Fehmarnsundbrücke

Fehmarnsundbrücke ist marode

— 27.08.2014

Die Spitze des Eisbergs

Die Fehmarnsundbrücke ist marode. So könnte die Insel Fehrmarn zur Sackgasse werden, wenn 2021 ein neuer Ostseetunnel eröffnet wird.

(dpa) Stell Dir vor, Du fährst durch einen nagelneuen Autobahn-Tunnel von Dänemark nach Deutschland. Nach 17 Kilometern am Grund der Ostsee endet die Fahrt auf deutscher Seite jedoch abrupt. Der Grund: Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten ist die gut 50 Jahre alte Fehmarnsundbrücke, die von der Ostseeinsel Fehmarn hinüber zum schleswig-holsteinischen Festland führt, dauerhaft gesperrt. Dieses Schreckensszenario könnte Europas größter Wirtschaftsnation drohen, denn die deutschen Planungen für den sogenannten Hinterland-Ausbau der festen Fehmarnbelt-Querung kommen nicht voran.

Ein Neubau ist zwingend notwendig

Bis spätestens Ende 2021 will das kleine Nachbarland den kombinierten Auto- und Eisenbahntunnel nördlich von Fehmarn bauen. Bislang verkehren Fährschiffe über den Belt. Und wie geht es südlich der deutschen Ostseeinsel weiter? Derzeit untersuchen Experten die Materialermüdungen der Sundbrücke. Der Lastverkehr und die Witterung haben an der gut 50 Jahren alten Konstruktion aus Stahl und Beton ihre Spuren hinterlassen. "Je genauer man im konkreten Fall hinschaut, desto schlimmer wird der Zustand", sagte der Verkehrsphysiker Michael Schreckenberg von der Universität Duisburg. Ein Neubau sei zwingend notwendig.

Die Fehmarnsundbrücke ist kein Einzelfall

Die Fehmarnsundbrücke ist rund 50 Jahre alt uns muss dringend saniert werden.

Die Fehmarnsundbrücke ist nicht der einzige Problemfall in Deutschland: Viele der Brücken hierzulande sind alt und marode. Vor allem in den westlichen Bundesländern ist der Sanierungsbedarf seit langem groß, da dort ein Großteil der Brücken aus den Jahren 1960 bis 1985 stammt. Auf einigen maroden Brücken gelten für tonnenschwere Lastwagen bereits besondere Tempolimits oder Überholverbote. So war die erst 40 Jahre alte Rader Hochbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal im Zuge der Autobahn 7 bei Rendsburg im vergangenen Sommer wochenlang für Lastwagen gesperrt. Die maroden Pfeiler mussten aufwendig saniert werden. Dennoch geben Experten dem Bauwerk nur noch zwölf Jahre Lebensdauer. Weiter südlich in Hamburg gehen Experten davon aus, dass die Köhlbrandbrücke im Hafen gar nur noch elf Jahre sicher zu befahren sein wird.

Dobrindt verspricht eine Milliarde zur Sanierung

Ein weiteres Beispiel: Die seit zwei Monaten für den schweren Lkw-Verkehr gesperrte 50 Jahre alte Autobahnbrücke bei Leverkusen. Bei einem Besuch versprach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), von dem rund eine Milliarde Euro umfassenden Brückensanierungsprogramm des Bundes für 2015 bis 2017 solle ein Viertel nach Nordrhein-Westfalen fließen. "Aktuell schieben wir in Deutschland einen Riesenberg an Sanierungen vor uns her", sagte der Verkehrs-Physiker Schreckenberg. Einerseits sei beim Bau vieler Brücken in den 1960er- und 1970er-Jahren die Zunahme der Belastung durch Lastwagen im Straßenverkehr unterschätzt worden. "Dies gilt insbesondere für die Verkehre auf der A7 in Norddeutschland. Ein beladener Lkw nutzt die Straße so ab wie etwa 60.000 Pkw", rechnet der Physiker vor.

Probleme werden einfach weitergereicht

Außerdem hätten die Brückenplaner vor 40 Jahren noch keine Erfahrungen mit den verwendeten Baustoffen gehabt, sagt Schreckenberg. "Die Lebensdauer insbesondere des verwendeten Beton wurde überschätzt. Er zerbröselt infolge chemischer Reaktionen." In vielen Fällen seien Sanierungen zwar möglich. Probleme gebe es aber insbesondere bei Talbrücken oder Bauwerken über Flüsse und Kanäle. „Wenn die Rader Hochbrücke einmal weg ist, dann ist sie weg. Das ist das Fatale.” Ein weiteren Grund für die Misere macht Schreckenberg auf politischer Seite aus. "Man hat das Problem lange vor sich hergeschoben: Kein Verkehrsminister zahlt gerne für eine Sanierung." So sei das Problem von einer Regierung an die nächste weitergereicht worden.

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