Fahrbericht Wiesmann Roadster MF4
— 30.07.2009Großer Sport
Tennisturnier in Hamburg-Rotherbaum. Großes Tennis. Vor der Tür: ein Wiesmann Roadster MF4. Großer Sport. Jan Kretzmann und Lars Hänsch von autobild.de auf Spritztour mit dem scharfen Zweisitzer.
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Beim Verdeck ist Handarbeit angesagt
Bei knapp 1,90 Länge hätte ich nicht erwartet, so bequem im Wiesmann sitzen zu können. Eng wie ein guter Laufschuh liegt er am Körper. Das in Handarbeit vernähte Leder fühlt sich klasse an – ist aber in Creme eindeutig zu schmutzanfällig. Wer mit dem Schuh an der Einstiegsleiste streift, hinterlässt hässliche Spuren. Schade. Denn ansonsten ist im Wiesmann Wohlfühlen angesagt. Die Sitzschalen bieten Halt – ohne allzusehr in die Problemzonen zu kneifen. Das Lenkrad liegt beim Cruisen in der Stadt lässig in der Hand, ist aber dick genug, um beim Räubern auf der Landstraße einen festen Griff zu vertragen. An die Schaltpaddel der Sport-Automatik von BMW muss man sich gewöhnen. Genauso daran, dass Tacho und Instrumente bei einem Wiesmann zentral in der Mittelkonsole liegen. Beim Verdeck endet die Wellness-Zone. Auf und zu per Muskelkraft. Wie sich das für einen echten Roadster gehört.Der V8 des Wiesmann stammt aus dem BMW X5
Für die Stadt ist der Wiesmann Roadster MF4 nicht gemacht. Am Schlüssel gedreht, Finger auf den Startknopf, schon gibt der V8 unter der Haube ein wütendes Brüllen von sich. Wiesmann verbaut einen 4,8-Liter-V8 mit 367 PS und 490 Newtonmeter Drehmoment. Der stammt aus dem BMW X5, ist also deutlich dickere Brocken gewöhnt. Entsprechend leichtes Spiel hat der Achtzylinder mit knapp 1,3 Tonnen Roadster. Laut Hersteller stürmt er in 4,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Spitze sind 290 Sachen. Muss man im Umfeld eines noblen Tennis-Turniers nicht ausprobieren. Manuell über die Paddel geschaltet, prescht der Wiesmann so brachial nach vorne, als wolle er Brocken aus dem Kopfsteinpflaster reißen. Im Vollautomatik-Modus schaltet das Getriebe so schnell es kann, kommt mit den Lastwechseln aber nicht ganz mit mit. Geschweige denn der Fahrer. Lenken, Gas geben, Bremsen – das artet zwischen Ampel und 30er-Zone in echte Arbeit aus. Macht aber süchtig.ANZEIGE
Publikumsmagnet
Hamburg-Rotherbaum, Blankenese, Elbterrassen oder Schanze – mit einem Wiesmann ist man überall gut angezogen. Der V8 brüllt und blubbert – da schaut jeder hin. Der Nachbar im 911er an der Ampel, die Kinder auf dem Spielplatz und eine Truppe von acht jungen Damen mitten im Hamburger Schanzenviertel. Die unterbrechen ihr angeregtes Gespräch, drehen sich mit großen Augen um und werfen sich in Pose. So viel zum Thema Tiefgründigkeit, und so. Wenn man bloß nicht so verdammt tief säße. So kriegen die Damen ja gar nicht mit, wer hinterm Steuer sitzt. Ganz abgesehen davon, lassen sich Hamburgs Kreuzungen auch nicht besonders gut einsehen. Ach ja, wer jetzt schon halb aus der Tür raus ist, um sich einen Wiesmann Roadster MF4 besorgen, sollte 155.000 Euro mitnehmen. Soviel hätte unser Testwagen nämlich gekostet ...
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