Feinstaubbelastung in Großstädten

Feinstaubbelastung in Großstädten

Feinstaubbelastung in Großstädten

— 29.03.2005

Die Grenze ist überschritten – und nun?

In den ersten Städten wurden die Feinstaub-Grenzwerte der EU schon im März erreicht. SPD-Chef Müntefering ist gegen Fahrverbote.

Stuttgart und München wirbeln Staub auf

In Stuttgart und München ist der zulässige Grenzwert für die Luftbelastung mit Feinstaub schon in den ersten drei Monaten 2005 überschritten worden. Düsseldorf, Berlin und andere deutsche Großstädte stehen kurz vor dem Limit, in der bayerischen Landeshauptstadt geht jetzt ein Bürger gerichtlich gegen die Feinstaub-Belastung vor – das Verwaltungsgericht München bestätigte am Dienstag (29. März) den Eingang der Klage.

Zugleich wurden einstweilige Anordnungen beantragt, mit denen die Stadt München und das Land Bayern zu kurzfristigen Maßnahmen und einem Aktionsplan verpflichtet werden sollen. Zwei Stuttgarter Bürger kündigten ebenfalls Klagen an. SPD-Chef Franz Müntefering sprach sich gegen Fahrverbote in den Innenstädten aus und forderte die Autoindustrie dazu auf, sich mehr für den Umweltschutz zu engagieren.

In Stuttgart wurde der zulässige Grenzwert für Feinstaub noch vor München überschritten, wie eine Sprecherin des baden-württembergischen Umweltministeriums mitteilte. Bis zum 13. März hätten Messungen an 36 Tagen mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft ergeben. Nach der EU-Richtlinie darf die Feinstaubkonzentration in der Luft an maximal 35 Tagen im Jahr höher liegen. Die bayerische Landeshauptstadt hat den Wert am Ostersonntag schon zum 36. Mal getoppt.

Müntefering gegen Fahrverbote

SPD-Chef Franz Müntefering hält derweil nicht viel von Fahrverboten in Innenstädten: "Es wird nicht dadurch gehen, daß man jetzt die Innenstädte sperrt. Ich glaube, daß wir andere Lösungen finden müssen." Gleichzeitig forderte er die Autoindustrie in Deutschland auf, "mit noch höherem Nachdruck dafür zu sorgen, daß dieser Mißstand abgestellt wird."

Der Druck auf die Autoindustrie zum serienmäßigen Partikelfilter erhöht sich. "Mercedes-Benz, die bis Herbst sämtliche Dieselmodelle mit Partikelfilter auf den Markt bringen will, sollte allen anderen Herstellern ein gutes Beispiel sein", sagte ADAC-Vizepräsident Erhard Oehm. Zwar hat die Bundesregierung unlängst eine steuerliche Förderung von bis zu 350 Euro pro Fahrzeug verabschiedet – die reicht dem ADAC allerdings nicht aus. 600 Euro für Neuwagen sollten es schon sein, meint der Autoclub aus München.

Feinstaub könne in hohen Konzentrationen und bei langer Belastung die Lebenserwartung um neun Monate verkürzen, erklärt Prof. Erich Wichmann vom GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit in München. An Tagen mit hoher Feinstaubbelastung träten nach US-Studien Herzinfarkte, chronische Bronchitis und Asthma vermehrt auf. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vermutet, nach München und Stuttgart würden in Kürze auch andere Städte wie Düsseldorf, Augsburg oder Dortmund den maximal erlaubten Tageswert für Feinstaub zum 36. Mal in diesem Jahr überschreiten. Auch Berlin ist ein Kandidat für die Feinstaub-Skala.

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