Ferrari/Iso/Lamborghini: Vergleich

Ferrari 365 GTB/4 Iso Grifo GL 350 Lamborghini Miura P400 S Ferrari 365 GTB/4 Iso Grifo GL 350 Lamborghini Miura P400 S Ferrari 365 GTB/4 Iso Grifo GL 350 Lamborghini Miura P400 S

Ferrari 365 GTB/4/Iso Grifo GL 350/Lamborghini Miura P400 S: Vergleich

— 25.05.2015

Superschnell & supersexy

Alle drei kommen aus Italien und sind für die meisten von uns unerreichbar. Ansonsten sind diese drei Supersportler so verschieden wie nur irgend möglich – Showdown mit 1072 PS.

Begehrenswert sind alle drei: der Ferrari 365 GTB/4, besser bekannt unter dem Spitznamen Daytona, der Lamborghini Miura P400 S und auch der Iso Grifo. Dass auf ihren Tachos die Zahl 300 am Skalenende steht, hatte etwas Magisches, damals in den 60er-Jahren, als an Frankreichs Riviera zwischen Nizza und Saint Tropez statt neureicher Oligarchen noch Stars von Format und Stil dem Dolce Vita frönten und an Paris noch niemand dachte, nicht mal Mama und Papa Hilton. Weil es zu klischeehaft wäre, verzichten wir auf den Trip ans Mittelmeer und lassen die drei Traumwagen dort gegeneinander antreten, wo Deutschlands Norden im Abendlicht vor der Fotografenlinse schöner strahlt als der Hafen von Long Beach. Die AUTO BILD SPORTSCARS-Crew stellt den Wecker an diesem Tag noch etwas früher als sonst, um auf keinen Fall zu spät zum Showdown zu erscheinen.

Zeitreise zu den Superautos von gestern

Wie unerreichbar diese Autos für Nichtmillionäre schon zu Lebzeiten waren, wird beim Blick in die Fahrzeugpapiere deutlich: Erstbesitzer des roten Ferrari war Glamrock-Sänger Marc Bolan ("Get It On", "Cosmic Dancer"), der grüne Lambo parkte einst in der Garage des Emirs von Katar. So darf sich der Redakteur mal einen Tag lang wie ein Teeniestar der 70er fühlen. Oder wie der Regent eines Wüstenstaats. Es könnte schlimmer sein. Beamen wir uns also zurück in jene Jahre, als Lamborghini das moderne Supercar erfand und Ferraris schwerfällige Frontmotor-GTs plötzlich ganz schön alt aussehen ließ. Wir verraten, wie sich die Superautos von gestern heute fahren und anfühlen – schonungslos und ohne falsche Ehrfurcht. Am Ende wissen wir nicht nur, welcher der drei der Schnellste ist, sondern auch, wer für die alltägliche Tour zum Privatjet am Geschäftsflieger-Terminal am besten taugt.

Das ist er, der Traum-GT der 60er. Mit seiner Ausgereiftheit setzt er zum Angriff auf den Lambo an.

Ferrari 365 GTB/4 "Daytona" Er ist der Playboy-Racer schlechthin. Ende der 60er-Jahre intoniert sein Zwölfzylinder den Schlussakkord zur goldenen Ära der Frontmotor-Sportwagen. Damit ja keiner irritiert ist, dass der ultimative Gran Turismo so heißt wie ein Badeort in Florida: Der Ferrari 365 GTB/4 Daytona ist natürlich so italienisch wie ein Botticelli-Engel und dabei so schön, als wollte er der nackten Venus bei ihrem Stranden vor Zypern die Schau stehlen. Schwer zu fassen, dass der junge Pininfarina-Designer Leonardo Fioravanti für dieses Stück Auto-Erotik gerade einmal sieben Tage brauchte. Ein umjubelter Dreifachsieg der Ferrari-P4-Prototypen beim amerikanischen 24-Stunden- Rennen 1967 in Daytona Beach gibt Ferraris vorerst letztem Supersportwagen ohne Mittelmotor seinen Spitznamen. Nur: Offiziell hieß der 365 GTB/4 nie so. In seinen Grundzügen basiert das 4,4 Liter große V12-Triebwerk auf jenem Kraftwerk, das schon den Ur-Ferrari 125 S antreibt. Und der Fahrer spürt diese Rennsport Verwandtschaft schon auf den ersten Metern: Der Motor mit seinen zwei Nockenwellen pro Bank lastet schwer auf der Vorderachse. Niedertouriges Herumgejuckel ist nicht seine Welt.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Unbekannter Name, das Design unentschlossen – und doch: Der Iso ist die Überraschung dieses Trios.

Iso Grifo GL 350 Mit Corvette-V8 belfert der Grifo gegen die italienischen Zwölfzylinder-Diven an. Der Vergleich zeigt: Auch der Underdog unter den Italo-Sportwagen ist des Anschmachtens würdig. Er vereint das Beste aus zwei Welten: sehniges Design aus Italien und grizzlybärige V8-Power aus Amerika. Unter seiner Motorhaube, auf der kein fettes Penthouse thront wie beim Siebenliter-Topmodell, bollert der Massenantrieb aus dem Hause Chevrolet: 5,4 Liter Hubraum, nur eine Nockenwelle, aber gut für 350 PS.

Kurzes Zwischenspiel

Leider ist die Iso-Geschichte viel zu schnell erzählt. Unternehmer Renzo Rivolta träumt von Sportwagen, die seinen Namen tragen. Im norditalienischen Bresso baut seine Firma Heizungen und Kühlschränke und entwickelt in den Fünfzigerjahren ein kugeliges Kleinstwägelchen, das BMW später den Hals rettet: die Isetta. Das frische Kapital fließt in das schöne Erstlingswerk Iso Rivolta 300, an dem Ex-Ferrari-Mann Giotto Bizzarrini maßgeblich beteiligt ist. Als Rivolta im Jahr 1966 mit 55 Jahren stirbt, übernimmt sein Sohn Piero die Firma. Der verzettelt sich mit weiteren Modellen wie etwa dem kantigen Lele oder dem glücklosen Viertürer Fidia. 1974 erfolgt dann die Insolvenz.

Hintergrund: So testet AUTO BILD

Der Miura schließt in den 60ern mit seinem brüllenden V12 in ein neues Superauto-Universum auf.

Lamborghini Miura P400 S Der Miura mit seinem brachialen V12-Mittelmotor ist der Prototyp des modernen Supercars. Die Betonung liegt auf Prototyp. Denn richtig fertig scheint der Lamborghini nie geworden zu sein. Erst einmal möchte man dieses Auto einfach nur anschmachten: die Plastikwimpern um die Scheinwerfer, die dreiflügeligen Zentralverschlüsse der Leichtmetallräder und überhaupt – den hüfthohen Karosseriekörper mit den Lamellen in der Heck abdeckung, die Hitze und Lärm des 370-PS-V12 nach draußen führen. Doch vom Sehen allein wird man nicht satt. Einsteigen bitte. Oder besser: hineinschlüpfen. Das Entern des Miura-Cockpits gelingt einfacher als gedacht. Aber dann: Normalgewachsene liegen breitbeinig im Schalensitz wie eine werdende Mutter im Kreißsaal, der Kopf stößt an den Dachhimmel. Es scheint beinahe, als fordere der Giftgrüne schon Demut ein, bevor der Finger des Benutzers den Startknopf berührt hat.
Technische Daten Ferrari Iso Lamborghini
Motorbauart V12 V8 V12
Einbaulage vorn längs vorn längs Mitte hinten quer
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/4 2 pro Zylinder/1 2 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 4390 cm³ 5390 cm³ 3929 cm³
Leistung kW (PS) b. 1/min 259 (352)/7500 257 (350)/5800 272 (370)/7500
Literleistung 80 PS/l 65 PS/l 94 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 432/5400 489/3600 378/5500
Getriebe 5-Gang manuell 4-Gang manuell 5-Gang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Reifengröße vorn/hinten 215/70 R 15/225/70 R 15 215/70 R 15 215/70 R 15/225/70 R 15
Länge/Breite/Höhe 4425/1760/1245 mm 4760/1750/1425 mm 4360/1760/1050 mm
Radstand 2400 mm 2700 mm 2500 mm
Wendekreis links/rechts* 14,1/12,9 m 12,4/12,7 m 12,1/13,8 m
Tankvolumen 100 l 95 l 90 l
Leergewicht* 1547 kg 1453 kg 1305 kg
Leistungsgewicht 4,4 kg / PS 4,2 kg / PS 3,5 kg / PS
Gewichtsverteilung 50/50 % 50/50 % 43/57 %
zulässiges Gesamtgewicht 1650 kg 1950 kg 1400 kg
Beschleunigung 0-100 km/h* 6,0 s 6,0 s 4,6 s
Höchstgeschwindigkeit 270 km/h 250 km/h 280 km/h
Verbrauch Ø/100 km 20-23 l Super 19-21 l Super 18-20 l Super
Kosten Ölwechsel/Inspektion 450/920 Euro 350/780 Euro 520/1100 Euro
Zeitwert (Zustand 2) 270.000 Euro 130.000 Euro 360.000 Euro
*Messwerte

Ferrari/Iso/Lamborghini: Vergleich

Ferrari 365 GTB/4 Iso Grifo GL 350 Lamborghini Miura P400 S Ferrari 365 GTB/4 Iso Grifo GL 350 Lamborghini Miura P400 S Ferrari 365 GTB/4 Iso Grifo GL 350 Lamborghini Miura P400 S
Autor:

Lukas Hambrecht

Fazit

Ferrari, Iso und Lamborghini im direkten Schlagabtausch – so etwas hat’s in einem deutschen Automagazin lange nicht mehr gegeben. Ihre Konstruktionen sind das Ergebnis unterschiedlicher Weltanschauungen. Am Ende sehen wir den 365 GTB/4 vor dem Grifo, weil sein V12 eben doch Rennsportgeschichte atmet. Doch beide haben Glück, dass der perfekt ausbalancierte Lambo ein Schnellschuss war, der erst gegen Ende seiner Produktionszeit so etwas wie Serienreife erreichte. Irre: Heute glorifizieren wir diese Typen und deuten ihre Macken als Zeichen von Charakter, reden verklärt von "Männerautos". Blödsinn! Tatsächlich dürfte sich mancher Playboy geärgert haben, wenn er verschwitzt und mit Kreuzschmerzen am Sportlenkrad drehte. Was nicht heißt, dass dieses Trio nicht großartig wäre ...

Stichworte:

Oldtimer Sportwagen

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