Fahrbericht VW XL1

VW XL1 Studie (2011) VW XL1 Studie (2011)

Fahrbericht VW XL1

— 28.01.2011

So fährt der Ein-Liter-Hai

VW baut den ultraflachen Zweisitzer XL1 ab Ende 2012 in einer Kleinserie. Was der Spaß kostet und wie gut sich das Ein-Liter-Auto heute schon fährt, klärt der Fahrbericht von BILD AM SONNTAG-Redakteur Timo Friedmann.

Ich bin in Doha, der Hauptstadt des Wüstenstaates Katar. Hier kostet Sprit halb soviel wie Wasser. Die 100-Liter-Tankfüllung vom 1001-PS-Renner-Bugatti gerade mal 20 Euro. Es gibt mehr Hochhäuser als Bäume, die freie Natur besteht aus freier Wüste. Hier können Vollgas-Proleten ohne Reue ungehindert Gas geben. Ausgerechnet hier zeigt VW mit dem XL1 ein Auto von beeindruckender Effizienz. Das Spritsparwunder 2011 sieht ungewöhnlich aus. Ich steige durch die weit aufschwingenden Flügeltüren über die breiten Schweller ein. Die Karosserie besteht aus Kohlefaser, wie bei einem Formel-1-Wagen. Das spart 60 Prozent Gewicht im Vergleich zu einer Stahlkarosserie. Insgesamt wiegt der XL1 795 Kilo. Das ist viel im Vergleich zu den früheren Prototypen, aber wenig für ein vollwertiges Auto. Ein Golf wiegt 350 Kilo mehr. Der VW XL1 ist flacher als der Bugatti (1,16 Meter hoch), aber 3,89 Meter lang und 1,67 Meter breit. Seine Form ähnelt einem Hai. Sein Körper läuft tropfenförmig nach hinten, zeigt aber Ecken und Kanten.

Die Vorgänger: VW 1L | VW L1 

Dem Luftwiderstand keine Chance: die verkleideten Räder senken den cW-Wert des VW XL1.

So futuristisch das Auto draußen aussieht, so heimisch fühle ich mich drinnen. Bequeme Sitze, bekannte Schalter, gute Qualität. Ungewohnt sind die zwei handgroßen Bildschirme in den Türen. Sie zeigen, was die seitlichen Kameras statt der Rückspiegel filmen. Nicht mit an Bord sind überflüssige Pfunde. Deshalb genügen ihm 27 PS aus dem Elektromotor bis Tempo 100. Wenn mehr Kraft gebraucht wird oder die Batterien leer sind, startet ein 48 PS-Zweizylinder-Diesel. Es ist der erste seiner Art. Die Hälfte des bekannten 1,6-Liter-TDI. Wer den Startknopf drückt, hört nichts. Um Sprit zu sparen fährt der XL1 zunächst nur mit Strom. Bis zu 35 Kilometer weit. Wem das genügt und wer Zeit und Gelegenheit hat, das Auto an einer herkömmlichen Steckdose aufzuladen, der braucht gar keinen Sprit. Per Starkstrom dauert das Aufladen nur 30 Minuten.

Überblick: News und Tests zu Spritspar-Modellen

Zukunft trifft Serie: Im Cockpit des VW XL1 trifft ultraleichte Kohlefaser auf Bedienteile von der Stange.

Ich schalte das 7-Gang-DSG-Getriebe auf Fahrstufe D und rolle leise los. Der Keil huscht flott an riesigen Geländewagen vorbei. Wenn ich voll auf dem Gas stehe, schaltet sich der Zweizylinder-Diesel im Heck zu. Er rasselt trotz Ausgleichswelle laut, aber das bekommt VW noch besser gedämmt. In 11,9 Sekunden flitze ich auf Tempo 100. Fuß vom Gas, schon ist der Diesel wieder aus. Sind die Batterie leer gefahren, lädt der Diesel wie ein eigenes Mini-Kraftwerk gleichzeitig die Batterie. In der Praxis bedeutet das: Sie fahren in Hamburg mit dem 1-Liter-Auto abgasfrei elektrisch los und motorgetrieben weiter nach Berlin. Mit bis zu 160 km/h. Dabei schluckt der Wagen zwischen einem (Reisegeschwindigkeit 100 km/h) und drei Liter (Vollgas) Diesel pro 100 Kilometer. In Berlin angekommen sind die Batterien wieder voll, der Tank aber nicht mal halbleer. Und das, obwohl nur 10 Liter reinpassen.

Zwei-Liter-Auto kommt 2013

Meine Fahrt in die Zukunft dauert nur 10 Kilometer, immerhin erreiche ich 120 km/h. Dabei fühlt sich der Wagen sicher und stabil an. Der Komfort ist in Ordnung, allerdings rollt das Auto auf den ultraschmalen Reifen sehr hart ab. Aber das soll sich bis zur Serie noch ändern, breitere Komfortreifen stehen schon bereit. Ende 2012 will VW den XL1 als Kleinserie für rund 35.000 Euro verkaufen. Wem das noch zu teuer ist, der muss bis 2013 warten. Dann bekommt der neuen Kleinwagen VW up! den Antrieb des 1-Liter-Autos. Und kostet als 2-Liter-Auto dann nur knapp die Hälfte des VW XL1.

Autor: Timo Friedmann

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