Feinstaubbelastung in Großstädten

Feinstaubbelastung in Großstädten

— 30.03.2005

Rettet den Diesel

In Stuttgart und München herrscht Feinstaub-Alarm. Jetzt steht der Diesel am Pranger – und nur der Partikelfilter kann ihn retten.

Beim Verwaltungsgericht Stuttgart sind zwei Klagen gegen das Land Baden-Württemberg eingegangen. Eines stinkt den Klägern ganz gewaltig: Die Feinstaubkonzentration in ihrer Landeshauptstadt hat in den ersten drei Monaten 2005 bereits an 36 Tagen das Limit einer EU-Richtlinie gesprengt – und damit locker den Jahresgrenzwert überschritten.

Als wichtigste Schmutzverursacher sind Dieselfahrzeuge ohne Partikelfilter im Visier. Die ultrafeinen Rußteilchen sind so klein, daß sie beim Einatmen ungehindert in die Lunge gelangen und dort tödliche Krankheiten auslösen können. Die politische Richtlinie legt für diese Partikel einen Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft fest, der höchstens an 35 Tagen pro Jahr überschritten werden darf – in Stuttgart war das Limit schon am 13. März erreicht, München folgte zwei Wochen später.

"Einstweilige Anordnungen" fordert jetzt die Deutsche Umwelthilfe. Das Thema Fahrverbote rückt immer mehr ins Licht, doch SPD-Chef Franz Müntefering ist davon nur wenig angetan: "Es wird nicht dadurch gehen, daß man jetzt die Innenstädte sperrt. Ich glaube, daß wir andere Lösungen finden müssen." Gleichzeitig fordert er die Autoindustrie in Deutschland auf, "mit noch höherem Nachdruck dafür zu sorgen, daß dieser Mißstand abgestellt wird."

Besonders in Nordrhein-Westfalen herrscht das absolute Feinstaub-Chaos. Während Köln noch gar keine Meßstation betreibt, hat Düsseldorf (Countdown: zwei Tage) schon einen dreistufigen Aktionsplan ausgetüftelt: Ist der Grenzwert erreicht, werden täglich Fahrbahnen gewässert, Lkw über 2,8 Tonnen dürfen nicht mehr passieren, und der Anlieferverkehr bekommt feste Lieferzeiten. Busse haben nur noch mit Erdgasantrieb freie Fahrt, Diesel-Pkw ohne Filter müssen draußen bleiben, wenn die Maßnahmen nicht fruchten.

Ein logischer Schritt wäre der serienmäßige Partikelfilter. Nach einer Zusage der deutschen Hersteller wird das modellübergreifend erst 2009 der Fall sein – bis dahin fließt noch viel Blech durch die Verkehrsadern der Großstädte. "Es geht nicht schneller", sagen die Autobauer und klagen über Lieferschwierigkeiten der Rußkiller. Daß es doch funktioniert, zeigt Mercedes-Benz. Ab Sommer 2005 verpaßt die DaimlerChrysler-Tochter jedem ihrer Diesel-Pkw serienmäßig einen Partikelfilter und fürchtet dabei keine Engpässe: "Sonst würden wir nicht den serienmäßigen Einbau versprechen."

Während sich der Druck auf die Autoindustrie erhöht, halten sich Anreize für die Käufer in Grenzen. Zwar hat die Bundesregierung unlängst eine steuerliche Förderung von bis zu 350 Euro pro Fahrzeug angekündigt – doch die reicht nach Ansicht des ADAC nicht aus. 600 Euro für Neuwagen sollten es schon sein, meint der Autoclub aus München.

Das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe sieht mittlerweile sogar die gesamte Dieselkonjunktur in Gefahr und warnt vor einer weiteren "Rußfilter-Hysterie". Die unsichere steuerliche Förderung und fehlende Grenzwerte bei der Nachrüstung seien die Ursachen der "teilweise unsachlichen Diskussion", so Verbandssprecher Helmut Blümer. Mit Fahrverboten kann sich der Kfz-Verband offenbar arrangieren – für diesen Fall fordert er die "Reaktivierung der ehemaligen Smog-Plakette".

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