Fahrschule

Die Sprit-Spar-Stunde Die Sprit-Spar-Stunde

Fahrschule

— 14.03.2003

Die Sprit-Spar-Stunde

Der richtige Unterricht zur Knauserzeit: In 60 Minuten brachte Fahrlehrer Jörg Paulsen AUTO BILD-Redakteurin Hucko das Spritsparen bei.

Rollen lassen bei 1000 Touren

Gleich muss etwas passieren. Jetzt noch ein bisschen weniger Gas. Die Tachonadel steht bei 40 und mein Herz beinahe still. Schmiert er gleich ab? Nun muss der Golf doch einfach ausgehen. Nichts. Der Motor knurrt, als hätte er seit Tagen einen leeren Magen. Und tatsächlich: Mein Spritspar-Trainer, Jörg Paulsen, und ich haben dem Fahrschul-Golf eine Diät verordnet – weniger Diesel bei gleichem Tempo.

"Lass rollen", sagt Paulsen. Bei 1000 Umdrehungen im fünften Gang grummelt der Motor dumpf. Selbst meine Waschmaschine schleudert schneller. Und klingt mit einer vollen Ladung Kochwäsche glücklicher. "An das Geräusch gewöhnst du dich schon", beruhigt der mollige Ökotrainer, während wir am Stadion des FC St. Pauli vorbeizuckeln. An das frühe Hochschalten hoffentlich auch.

Alles, was Spaß macht, ist im Spritsparkurs verboten. Kein dauerhaft durchgedrücktes Gaspedal, keine hohen Drehmomente. Im Gegenteil: Die Nadel des Drehzahlmessers sollte die 2000er-Marke nicht übersteigen, die Reifen haben wir aufgepumpt, damit sie besser rollen. Faustformel: plus 0,3 Bar auf den höchsten Wert in der Bedienungsanleitung.

Spritsparen ist anstrengend

"Niedrige Gänge sind Spritfresser", warnt Paulsen und zupft an seinem Ziegenbart. Ein Ford Focus verbraucht bei 5900 Umdrehungen im ersten Gang 21 Liter, bei 1600 Touren im vierten sind es 6,7 Liter Super. Zu diesem Ergebnis kommt der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR). "Schalten", fordert Paulsen mich auf. Ich konzentriere mich auf Drehzahlmesser und Multifunktionsanzeige, die meinen momentanen Spritverbrauch anzeigt: 8,8 Liter. Das ist deutlich zu viel.

Dann auch noch den Straßenverkehr beobachten, aufpassen, was die Ampel macht – puh, Sparen ist anstrengend. Dabei habe ich gedacht, ich könnte Auto fahren – auch ohne viel Kraftstoff zu verbrennen. Jetzt weiß ich es besser. "Was du dir in zehn Jahren angeeignet hast, kann ich dir nicht in 60 Minuten abgewöhnen", sagt Paulsen.

Meinen Führerschein hab ich vor genau zehn Jahren gemacht. Da kostete der Liter Super im Schnitt 1,36 Mark, heute ist er beinahe genauso teuer – in Euro allerdings. Bei 50 km/h – brachte mein Fahrlehrer mir bei – in den dritten Gang schalten, bei 65 in den vierten und bei 80 km/h in den fünften. "Mädel, gib ein bisschen mehr Stoff", sagte er immer. Und heute? "Nimm den höchstmöglichen Gang." Und Paulsen fordert, den Fuß vom Gas zu nehmen.

Fuß vom Gas und Weitsicht üben

Bis zu 25 Prozent Benzin oder acht bis 15 Prozent Diesel verbrennt ein Motor weniger, wenn der Fahrer sich an die Regeln aus der Spritsparschule hält. Dazu gehört auch, den Wagen rollen zu lassen. "Fuß vom Gas, nur laufen lassen und lenken." Und einen flotten Blick auf meine Spritanzeige riskieren. Jaaa! Ich werde besser. Jetzt fährt der Diesel mit 7,5 Litern. Das spornt an. Meine Messlatte sind Paulsens Schüler – die fahren den 110-PS-Golf mit durchschnittlich 6,8 Litern. Aber die 18-Jährigen haben Autofahren auch nie anders gelernt.

Ich drücke die Multifunktionsanzeige auf null und starte einen neuen Versuch. Die Ampel zeigt Rot. Ich nehme den Fuß vom Gas, kuppele aus und lass den Wagen rollen. "Du musst mehr Abstand zum Vordermann halten, damit du agieren kannst, sonst fährst du wie ein Roboter hinterher." Häh, Roboter? Ich fühle mich ertappt. Wie ferngesteuert hänge ich an der Stoßstange des Vordermanns und rechne gar nicht damit, dass der Gute womöglich abbiegt.

"Mit Weitsicht fahren", nennt Paulsen das. Was sich außerdem lohnt: bei langen Rotphasen oder an Bahnübergängen den Motor abschalten. Ab neun Sekunden spart der Fahrer Sprit, ab 20 Sekunden dankt es die Umwelt. Und ich danke Paulsen. Am Ende meiner Spritsparstunde stehen 5,9 Liter auf der Multifunktionsanzeige des Golf. Das macht 3,1 Liter Diesel weniger als zu Beginn. Leider auch 60 Euro weniger im Geldbeutel für die Knauserstunde. Tja, wer Sprit sparen will, muss halt erst investieren.

Spartipps vom Kraftfahr-Professor

Wie lässt sich technisch gesehen am meisten sparen? Wir fragten Prof. Dr.-Ing. Henning Wallentowitz, Leiter des Instituts für Kraftfahrwesen der TH Aachen.

Welches Auto fahren Sie, und wie sparen Sie Sprit? Meine Autoflotte reicht vom Smart bis zum Zwölfzylinder-BMW. Spritsparen ist keine Frage der Größe, sondern abhängig vom Gefühl im Gasfuß. So kann der Smart mit drei Litern gefahren werden, der BMW bei normaler Autobahnfahrt durch Deutschland mit 12,8. Starke Beschleunigungen und Verzögerungen sind zu vermeiden. Zusätzlich sollte der Motor im Drehzahlbereich um 2000 Umdrehungen pro Minute betrieben werden.

Wo kann ich erfahren, ob mein Auto Normal statt Super tanken kann? Das steht in der Betriebsanleitung. Dort wird dann eventuell auf einen Stecker im Motorraum hingewiesen, der zum Anpassen der Zündeinstellung umgesteckt werden muss. Diese Verstellmöglichkeit soll das Fahren in Ländern mit geringeren Kraftstoffqualitäten ermöglichen und kostet in der Regel mehr Benzin.

Es gibt Autos, die nur Normalbenzin brauchen, aber mit Super gefahren werden ... So kann man auch Geld zum Fenster hinauswerfen.

Spare ich durch Umsteigen von Super auf Normalbenzin? Nein. Motoren werden in der Führung der Ansaugluft, der Lage der Einspritzdüse, der Zündkerzenanordnung sowie dem Zündzeitpunkt auf das zu verwendende Benzin abgestimmt. Ist das Benzin nicht klopffest genug, kommt es zu Entzündungen an der falschen Stelle im Zylinder. Die Leistung ist nicht optimal, der Fahrer gibt mehr Gas, der Verbrauch steigt.

Was können Fahrer an ihrem Wagen ändern, um Sprit zu sparen? Sie können unnötigen Ballast aus ihrem Fahrzeug herausnehmen, alle Dachgepäckträger bei Nichtgebrauch abbauen. Diese vergrößern den Luftwiderstand, was Benzin kostet. Wichtig ist ein korrekter Reifendruck. Der Rollwiderstand wirkt sich ebenfalls auf den Kraftstoffverbrauch aus. Auf angebotene Wundermittel verzichten – die bringen nichts.

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