Fahrerportrait Nick Heidfeld

Fahrerportrait Nick Heidfeld

— 06.04.2005

So tickt der neue Nick

Keine Angst vor groen Namen. Nicht im eigenen Team, nicht im Kampf auf der Piste. BMW-Williams-Neuling Nick Heidfeld (27) auf dem Weg zum Star.

Heidfeld maregelt den Weltmeister

Gewusel und Hektik berall. Doch Nick Heidfeld sitzt im Mini-Restaurant seines Teams und vertilgt in Seelenruhe einen Salat. Ein emsiger Geist des BMW-Williams-Teams rauscht heran und erklrt Nick das Programm bis zum Rennen. Heidfeld legt gelassen die Gabel beiseite: "Das ist nicht gut. So kurz vor dem Rennen." Es geht um Auftritte fr neue Teamsponsoren. "Ist dir das zuviel?" Nick erwidert khl: "Nein, aber das mu besser getimed werden." Der Williams-Mitarbeiter, zustndig frs Geldeintreiben, schluckt und versichert flehend: "Das huft sich nur zu Beginn der Saison so. Das wird bald weniger." Thema erledigt. Heidfeld wendet sich wieder seinem Grnzeug zu.

Vielleicht wird es erst jetzt offenbar, da "Quick Nick" in einem Topteam der Formel 1 viel mehr im Fokus ist: Dieser Nick Heidfeld (27) wei genau, was er will. Was gut fr ihn als Rennfahrer ist und was nicht. Und das zieht er durch. Der Heidfeld von 2005 wirkt erwachsener. Es sind nicht nur diese kurzen, fast brstenartigen Haare, die einen stutzen lassen: Der Mann ist im Grand-Prix-Zirkus irgendwie prsenter geworden. Und nicht nur, weil er jetzt einen mrderstarken BMW-Motor im Kreuz hat, streckt er den Rcken durch. Heidfeld haut auf der Piste mchtig dazwischen.

Im ersten Rennen attackierte er Michael Schumacher. Er probierte das berholmanver in Melbourne nicht nur, er zog es auch durch bis es krachte. Danach maregelte der Leisetreter von einst den Rekordweltmeister ffentlich: "So kann man nicht fahren. Michael hat mir keinen Raum gelassen. Wir werden das so klren, da so was nie wieder vorkommt."

Hauptdarsteller auch in Malaysia

Wenig spter knpfte Heidfeld sich zwei erfahrene Ferrari-Strategen, Stefano Domenicali und Nigel Stepney, vor und schilderte ihnen seine Sicht des Vorfalls. Und gab erst Ruhe, als die Mehrzahl der Fahrerkollegen Schumi in einem Meeting in Malaysia zum Eingestndnis seines Fehlers gebracht hatte. Schumi: "Wenn ihr das so seht, dann nehme ich die Schuld auf mich."

Der Vorgang spricht fr Schumachers Gre, mehr noch aber fr den neuen Heidfeld. Der hat ein wichtiges Gefecht gewonnen. Schumi wei jetzt, da der Gladbacher ihm notfalls reinfhrt. Und der Weltmeister ist nun quasi "gelb-belastet". Beim nchsten vergleichbaren Vorfall mssen die Rennkommissare ihn bestrafen. Auch intern bei Williams profilierte sich Nick Heidfeld mit seinem Australien-Auftritt. "Wenigstens hat er Schumacher mit aus dem Rennen gerissen", frohlockte Team-Mitbesitzer Patrick Head.

In Malaysia avancierte Heidfeld ebenfalls zu einem Hauptdarsteller. Er berrumpelte schon beim Start beide Red-Bull-Piloten ("Weil ich in Australien genau hinter denen hngengeblieben war und mir das nun ersparen wollte") und glnzte spter als Dritter. "Das alles", zieht Heidfeld nun in Bahrain diplomatisch die Handbremse, "darf man nicht berbewerten. Ich habe auch frher meine Meinung gesagt. Nun fahre ich mit dem BMW-Williams einfach weiter vorn als mit Jordan oder Sauber. Damals bin ich Michael hchstens begegnet, wenn er mich berrundet hat."

Und ber seine nun anders ankommenden Auftritte: "Ich habe mich berhaupt nicht verndert. Man geht nicht zu einem Topteam und nimmt sich vor: Jetzt mache ich alles anders. Nein, man will nur aus den besseren Mglichkeiten mehr rausholen."

Teamchef Frank Williams beeindruckt

Dabei hat Heidfeld sich sogar zwei ungewhnliche Ausrutscher in der Qualifikation erlaubt. Heinz-Harald Frentzen analysierte daraufhin: "Nick mu geduldiger werden." Der sieht aber auch in seinen Fehlern kein Zeichen erhhten Drucks: "Im Qualifying versucht man immer, etwas mehr rauszuholen. Ich kann mir das nur damit erklren, da die fr mich in der Qualifikation noch recht neuen Michelin-Reifen anders reagieren als die Bridgestone, mit denen ich bisher gefahren bin. Im Grenzbereich reit die Haftgrenze frher, abrupter ab. Wenn du bers Limit gehst, bist du schneller weg."

In beiden Fllen blieb Kritik der gefrchteten Teambosse aus. "Denen ist es offenbar lieber", so Heidfeld, "wenn man etwas mehr riskiert, als zuwenig Gas gibt." Frank Williams hatte Nick mit dem Spruch im Team begrt: "Wenn er nichts bringt, wird er ausgewechselt." Heidfelds trockener Konter: "Das geht in der Formel 1 jedem so, der nichts bringt. Und nach dem Malaysia-GP hat mich Frank sogar schwer gelobt."

Der attestierte ihm nach der Hetzjagd von Rang zehn auf drei "ein Rennen auf hchstem Niveau". Heidfeld hatte damit genau das demonstriert, was Williams zuvor angezweifelt hatte: den ntigen Bi ber 300 Kilometer. Deshalb hatte er ihn so lange im Testduell mit Antonio Pizzonia geqult. Williams sagte zuletzt in Bahrain: "Nick beeindruckt mich extrem, er ist fahrerisch wie technisch auf der Hhe und krperlich fitter als erwartet. Und er ist jede Woche in der Fabrik, was wir so von unseren Fahrern nicht kannten."

Bald erleben wir aus einem anderen Grund den neuen Heidfeld: Seine Freundin Patricia Papen ist im sechsten Monat schwanger. "Das ist ein bichen wie mit BMW-Williams", lacht Nick, "ich freue mich natrlich, wei aber nicht genau, was kommt."

Kurzvita: Das ist Nick Heidfeld

Name: Nick Heidfeld Geboren: 10. Mai 1977 Geburtsort: Mnchengladbach Wohnort: Monte Carlo/Monaco Nationalitt: deutsch Familienstand: Freundin Patricia, erwartet erstes gemeinsames Kind Erlernter Beruf: Rennfahrer Hobbys: Sport, Golf, Fitne

Karriere: Nick Heidfeld kann auf eine Bilderbuchkarriere zurckblicken. Mit acht Jahren fhrt er erstmals auf der Schumacher-Kartbahn in Kerpen, holt 1994 Titel Nummer 1: Formel-Ford-1600-Meister mit acht Siegen aus neun Rennen. Ein Jahr spter gewinnt er auch die Formel Ford 1800 und wird mit 20 Jahren jngster Titeltrger der Formel-3-DM. 1998 verliert Heidfeld als Mercedes-Junior den Formel-3000-Titel gegen Juan Pablo Montoya. Doch 1999 schnappt er sich den EM-Titel und steigt 2000 bei Prost in die Formel 1 ein. Nach weniger erfolgreichen Jahren im Sauber (nur einmal 3.) und Jordan nun endlich die Chance auf Siege im BMW-Williams.

Autor: Hesseler

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