Fernando Alonso vs. Lewis Hamilton

Fernando Alonso vs. Lewis Hamilton

— 19.06.2007

Rivalen der Rennbahn

Zwischen Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso und dem WM-Fhrenden Lewis Hamilton bahnt sich bei Mercedes ein erbitteres Duell an.

Selbst auf dem Siegerpodest war der Frust des Weltmeisters noch deutlich sichtbar. Zwar reckte Fernando Alonso beide Arme hoch, als er vom Sprecher als Zweitplatzierter des Groen Preises der USA in Indianapolis ausgerufen wurde, doch es war mehr eine mechanische Geste. Der rger des Spaniers war gro, stand er doch wie schon in der Vorwoche in Montreal/Kanada im Schatten des umjubelten Siegers. Mit versteinerter Miene lauschte Alonso der britischen Nationalhymne, die zu Ehren von Lewis Hamilton gespielt wurde und verlie schlielich durchnsst von der Champagnerdusche seines Teamkollegen das Podest. "Beide waren auf einem Niveau", sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach dem Doppelsieg der Silberpfeile in Indianapolis und zeigte sich hocherfreut ber den Rennausgang. "Das ist der Traum eines jeden Teams."
Doch whrend Hamilton nach seinem zweiten Sieg in Folge sein Glck kaum fassen konnte, drfte sich die Situation bei McLaren fr Alonso derzeit eher wie ein Albtraum darlegen. Als zweimaliger Weltmeister war der 25-Jhrige zu McLaren-Mercedes gewechselt und hatte sich dort als Nummer eins gefhlt. Nach dem siebten von insgesamt 17 Lufen aber fhrt berraschend Debtant Hamilton das Gesamtklassement an, Alonso rangiert mit zehn Punkten Abstand nur auf dem zweiten Platz. Das kommt einer Demontage gleich. Der Weltmeister steht als Verlierer da.

Alonso fhlt sich noch nicht zu Hause

Der Weltmeister Fernando Alonso steht zunehmend unter Druck.

Hinzu kommt, dass sich der zweimalige Weltmeister zuletzt immer wieder darber beschwerte, nicht optimal von seinem Team betreut zu werden. Er behauptete, sich bei McLaren noch nicht zu Hause zu fhlen. Und: Hamilton sei ein Brite in einem britischen Team. Nach einem missglckten berholversuch in der 38. Runde hatte Alonso in Indianapolis wild mit der Hand in Richtung Teamgarage gefuchtelt und seine Wut mit der erhobenen Faust zum Ausdruck gebracht. Norbert Haug entschuldigte die Geste des Weltmeisters spter mit dessen heibltigem Temperament. Allerdings ist auch dem Sportchef bewusst, dass die wachsende Rivalitt zwischen dem aufstrebenden Talent und dem Champion fr das Team mglicherweise ein Problem werden knnte. "Prinzipiell schon, aber wir werden versuchen, das zu verhindern." Das teaminterne Duell zwischen Alonso und Hamilton lsst Erinnerungen wach werden an die 80er-Jahre, als sich Ayrton Senna und Alain Prost, 1988 und 1989 gleichzeitig bei McLaren-Honda unter Vertrag, sich ohne Rcksicht auf Verluste beharkten. Noch heute wird von einem Hassduell gesprochen.

                                                            Konkurrenz belebt das Geschft

Ayrton Senna: Als er 1988 zu Lotus kam, erging es Prost wie Alonso heute.

Als der groe Herausforderer kam Senna 1988 von Lotus. Zu diesem Zeitpunkt durfte sich der taktisch starke Prost schon zweimaliger Weltmeister nennen wie Alonso jetzt bei McLaren-Mercedes. Senna, ausgestattet mit einem ausgeprgten Ego, setzte den etablierten Kollegen mchtig unter Druck. Whrend Prost in zwei Jahren nur viermal die Trainingsbestzeit aufstellte, stand Senna insgesamt 26-mal auf der Pole-Position. Sie wurden zu Feinden auf und neben der Rennstrecke. Fr den Rennstall wirkte sich der erbittert gefhrte Zweikampf positiv aus. 1988 errang McLaren-Honda in 16 Rennen 15 Siege, im Jahr darauf waren es zehn Erfolge, es waren die zwei erfolgreichsten Jahre der Geschichte.

1988 wurde Senna vor Prost Weltmeister, ein Jahr spter triumphierte Prost vor dem ungeliebten Konkurrenten. Allerdings nach einem dramatischen Finale in Suzuka. In einer Schikane rammte Senna Prost von der Strecke, woraufhin der Franzose ausschied. Spter wurde Senna vom Weltverband Fia disqualifiziert. So gewann Prost doch noch den WM-Titel. Miteinander gesprochen haben die beiden Rennfahrer in der Saison kein Wort. Erst kurz vor Sennas Tod 1994 gab es eine Aussprache.

Jeder will der Beste sein

Bei Hamilton und Alonso besteht nun ebenfalls die Gefahr einer extremen Rivalitt. Der Egoismus ist in der Formel 1 weit verbreitet, jeder will der Beste sein. Und so knnte es passieren, dass einem der beiden McLaren-Fahrer irgendwann auf der Strecke eine Dummheit passiert. Einen Zwist auerhalb des Sports frchtet Haug nicht. "Ich glaube, die Rennfans haben gesehen, dass es auf der Strecke ausgefahren wird. Wenn man sich das erlaubt, ist das sicher die hchste Form des Formel-1-Rennsports." Teamchef Ron Dennis, der seinerzeit schon das Duell Senna-Prost als Verantwortlicher miterlebt hat, wird seine Angestellten mit viel Fingerspitzengefhl behandeln mssen. Zum einen muss er bei beiden Fahrern die Spannung aufrechterhalten, um weitere Siege zu erringen und McLaren wieder als Macht im Vollgaszirkel zu etablieren. Gleichzeitig aber darf es nicht zu einer Frustsituation beim Weltmeister kommen. Der erfahrene Brite hat seine ganz eigene Einstellung zum Duell seiner Fahrer. "Einer muss ja gewinnen, und nicht alle sind damit glcklich."

Autor: Burkhard Nuppeney

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