Familienfehde nach Monaco-GP

Familienfehde nach Monaco-GP

— 23.05.2005

Schiefer Haussegen bei den Schumis

Dem riskanten Überholversuch folgte die verbale Gegenattacke. Zwischen den Schumacher-Brüdern krachte es wie nie zuvor.

Der eine lebt in Vufflens-le-Château in der französischen Schweiz, der andere hat sein großzügiges Domizil in Österreich nahe Salzburg. Würden die schnellsten Brüder der Welt unter einem Dach wohnen, wäre eines nach dem Großen Preis von Monaco am vergangenen Wochenende klar: Der Haussegen in der Formel-1-Familie Schumacher hängt schief.

"In dieser Situation überholt keiner mehr. Ein Millimeter mehr und einer von uns ist tot! Manchmal schaltet Michael sein Gehirn nicht ein. Er denkt immer, jeder würde für ihn Platz machen. Das ist aber nicht der Fall", klagte ein wütender Ralf Schumacher seinen Kontrahenten wegen dessen riskanten Überholversuchs kurz vor dem Ziel massiv an. Es war nicht das erste Mal, daß die Brüder auf der Strecke aneinander gerieten. Doch so deutlich wie am Sonntag hatte das jüngere Familienmitglied noch nie sein eigen Fleisch und Blut attackiert. Selbst Manager Willi Weber konnte Ralf nicht beruhigen. "Für mich hat er sie manchmal nicht alle. Das ist einfach zu gefährlich gewesen, was er da gemacht hat. Ich will da auch gar nicht drüber diskutieren, weil einsehen tut er es eh nie", meinte der Toyota-Neuzugang.

Michael Schumacher hatte auf dem engen Stadtkurs auf der letzten Runde vor der Hafenschikane erst seinen Teamkollegen Barrichello mit einem riskanten Manöver überholt. Dann versuchte er kurz vor dem Ziel auch noch an seinem Bruder vorbeizuziehen, um noch Sechster zu werden. Sein Ferrari und Ralfs Toyota berührten sich dabei am Hinterrad. "Ich bin ein Vollblutrennfahrer, da gehören auch solche Situationen dazu", verteidigte sich der 36jährige, der seinen WM-Titel wohl in wenigen Monaten los ist. Für ihn ist klar: "Wir fahren Rennen und machen keine Kaffeefahrten."

Den Veranstaltern des nächsten Formel-1-Events ist die familiäre Fehde indes nicht unrecht. "Er kämpft bei uns wohl schon um seine letzte WM-Chance", sagte Nürburgring-Geschäftsführer Walter Kafitz vor dem Großen Preis von Europa am 29. Mai (14 Uhr/live in Premiere und RTL). Nicht nur angesichts einer Fortsetzung des Familienduells in der Eifel rieb er sich die Hände: "Das ganze Rennen in Monaco war die perfekte Inszenierung für uns: Mercedes Erster, BMW-Williams-Pilot Nick Heidfeld nach dem besten Rennen seiner Karriere Zweiter – das gibt einen Schub für den Ticketverkauf."

290.000 Zuschauer (20 Prozent mehr als 2004) sollen nach seiner Hoffnung Zeuge werden, wie der noch amtierende Weltmeister Michael Schumacher einer seiner schwersten Krisen davonfährt. Kafitz jedoch glaubt sogar an den ersten Triumph des Mönchengladbachers Heidfeld, der nach seiner grandiosen Monaco-Show Optimismus pur versprüht: "Ich mag den Kurs am Nürburgring und war dort immer gut."

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