Fahrtipps von Hans Stuck

Fahrtipps von Hans Stuck Fahrtipps von Hans Stuck

Fahrtipps von Hans Stuck

— 21.05.2003

Und ewig lockt der Ring

Im BMW M3 GT-R zählt Hans Stuck (52) zu den Topfavoriten beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring. AUTO BILD motorsport war auf Ring-Runde mit dem zweifachen Sieger.

Gaudibursche auf der Rennstrecke

Striezel Stuck und die Nürburgring-Nordschleife, zwei echte Legenden. Hier in der Eifel fühlt sich der Bayer heimisch, hier kennt er jeden Zentimeter der knapp 21 Kilometer Asphalt. Und vor allem: Hier kennt ihn jeder. "Sieh mal – das ist doch der Stuck!", freuen sich die Passanten.

Egal ob im Café an der Streckenzufahrt Breidscheid oder beim Fototermin im Fahrerlager: Die Fans können es kaum erwarten, den 52 Jahre alten Gaudiburschen wieder auf der Strecke zu sehen. Wie 1998, als er mit einem BMW 320d zum Sieg fuhr. Unvergessen auch seine Freudentänze im Cockpit aus der DTM-Saison 1990, als er im Audi V8 den Titel holte. Jubelbilder wie diese könnten sich am 1. Juni, am Ende des 24-Stunden-Rennens, wiederholen.

Denn Hans Stucks knapp 450 PS starker, Flammen spuckender BMW M3 GT-R mit Vierliter-V8-Motor zählt zu den schnellsten Wagen im Feld. Doch selten war die Konkurrenz größer beim größten Autorennen auf der schönsten und schwersten Rennstrecke der Welt.

Le Mans ist der reinste Urlaub

"Jede Runde ist ein Abenteuer, Le Mans dagegen reinster Urlaub", betont der zweifache Le-Mans-Sieger und Sportwagen-Weltmeister bei unserer rasanten Ring-Sightseeing-Tour im serienmäßigen BMW M3 (354 PS). "Klar haben wir Siegchancen, aber Favoriten sind für mich die schnellen Porsche und die Chrysler Viper", lautet die Stuck-Prognose.

"Unser M3 ist ein zuverlässiger Langstreckler, aber Aufhängungen und Achswellen sind nicht für extreme Kompressionen und Sprünge wie hier auf der Nordschleife gebaut", ergänzt der lange Hans. Und weiter: "Der Porsche von Manthey und einige andere GT3 RS sind wie die Zakspeed Viper ringerprobt. Das Rennen wird nicht über den reinen Speed gewonnen."

Deshalb hat Stuck auch nur wenig Angst vor den beiden Abt-Audi und den Opel Astra Coupé aus der DTM. Vor allem die Getriebe dieser Hightech-Boliden sind nicht für den Eifel-Marathon ausgelegt. Hier könnte die Stunde des technisch robusten V8STAR schlagen, der beim letzten Langstrecken-Meisterschaftslauf hinter einem Porsche GT3 RS problemlos auf Platz zwei fuhr.

Vom Schwedenkreuz zum Karussell

"Seit ich im Oktober von unserem 24-Stunden-Einsatz erfahren habe, schlafe ich vor lauter Aufregung jede Nacht eine Stunde weniger", flachst BMW-Botschafter Stuck. Und mit jenem Funkeln in den Augen, das sonst nur bei Kindern vor Heiligabend zu sehen ist, fügt er grinsend hinzu: "Ich werde jede Runde genießen. So eine Strecke wie die Nordschleife gibt es auf der Welt kein zweites Mal und wird es auch nie wieder geben." Nur noch zehnmal wach werden, ja, dann ist Bescherung - nicht nur für Striezel!

Schwedenkreuz "Das Schwedenkreuz ist eine Mutstelle und damit nicht ungefährlich. Die Linie hier ist recht ungewöhnlich, denn man fährt die Kurve nicht ganz von außen an, weil hier die Fahrbahn zu wellig ist. Am Kurvenausgang lässt man sich nicht ganz raustreiben, um die nachfolgende Aremberg-Rechtskurve möglichst gerade anbremsen zu können."

Adenauer Forst "Der Adenauer Forst wird von vielen unerfahrenen Piloten oft unterschätzt, verleitet schnell zu Fehlern. Ganz wichtig ist es, bei der Einfahrt in die S-förmige Kurvenkombination sehr lange außen zu bleiben, um möglichst viel Schwung mit auf das folgende schnelle Streckenstück zu nehmen."

Ex-Mühle "Nach der Streckenzufahrt Breidscheid geht es hier in einer Rechtskurve steil bergauf. Deswegen muss man sehr viel Schwung mitnehmen. Einfacher gesagt als getan, denn hier wartet auf uns Piloten eine der fiesesten Bodenwellen am Nürburgring, die man mit einkalkulieren muss. Demzufolge ist hier die exakte Linie von entscheidender Bedeutung für eine schnelle Rundenzeit."

Karussell "Die beste Einfahrt ins Karussell hat man, wenn man den weißen Punkt auf der Fahrbahn genau in die Fahrzeugmitte nimmt. Den hat übrigens mein Vater eigenhändig aufgemalt. Wichtig: Mit allen vier Rädern im Banking bleiben. Sonst kann das Auto schnell herausspringen, und ein Abflug droht. Wer sein Material schonen will, fährt das Karussell ganz oben ohne Überhöhung."

Hohe Acht bis Quiddelbacher Höhe

Hohe Acht "Die Hohe Acht ist der höchste Punkt der Nordschleife. Ab hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Denn jetzt kommen die fahrerisch anspruchsvollsten Passagen. Wenn man hier hinter einem langsamen Fahrzeug ist, dann hat man bis zum Brünnchen kaum eine Möglichkeit zum Überholen und verliert jede Menge Zeit. Beim Überholen überlegt man besser dreimal, ob einen der Vordermann wirklich gesehen hat."

Eschbach/Brünnchen "Das Brünnchen ist für die Zuschauer wie eine Art Stadion. Man fährt steil bergab und nach einer kurzen Geraden wieder steil bergauf. Hier schauen Tausende von Fans das Rennen und machen die ganze Nacht durch Party. Wichtig im Bergabstück ist es, die Ideallinie zu halten. Gut: Am Ende der kurzen Geraden kann man recht gefahrlos langsamere Autos überrunden."

Pflanzgarten "Der Pflanzgarten ist für Zuschauer und uns Fahrer gleichermaßen eine Mordsgaudi. Man kommt mit hohem Tempo auf einen Sprunghügel zu. Superwichtig: Entweder du bremst vor dem Sprung oder nach der Landung. Denn wenn man bei der Landung auf der Bremse steht, riskiert man einen deftigen Bremsplatten oder im Extremfall sogar einen Abflug."

Quiddelbacher Höhe "Hier an Posten 76 sind seit Jahren mein Schwiegervater und der Onkel meiner Frau Sylvia Streckenposten. Hier muss man links bleiben, sonst wird der Sprung so kritisch, dass ich mit meinem BMW M3 GT-R garantiert abfliege. Gebremst wird erst nach der Landung. Vorher lupfe ich höchstens."

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