit, der Wagen hält treu die Spur.
Ein Wunder an Übersicht ist der Polo noch immer nicht
Der neue Polo vermittelt das typische VW-Gefühl, beruhigend wie Johanniskraut: Alles funktioniert wie erwartet.
Der neue Polo vermittelt das typische VW-Gefühl, beruhigend wie Johanniskraut: Alles funktioniert wie erwartet.
Ahhh, da ist es wieder! Dieses typische VW-Gefühl, beruhigend wie Johanniskraut. Weil alles funktioniert wie erwartet, beim Neuen eine Spur besser als beim Alten. Die Federung behält ihre Souveränität, man fühlt sich für alles gewappnet, seien es schlechter Asphalt oder die gemeinste Kurve, die am Ende zumacht. Mit 15-Zoll-Rädern federt der Polo streberhaft gut, 17-Zöller machen ihn spürbar unbequemer. Da können die perfekt geschnittenen Sitze wenig ausgleichen. Was ist noch besser geworden? Der doppelte Ladeboden (Serie ab Comfortline) zaubert die handtiefe Ladekante einfach weg. Die Fondsitze klappen jetzt ohne ärgerliche Fummelei und Verrenkungen um, außerdem stehen beim Einparken keine Kopfstützen im Weg. Die lassen sich nämlich voll versenken. Ein Wunder an Übersicht ist der Polo immer noch nicht, nach vorn sind die Ecken nur zu erahnen. Und nach hinten muss oft ein Parkpieper helfen, der ab Comfortline Serie ist. Wer parkt schon gern im Blindflug ein? Eine Macke, die der Polo von seinem größeren Bruder geerbt hat. Ist halt doch ein Mini-Golf. Aber mehr Mini als Golf.
DER VERKAUF DES NEUEN POLO STARTET MIT ACHT MOTOREN
Modell 1.2 1.2 1.2 TSI 1.4
kW/PS 44 (60)/5200 51 (70)/5400 77 (105)/5000 63 (85)/5000
Drehmoment (Nm bei U/min) 108/3000 112/3000 175/1500 132/3800
Verbrauch (EU-MIX) 5,5 l S/100 km 5,5 l S/100 km 5,5 l S/100 km 5,9 l S/100 km
CO2-Ausstoß 128 g/km 128 g/km 129 g/km 139 g/km
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h 165 km/h 190 km/h 177 km/h
0–100 km/h 16,1 s 14,1 s 9,7 s 12,1 s
Getriebe Fünfgang Fünfgang Sechsgang Fünfgang
Preis ab 12.150 € ab 12.675 € ca. 17.000 € ab 15.075 €
Modell 1.6 TDI 1.6 TDI 1.6 TDI* 1.6 TDI
kW/PS 55 (75)/4000 66 (90)/4000 66 (90)/4000 77/105/4000
Drehmoment (Nm bei U/min) 195/1500 230/1500 230/1500 250/1500
Verbrauch (EU-MIX) 4,2 D/100 km 4,2 D/100 km 3,6 D/100 km 4,2 D/100 km
CO2-Ausstoß 109 g/km 109 g/km 96 g/km 109 g/km
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h 180 km/h 180 km/h 189 km/h
0–100 km/h 14,0 s ca. 12 s ca. 12 s 10,4 s
Getriebe Fünfgang Fünfgang Fünfgang Fünfgang
Preis ab 14.800 € ab 17.050 € ab 17.550 € ab 17.650 €
* Werte für TDI mit BlueMotion-Paket
DIESE MOTOREN HAT AUTO BILD GETESTET
1.6 TDI (75 PS) 1.6 TDI (90 PS) 1.4 (85 PS)
Marktanteil: etwa acht Prozent Marktanteil: etwa vier Prozent Marktanteil: etwa 31 Prozent
Plus: Laufruhiger neuer Common-Rail-Diesel, der die raue Pumpe-Düse-Technik ablöst. Hilft durch Schaltempfehlungen, Sprit zu sparen. Plus: Mehr Leistung, laut Norm gleicher Spritverbrauch wie mit 75 PS. Weitere Sparmöglichkeiten durch Blue-Motion-Paket (500 Euro). Plus: Laufruhiger Vierzylinder, der seine Kraft harmonisch entfaltet. Ausreichend Leistung für Stadt, Land, Autobahn.
Minus: Anfahrschwäche. Unterhalb von 2000 Touren müde. Längere Schaltwege als beim Benziner. Minus: Zögerliches Ansprechverhalten, nur mit Fünfganggetriebe oder Siebengang-DSG (optional) erhältlich. Minus: Keine Schaltempfehlung wie bei den anderen Modellen, wird bereits 2011 durch einen TSI-Motor ersetzt.
1.2 TSI (105 PS) 1.6 TDI (105 PS)
Marktanteil: etwa zehn Prozent Marktanteil: etwa drei Prozent
Große Fahrfreude durchs gesamte Drehzahlband. Verbraucht nur 5,5 Liter Super, sprintet in weniger als zehn Sekunden auf Tempo 100. Plus: Nur 4,2 Liter Diesel Durchschnittsverbrauch. Spricht schnell an, zieht gut durch. Schaltempfehlung.
Minus: Hoher Einstiegspreis. Der liegt voraussichtlich bei 17.000 Euro, teurer als ein Basis-Golf. Nur fünf Gänge. Anders als beim 90-PS-TDI (BlueMotion) wird kein DSG-Getriebe für diesen 1.6-Motor erhältlich sein.
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ramazonti,
29.05.2009 23:19Uhr
wo gibt es bitte den golf tsi mit 122 ps für 18.975 euro ?????? bei aldi.
bei vw kostet der golf 20.900 euro als comfortline und den polo soll es für 16.300 euro geben.macht nach adam riese 4.600 euro.
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Der C,
28.05.2009 14:23Uhr
18.975 Euro Kostet ein VW Golf TSI mit 122 PS und ebenfalls nur einem kleinen Turbolader.
ca. 17.000 ein Polo TSI mit 105 PS, wobei hier nicht wirklich in jedem EU-Land Klima und co. drin sind. Fällt was auf? Genau. Der Polo-Preis ist überzogen. Wenn man 5000 EUR mehr nimmt für ein Getriebe mit sechsten Gang und einen Turbolader am SELBEN Motor...

Bis auf vielleicht noch die Bremsen zum oben erwähnten Turbo + 6. Gang kann ich mir nichts vorstellen was auch nur 1500 Wert wäre.
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acsa,
28.05.2009 13:13Uhr
Bei den Verbrauchsdaten hat man eine Faustregel: wenn der Stadtsverbrauch und die Masse unter dem Duechschnitt ist, dann kann man schon Praxiswerte nah an der Werksangabe erreichen. Eintrag melden
Walter Teupe,
28.05.2009 12:35Uhr
Liebe Frau Hucko,

Sie wollten offensichtlich einen originellen Einstieg in Ihre Bewertung haben. Mini-Golf? Wer spielt denn heutzutage noch Minigolf? 20 Millionen Deutsche spielen jährlich in ihrer Freizeit Minigolf. Kein vergleichbares Spiel fasziniert seit Jahrzehnten die Massen wie Minigolf (so wird es richtig geschrieben). Wenn Ihr Testbericht genauso mangelhaft ist, wie Ihre Recherche, dann können Sie ihn getrost in die Tonne treten.

Herzlichst,
Walter Teupe
Referent für Öffentlichkeitsarbeit
Deutscher Minigolfsport Verband
Achterkamp 89
24106 Kiel
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gmathol,
28.05.2009 05:15Uhr
Man wird bei diesen Verbraeuchen langsam fragen muessen: warum erst jetzt? Manche glauben das ein Fahrzeug das nur 170km/h laeuft eine lahme Ente waere.

Der Fahrspass sieht eigentlich so aus: bezahlbar und geringe Betriebskosten und damit eine Mobilitaet die auch noch Geld zum Leben uebrig laesst.

Die 3.6-4.2 Liter-Verbraeuche lassen sich sicher nur bei Motordrehzahlen die sich im maximalen Drehmoment bewegen erreichen, d. h. das Hoechstgeschwindigkeiten zwischen 90-110 km/h angesagt sind. Wer haeufig bremsen und beschleunigen muss der wird wohl wieder bei um die 5-6 Liter liegen.
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