Ferdinand Piëchs Autobiografie

Ferdinand Piëchs Autobiographie Ferdinand Piëchs Autobiographie

Ferdinand Piëchs Autobiografie

— 23.09.2002

"Der Käfer gehörte zur Familie"

Porsche-Enkel Ferdinand Piëch hat ein Buch geschrieben. Über sich, den Käfer und den VW Konzern.

Von Kübelwagen und Bugatti

Von einem Porsche-Enkel darf man zu Recht erwarten, dass auch er ein Autonarr ist. Ferdinand Piëch, bis vor einigen Monaten Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG und seither Aufsichtsratschef des Konzerns, würde schlicht aus der Rolle fallen, hätte er nicht das sprichwörtliche Benzin im Blut. Wenn einer wie er nun mit 65 Jahren seine Autobiografie vorlegt, dann kann sich der Leser nicht nur auf eine pralle Familiensaga freuen, sondern auch auf eine Fülle technischer Informationen rund um den Autobau - mit viel Beiwerk vom Kübelwagen bis zum Bugatti, vom Käfer bis zum 1-Liter-Auto.

Wer Piëch noch aus den TV-Berichten vor Augen hat, wie er seinerzeit in der Affäre um das neue VW-Vorstandsmitglied Jose Ignacio Lopez mit dem Konkurrenten Opel/General Motors im Clinch lag, der erkennt ihn im Buch kaum wieder. Da ist er nicht der spröde Firmenchef, der mit stechendem Blick und schmalen Lippen angespannt vor die Presse tritt, sondern ein lockerer Erzähler - offen, verbindlich und bisweilen sogar amüsant.

In der damaligen Affäre ging es übrigens um den Vorwurf der Amerikaner, Lopez habe 1993 bei seinem Wechsel von General Motors zu VW Betriebsgeheimnisse mitgenommen. Der Spanier, der 1996 bei VW zurücktrat, hatte sich als Chefeinkäufer bei der deutschen GM-Tochter Opel und auch als Manager im US-Mutterkonzern einen Namen gemacht.

Die Akte Lopez

Die Akte Lopez gibt im Buch natürlich ein besonders spannendes Kapitel ab. Zu danken ist dies und das insgesamt flotte Werk mit dem Titel "Auto. Biographie" zu einem Großteil Piëchs Wiener Ghostwriter Herbert Völker, dem Herausgeber einer österreichischen Autozeitschrift. Im Buch wird er ganz bescheiden unter dem Stichwort "Mitarbeit" erwähnt. Piech hat ausführlich sein Leben ausgebreitet, der Journalist Völker hat diese Fülle an Fakten und Anekdoten strukturiert und so verständlich formuliert, dass dabei kein Nachschlagewerk für Fachidioten herausgekommen ist. Wohl aber eine detaillierte und unterhaltsame Familien-, Industrie- und Zeitgeschichte.

Was der gebürtige Wiener Piëch zu erzählen hat, ist allemal der Rede wert. Der Diplom-Ingenieur konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht, wie angestrebt, im Flugzeugbau unterkommen und begann also – wie viele andere aus dem deutsch-österreichischen Familienclan auch – bei Porsche in Stuttgart. 1972 kam er zu Audi nach Ingolstadt, wo er 1988 Vorstandschef wurde. 1993 trat er sein Amt an der VW-Spitze in Wolfsburg an.

Als Kind in der Nähe von Großvater Ferdinand Porsche (1875-1951) zu sein, bedeutete für den Enkel "in jedem Fall auch Autos – normale Autos, extravagante Autos", erinnert sich Piëch. "Der normale Volkswagen, für den es das Wort Käfer noch nicht gab, gehörte wie selbstverständlich zur Familie. Keineswegs als große Erfindung des Großvaters, sondern als ganz normales Haustier." Überlandfahrten waren damals übrigens noch "mit dramatischen Hühnerkollisionen verbunden", wie es an einer Stelle heißt.

Lob für Bernd Pischetsrieder

Der alte Porsche konnte nach Darstellung von Piëch hervorragende Leute an sich binden. Der Enkel resümiert heute: "Die Vorstellung einer höchstkarätigen inneren Mannschaft von fünf bis zehn Leuten, deren Zusammenspiel wiederum nur ein Einzelner im Detail leitet, hat mich ein Leben lang nicht losgelassen." Für ihn ist es das wichtigste Rezept geblieben, um Vorsprung vor den Wettbewerbern zu erzielen.

Piëch ist überzeugt, dass der Volkswagenkonzern am Erbe des Käfers fast zu Grunde gegangen wäre, weil dieser Bestseller erst viel zu spät durch modernere Autos abgelöst worden sei. Einer wie "Ferdi" Porsche aber hätte es "zu verhindern gewusst, dass ein und dasselbe Ding zig Millionen Mal reproduziert wird".

Für seinem Nachfolger bei VW, den früheren BMW-Chef Bernd Pischetsrieder, hat Piëch schon jetzt Lob parat: "Er hat im Laufe 2001, als ich mich zurückzog, Schwachpunkte erkannt und auf sehr klare Weise korrigiert. Das fand ich gut und notwendig." Zugleich klingt milde Selbstkritik an: "Vielleicht hatte ich zuletzt schon manchmal Altersmilde walten lassen." Ferdinand Piëch: Auto. Biographie, Hoffmann und Campe, Hamburg, 287 Seiten, 22,90 Euro (ISBN 3-455-09336-1)

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