Ferrari 458 Italia

Fotos vom Ferrari 458 Italia im Schulhof-Test Fotos vom Ferrari 458 Italia im Schulhof-Test

Ferrari 458 Italia

— 16.01.2011

Ferrari 458 Italia – geil oder gähn?

iPad statt Moped: Die Jugend von heute ist eben anders. Aber Facebook statt Ferrari, das kann ja wohl nur ein schlechter Witz sein, oder? Der Ferrari 458 Italia im ultimativen Schulhof-Test.

Der Ferrari 458 Italia ist mit acht Zylindern, 570 PS, 0-100 in 3,4 Sekunden, Spitze 325 und 194.000 Euro das Mittelmotor-Einstiegsmodell von Ferrari, und damit fängt das Dilemma an. Da das Durchschnittsalter des Ferrari-Kunden wie bei Porsche nahe am Rentenbeginn liegt, ist der Einstieg die Problemdisziplin. Ich wünschte mir jedenfalls einen Treppenlift, wenn ich runter auf die Augenhöhe anderer Auspuffrohre klettern und am Ende des Rodeoritts von dort wieder herauskraxeln musste, hinauf in die humanoide Grundhaltung, das aufrechte Stehen, worauf wir ja so stolz sind, evolutionsmäßig. Ich hab's nicht immer so geschmeidig hingekriegt.

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Was macht mehr an – Klingeltöne oder der Klang des V8 von Ferrari? Die Antwort gibt dieses Bild.

Das ist aber nicht das einzige Problem des 458. Ein zweites ist das Lenkrad, hinter dem wuchtige Schaltpaddel wie Elefantenohren stehen. Da war nun offenbar kein Platz mehr für Blinker- und Scheibenwischerhebel, die befinden sich stattdessen als Knöpfchen im Lenkrad, vermutlich, damit es formel-einsiger aussieht. Ein mittlerer Sternhaufen von Knöpfen im Volant ist ja das Hightech-Symbol der Rennwagen heutzutage. Nun, ein Lenkrad dreht sich, das heißt, mein Blinkerschalter, mein Lichtschalter, mein Scheibenwischerschalter ist je nach Kurve gerade woanders als noch eben. Um sie zu finden, muss ich hingucken oder gar suchen, und wenn ich in einer scharfen Rechtskurve links abbiegen will, muss ich den auf dem Kopf stehenden rechten Blinkerknopf drücken, äh, glaub' ich zumindest.

Tacho oder Navi

Okay, man kann's auch als Gehirnjogging für Senioren begreifen. Nur gut, dass die Grand-Prix-Buben nie den Blinker setzen müssen. Interessant wird es auch, wenn ich das Navi aktiviere. Dann verschwindet der Tacho vom Bildschirm, und ich hab' keine Ahnung mehr, wie schnell ich fahre. Also: Entweder wird mir meine Geschwindigkeit gemeldet (in diesem Auto immer höher, als man denkt), oder ich weiß, wo ich gerade bin. Beides zusammen geht nicht. Vielleicht sollten die Ferrari-Leute das eine oder andere überdenken, vermutlich aber verwünschen sie mich, weil ich so kleinkariert rumlamentiere, denn das ist schließlich ein FERRRRARRRI, porca miseria!

Mögen Teenies heute noch Autos?

'tschuldigung. Ich wollte Majestät nicht beleidigen. Daher nun die Wiedergutmachung: Ein Ferrari ist ein technisches Kunstwerk, das Beste, was man als Auto heute bauen kann. Trotz aller Kritik, ein toll zu fahrendes Auto mit besonderer Magie. Peace! Aber im Grunde geht es in diesem Beitrag ja darum, ob sich die Menschen von heute noch fürs Auto interessieren. Da sind schon viele Abhandlungen drüber geschrieben worden, gerade die Jugend, so heißt es neuerdings, wende sich immer mehr vom Auto ab und anderen, viel spannenderen Dingen zu, Klingeltönen zum Beispiel, Apps, sogenannten Freunden bei Facebook.

Einfach wunderschön

Aber ich kann beruhigen. Möge die Jugend Autos auch langweilig finden, einen Ferrari nicht. Auf dem Hof der Staatlichen Handelsschule zu Hamburg am Lämmermarkt sammelte ich folgende Bekenntnisse ein: Adrian, 18 Jahre (macht gerade den Führerschein): "Mich interessieren Autos und Motorräder viel mehr, als zu Hause am Computer zu sitzen. Der Ferrari sieht irre gut aus, echt nach Power." Daniel, 22: "Autos sind wie schöne Frauen, und dieses Auto strotzt vor Kraft. Das spürt man, wenn man das Gaspedal berührt. Ferrari ist der Inbegriff von Schnelligkeit, ihn kennt man aus der Formel 1, er ist auch wunderschön, da spielt der Mythos natürlich eine Rolle."

Brüllendes Fotomodell

Jeder möchte einsteigen und im Traumwagen fotografiert werden. Wahrscheinlich fürs Facebook-Profil.

Ein Pulk Schüler stand mit den Handys herum und fotografierte sich gegenseitig samt 458. Ich sollte den Motor anlassen, was dann der Weckruf für alle anderen drinnen war, durchdringender und lockender als jede Pausenklingel. Der V8, das muss ich zugeben, klingt aber auch wie ein italienischer Spitzentenor, und als ich mal auf einer Autobahn wegen Lärmschutz Tempo 100 fahren musste, dachte ich mir, mit dieser Brüllmaschine sollte ich fairerweise 60 fahren. Nein, der F 458 ist kein Wagen für feinstoffliche Menschen, er ist genau das Richtige für Leute, die sich nur noch mit Mühe spüren.

Alle finden Autos geil

Bei 100 im siebten Gang ist er im Innenraum übrigens wirklich unangenehm, ja schmerzhaft laut, da bebt der ganze Brustkorb. Aber zurück zum Lämmermarkt: Peter, 19: "Bei mir sind Autos die Nummer eins, besonders Oldtimer. Die haben Stil. Autos sind wesentlich interessanter als Internet." Valdrin, 19: "Ich bin Geschwindigkeitsjunkie, würde am liebsten Rennfahrer oder auch Testfahrer werden, ich will daher Maschinenbau studieren. Kann ich nicht bei AUTO BILD anfangen?" Ansonsten ging es im Cockpit wie im Taubenschlag zu. Frage: Gibt es auch Mitschüler bei euch, die sich nicht für Autos interessieren? Einhellige Antwort: "Nö, alle finden Autos geil."

Ferrari-Sound als Klingelton

Einzige Einschränkung wären allenfalls die Mädels. Aber auch die wollten sich unbedingt mal in den F 458 setzen und dabei fotografiert werden, vermutlich, um damit "Freunden" bei Facebook zu imponieren. Und der Sound wurde natürlich auch aufgenommen, sicherlich, um daraus einen Klingelton zu basteln. Jetzt aber Rückblende zu meiner Schulzeit, ist schon eine Weile her, aber 1970 war außer mir nur noch Wolf ein echter Motorfreak, bei 20 Schülern in der Klasse. Alle anderen begeisterten sich für Fußball, für Bier, für Popmusik (die hatte damals eine glorreiche Zeit), einer für Fotografie, einer für Astronomie. Aber Autos und Motorräder? Nur Wolf und ich.

Keine Ende in Sicht

Blinker und Scheibenwischer werden per Knöpfchen bedient, das sich am Lenkrad befindet.

Dagegen ist es hier und heute die ganze Schule! Von wegen Automüdigkeit im Vergleich zu damals. Älter zu werden hat manchen Nachteil, aber einen großen Vorteil: Man wird entspannt und gelassen, besonders was Krisen angeht. 1973, oje, was war das Auto mausetot! Fahrverbote wegen der ersten Ölkrise. Und was wurde nicht alles geschrieben vom Ende des Automobils! Dann 1980, die zweite Ölkrise. Noch mal ein Abgesang aufs Auto. Mitte der 80er das Waldsterben, schon wieder ging's dem Auto an den Kragen. Und heute erneut die alte Leier, diesmal soziopsychologisch untermauert.

Tank-Stopp mit Besuch

Ich möchte wissen, wieso periodisch wiederkehrend der große Katzenjammer zum Thema Auto aufkommt. Das erinnert mich an einen grippalen Infekt. Er kommt über die Menschen, die entwickeln gegen das Virus Antikörper, schnell ist der Spuk wieder vorbei. Ich fuhr mit dem Ferrari 458 noch ein paar hundert Kilometer in der Gegend rum, irgendwann musste ich tanken, V-Power Racing, das sollte schon rein. An der Station stand noch ein VW Sharan, ein Vater mit seinen zwei Söhnen, der große zwölf Jahre alt, der kleine 13 Monate. Der Große fragte, ob er sich mal reinsetzen dürfe. Klaro.

"Wenn ich groß bin, kaufe ich auch einen"

Dann stieg der Junge mit der Zahnspange leuchtenden Auges in den Ferrari. "Wenn ich groß bin", sagte er in tiefem Ernst, "dann kaufe ich mir auch so einen." Ich warf kleinlich ein, dass so ein Auto aber ganz schön teuer sei. "Macht doch nichts", antwortete er, "ich gehe ja aufs Gymnasium und will mal Rechtsanwalt werden!" Beim Zurückbringen des Jungen guckte ich noch kurz in den Sharan des Papas, hinten saß der 13 Monate alte Youngster angeschnallt im Kindersitz. Er zeigte mit schräg gespreiztem Finger auf den nebenan ruhenden Ferrari und tönte aufgeregt: "Da-da-da." Das Antiauto-Virus, liebe Leute, es hat keine Chance.

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Veröffentlicht:

28.12.2011

Preis:

2,99 €

Autor: Bernhard Schmidt

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