Fahrbericht X-Raid BMW X3 CC

Fahrbericht X-Raid BMW X3 CC

— 22.09.2006

Juttas Neuer

Wüsten-Königin Jutta Kleinschmidt hat VW verlassen und fährt die nächste Dakar mit einem X-Raid BMW X3 CC. Wir haben ihren neuen Dienstwagen ausprobiert.

Einen Pferdeanhänger können Sie bei diesem Geländewagen ebenso getrost vergessen wie die gediegene Fahrt zum Einkaufszentrum. Dieser BMW X3 bevorzugt die harte Tour. Genau genommen die ganz harte. Seriennah ist am neuen Wettbewerbsgerät von Jutta Kleinschmidt bestenfalls die dem Serienauto nachempfundene Carbon-Haut. Der Rest am X-Raid BMW X3 CC (für Cross Country) ist Wüsten-Hightech vom Feinsten, entwickelt und gebaut für ein einziges Ziel: Die Rallye Dakar, die längste und härteste Motorsportveranstaltung der Welt zu gewinnen. Noch strahlt der Dampfhammer in unschuldigem Weiß, die Aufkleber der Sponsoren bekommt er erst später. Jutta Kleinschmidt hat gerade ihre erste Testwoche in Marokko hinter sich. Ich durfte mich gleich danach ins Cockpit zwängen und den Boliden Probe fahren – natürlich im Gelände.

Nur die Sitzposition erinnert an einen sportlichen Geländewagen. Ansonsten umgibt mich eine Mischung aus Tourenwagen und Space Shuttle. Das Lenkrad muss ich wie in einem Formel-Renner vor dem Start erst aufstecken. Ich drücke den Starterknopf – und das Objekt der Begierde lebt. Mit einem kurzen Ruck am Schaltstock des sequenziellen Sechsganggetriebes ist der erste Gang eingelegt, der Motor dreht automatisch etwas höher. Jetzt die Kupplung bei gleichzeitigem Gasgeben hart kommen lassen – und los geht’s, rauf aufs Gas. Wenn überhaupt, muss sich der allradangetriebene Marathon-BMW nur zu Beginn etwas mühen.

Der X3 überzeugt sogar die Wüsten-Queen

Einmal in Bewegung, jagt das Zweitonnen-Paket aus Mensch und Maschine mit Vehemenz durchs Gelände. Die Angst vorm Fliegen nimmt ein exklusives Fahrwerk der Firma Reiger, dessen Leistungsfähigkeit selbst die Dakar-Königin überzeugt. Um allzeit optimalen Bodenkontakt kümmern sich rundum doppelte Dreiecksquerlenker mit jeweils zwei in der Härte verstellbaren Dämpfern. Der Federweg muss laut FIA-Rallye-Reglement auf kernige 250 Millimeter begrenzt werden. Ein tiefer Schwerpunkt ist im Dünenmeer längst ebenso wichtig wie optimale Balance. Wie im Tourenwagen sorgen auch beim Rallye-X3 umpositionierte Nebenaggregate und tiefergelegte Elektronik für optimale Gewichtsverhältnisse. Zudem ist der Dieselmotor im Vergleich zu einem Serienauto tiefer und weiter hinten Richtung Cockpit eingebaut. Zählt in anderen Motorsportdisziplinen meist nur die Leistung, gilt es im Marathonsport Performance und Haltbarkeit optimal zu kombinieren. Ein Trick des hessischen X-Raid-Teams: der BMW ist an allen Ecken gleich. Das bedeutet, sowohl der obere und untere Querlenker, die Spurstange plus Gelenk, der Radträger und selbst die Bremsscheiben und Sättel können frei von links nach rechts sowie vorn und hinten getauscht werden. Weiteres Durchhalte-Gimmick: Hinter der Seitenabdeckung auf der Fahrerseite hat der Wüstenrenner am Gitterrohrrahmen Platz für Ersatzteile.

Rallye-Hightech vom Feinsten

Wir donnern derweil weiter. Hoch in den Sechsten und wieder runter bis in den Zweiten. Schalten, beschleunigen, lenken, alles funktioniert – elektronisch und hydraulisch unterstützt – in souveräner Manier. Trotzdem gehe ich nicht ans Limit. Denn ich bewege mich hier auch finanziell in einer anderen Welt: Auf über eine halbe Million Euro wird das Ungetüm geschätzt. Das bei BMW entwickelte Dieseltriebwerk ist das Herzstück des X-Raid-Prototypen. Drei Liter Hubraum mit Registeraufladung (ein kleiner und großer Turbo) sorgen offiziell für 275 PS. Trotz des reglementbedingten Begrenzers scheint das eher untertrieben. Zurück hält sich X-Raid-Teamchef und -Eigner Sven Quandt auch bei den Drehmomentwerten: "Rund 620 Nm, viel mehr würde der Antriebsstrang auf Dauer nicht mitmachen." In Gedanken noch bei der Technik, stürme ich weiter über den staubigen Geländeparcours. Schon fliegt der Ausgangspunkt meines kurzen Ausrittes wieder auf mich zu. Auch den letzten Sprung pariert der Rallye-BMW mit einer sauberen Landung. Jetzt noch ein fester Tritt auf das Bremspedal – und der Zweitonner verzögert so brachial, dass es mich in die Gurte presst. Fazit: Aus meiner Sicht ist es keine Frage, dass unsere Wüsten-Königin mit diesem Gerät an vergangene Erfolge anknüpfen kann.

 

Technische Daten X-Raid BMW X3 CC 6-Zyl.-Turbodiesel-Reihenmotor • (2 Turbolader mit Ladeluftkühler, Registeraufladung, Luftmengenbegrenzer) • 4 Ventile je Zylinder • Hubraum 2998 cm3 • Leistung 202 kW (275 PS) bei 4000/min • max. Drehm. 620 Nm bei 2100/min • perm. Allradantr. üb. variabel sperrbares Zentraldiff. (v:h 50:50), autom. sperrendes VA- u. HA-Diff. • 6-Gang-Schaltgetr., sequenziell • Einzelradaufhängung v./h. • belüft. Scheibenbremsen v./h. • Reifen 235/85 R 16 • L/B/H 4650/2000/1850 mm • Radstand 2850 mm • Leergewicht 1900 kg • Tankinhalt 380 l• 0–100 km/h in 7,2s • Höchstgeschw. 205 km/h Wert ca. 500.000 Euro.

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