Fahrbericht Wiesmann GT MF 5

Wiesmann GT MF 5 Wiesmann GT MF 5

Fahrbericht Wiesmann GT MF 5

— 11.09.2008

Schwarzbrenner

Der Wiesmann GT MF 5 legt mit 507 PS aus dem M5-Zehnzylinder eine so atemberaubende Performance hin, dass einem schwindelig wird – ganz ohne Hochprozentiges, abgesehen vom Super-Plus-Sprit im Tank.

Mit einem gewissen Trotz haben die Wiesmann-Chefs und Namensgeber Martin und Friedhelm der IAA in Frankfurt vor einem Jahr die kalte Schulter gezeigt. Es gab Unstimmigkeiten wegen der Ausstellungsfläche, also nahmen die Brüder die Sache selbst in die Hand und präsentierten ihren neuen GT MF 5 eben nicht auf der Messe, sondern in der neuen eigenen Niederlassung im modernen Lighttower an der Frankfurter Automeile. Nun rollen die ersten Fahrzeuge der neuen Generation aus der nagelneuen Manufaktur im münsterländischen Dülmen. Und angenehmerweise verfügen diese über eine ebensolche Charakterstärke wie die Wiesmanns. Martin Wiesmann, der Techniker von beiden und das "M" in MF, trieb das Design mit spitzen Fingern voran. Hier und da schneiden die Lüftungsöffnungen nun schärfer ins Fleisch der Karosserie als bei den Vorgängern. Die Augenränder sind weggeliftet. Am Heck blitzen LED-Leuchten. Ansonsten weitgehend unverändert, betören nach wie vor allumspannende bauchige Formen, die selbst Rubens zu wilden Taten inspiriert hätten.

Überblick: Alle News und Tests zum Wiesmann GT MF5

Kraftpaket im Bug: Der 507 PS starke V10 stammt aus dem BMW M5.

Doch vollschlanke Frauen sind hier fehl am Platz. Der Wiesmann GT MF 5 ist nämlich fett. Voll fett. Zumindest in puncto Leistung. Wo bei den – übrigens weiter gebauten – MF 3 und 4 der Reihensechser aus der letzten M3-Generation und BMW-V8-Motoren ihre PS-Wonnen entblätterten, schlägt nun erbarmungslos wie Thors Hammer der 5,0-Liter-V10 aus dem M5 zu. Wo man sich früher mit 343 und 367 PS zufriedengab, wummert nun ein 507-PS-Puls. Zwangsgekoppelt an die ebenfalls offiziell von BMW zugelieferte SMG-Halbautomatik mit per Schaltpaddel anzuzupfenden sieben Gängen. Wer das Biest per Spaßpedal auf volle Kraft voraus anfüttert und via Druck auf die Sport-Taste für volle Leistung vollends enthemmt, wird in Form einer 3,9-Sekunden-Orgie für den Sprint auf Tempo 100 belohnt. Gib ihm Zunder, und es teufelt weiter bis auf 310 km/h voran. Doch der MF 5 keult keinesfalls als wilde Kanonenkugel durch die Lande, sondern bietet Sportwagenfahrspaß vom Feinsten. Auch wenn die Lenkung bei Highspeed spitz wirkt, kommt insgesamt nur selten Unruhe ins Fahrzeug. Angasen, hart anbremsen, 90 Grad abwinkeln – das alles fördert den Spaß und beruhigt mit ordentlichen Reserven und wenig Tücke.

Das niedrige Fahrzeuggewicht garantiert großen Fahrspaß

Da geht die Post ab: Seine 1380 Kilo Leergewicht machen den MF 5 zum Dynamiker.

Vor allem, wenn wie beim Testwagen 20-Zöller montiert sind, mit 285ern vorn und mächtigen 325er-Pirelli P Zero Nero an der Hinterachse. Die Gummis haben wenig Mühe. Zum einen glänzt der Wiesmann mit sauberer 50:50-Gewichtsverteilung, zum anderen mit hübscher Leichtbautechnik. Wie beim MF 4 und im Gegensatz zum Roadster sitzt nämlich unter der GFK-Haut des MF 5 ein genietetes und verklebtes Alu-Monocoque für durchtrainierte 1380 Kilo Kampfgewicht. Ansonsten schmeichelt sich der MF 5 mit den drei viel zu oft vergessenen Tugenden ins Sportfahrerherz: Verzicht auf Schnickschnack – sogar die nun serienmäßige Klimaanlage gilt bei Wiesmann als ungeliebtes Zugeständnis. Das ebenfalls neuerdings serienmäßige ESP hat zweifellos seine Daseinsberechtigung, schließlich lässt es sich auch deaktivieren. Und Airbags? Keine! Zweitens: allerfeinste Materialien. Neben den Hightech-Antriebsund Karosseriekomponenten gerät man vor allem angesichts der wunderbar von Hand gestalteten Ganzkörperbelederung des Innenraums ins Schwärmen.

Und drittens: Einzigartigkeit. Wie der Auspuff klingen soll, bespricht man beim Kauf ebenso wie die Stickereien im Sitzleder oder auch tollkühnste Lackierungen. Dazu gibt es viele Sport-Upgrades: Brembo-Bremse, Sportsitze, ganz sicher auch den passenden Überrollkäfig. Wiesmann als Manufaktur macht hier jeden Wunsch möglich. Allerdings kostet der exklusive Spaß auch allerhand. 179.800 Euro darf man für den Standard-MF 5 überweisen. Inklusive einiger Extras wie der großen Bremse und den breiten Rädern landet man wie beim Testwagen bei 207.875 Euro. Der Preis der Exklusivität. So wird das auch beim MF 5 Roadster sein, der auf dem Automobilsalon in Genf im März 2009 noch mehr Stoff zum Träumen liefern wird.

Ein Wiesmann kann nicht nur schnell, sondern auch sparsam sein: Der knackige Roadster MF 3 lässt sich auf Gasantrieb umrüsten – die Details gibt es in der Bildergalerie.
Technische Daten* Wiesmann GT MF 5
Motor V10
Einbaulage vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4
Hubraum 4999 cm³
kW (PS) bei 1/min 373 (507)/7750
Literleistung 101 PS/Liter
Nm bei 1/min 520/6100
Antriebsart Hinterrad, Differenzialsperre
Getriebe 7-Gang, automatisiert (SMG)
Bremsen vorn 374 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 370 mm/innenbel./gelocht
Radgröße vorn/hinten 8,5 x 19 / 10 x 19*
Reifen vorn/hinten 245/40 ZR 19 / 275/35 ZR 19*
Reifentyp Michelin Pilot Sport 2
Länge/Breite/Höhe 4300/1950/1170 mm
Radstand 2507 mm
Leergewicht/Zuladung 1380 kg/300 kg
Leistungsgewicht 2,7 kg/PS
Tankvolumen 70 l
EU-Normverbrauch Ø auf 100 km 14,1 l Super Plus
Beschleunigung von 0–100 km/h 3,9 s
Höchstgeschwindigkeit 310 km/h
Serienfahrzeug ohne Extras 179.800 Euro
* Herstellerangaben; Räder/Reifen Testwagen: 10 und 11,5 x 20 mit 285/30 und 325/25 (5100 Euro)

Autor: Oliver Strohbach

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.