Fahrbericht Ferrari 458 Speciale

Ferrari 458 Speciale: Fahrbericht

— 09.12.2013

Leichter, schärfer, extremer!

Achtung, scharf! Dieser 458 fährt auf des Messers Schneide: superdirekt, sauschnell und sehr beeindruckend. Eine Fahrt im Speciale.

360 Challenge Stradale. 430 Scuderia. 458 Speciale. Ein kleiner, aber feiner Stammbaum, alles sehr spezielle Typen, die uns viel Freude machen, frei nach dem Motto: mehr Leistung, weniger Gewicht. Doch diesmal hat Ferrari besonders tief in die Technik-Trickkiste gegriffen, denn der Speciale ist nicht einfach nur eine schnellere und stärkere Variante des 458 Italia. Nein, für das Power-Coupé mit Streifen-Look zogen die Ferrari-Techniker diverse zusätzliche Register, die uns den Atem rauben, die Pupillen weiten und den Adrenalinfluss ankurbeln. Also nix wie rein in die strenge Kammer, die Vierpunktgurte umgeschnallt, den Motor gestartet, und dann ab durch die Mitte!

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Video: Ferrari 458 Speciale

Achtung, scharf!

Im Prinzip ist der Speciale ein Rennwagen, der offiziell in den Alltag darf. Wenngleich sich das eher nicht empfiehlt. Die engen Sitze sind mit Alcantara und feuerfestem Stoff bezogene Carbonschalen. Der Bodenteppich besteht aus geriffeltem Alu-Dünnblech. Die Geräuschdämmung hat die Gewichtspolizei ebenso weggestrichen wie das Handschuhfach. Insgesamt hat das Coupé 90 Kilo abgespeckt. Das sieht man, hört man, fühlt man. Der 4,5-Liter-V8 ist ein paar Dezibel lauter geworden, die Mechanik (Getriebe, Bremse, Aufhängung) arbeitet hörbarer, die Zugeständnisse an den Komfort sind in fast allen Lebenslagen erfahrbar. Una macchina arrabbiata – keine Frage. Der fast komplett mit rotem Schrumpflack überzogene Sauger leistet jetzt 605 PS bei 9000 Touren, ein Plus von 35 PS – und die perfekte Abschiedsgala, ehe im März 2014 auch bei Ferrari die Turbo-Ära beginnt. Das maximale Drehmoment beträgt zwar unverändert 540 Nm, doch beim Spurt von null auf 100 km/h nimmt der Speciale dem 458 Normale glatt vier Zehntel ab.

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Einstellungssache: Der "Manettino" kennt "Wet", "Sport", "Race", "Traction Control off" und "ESC off".

Klingt wenig. Das ist aber eine kleine Welt, die sich nicht allein durch die Mehrleistung erklären lässt. Hier sind auch noch andere Kräfte am Werk. Die neuen Reifen (Michelin Sport Cup 2) bauen sechs Prozent mehr Trockengrip auf, das Getriebe schaltet um ein Fünftel rasanter hoch, das schneller und feinfühliger regelnde Fahrwerk verbessert die Traktion auf unebener Straße um 20 Prozent, der Motor hängt gieriger am Gas. Als besonders scharfe Klinge erlebt der Fahrer die noch zackigere Lenkung, die uns selbst in engen Kurven das Umgreifen erspart. Der Speciale vollzieht Richtungswechsel nämlich nicht nur ratzfatz, sondern auch ohne große Gesten am Multifunktions-Volant. Im Gegenteil: Der Richtungsfinder reagiert elf Prozent schneller als im Basis-458. Weniger ist mehr, lautet daher die Devise – weniger Lenkarbeit und weniger Korrekturen, aber dafür bitte etwas mehr Zeit zum Eingewöhnen. Der Fahrdynamik-Wählknubbel am Lenkrad kennt fünf Einstellungen: Winter, Sport, Race, Traction Control off, alles off.

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Sicher und schnell unterwegs: Ein elektrisches Differenzial hält das flüchtige Heck auf Kurs.

In Race und TC off vertraut der 458 Speciale auf das Vortriebstalent des elektromechanischen Dreigestirns aus SSC, E-Diff und F1-Trac. F1-Trac regelt den Drehmomentfluss im Grenzbereich, das elektrische Differenzial kümmert sich um die Drehmomentverteilung zwischen den Antriebsrädern, SSC (Side Slip Angle Control) kontrolliert den latenten Hang zum Übersteuern, hält das flüchtige Heck auf Kurs. Sobald das Superhirn, das alle drei Systeme überwacht, im Ansatz einen Fahrfehler erkennt, wird in Sekundenbruchteilen das komplette Sicherheitsnetz aufgespannt. Gewolltes und kontrolliertes Leistungsübersteuern belohnen die Chips dagegen mit einer deutlich höheren Kurvenendgeschwindigkeit.

Eine weitere Spezialität des Speciale ist die aktive Aerodynamik, die über einen Bugspoiler mit beweglicher Kinnlade und variabler Luftführung sowie durch schaltbare Klappen im hinteren Diffusor den Anpressdruck dem Tempo anpasst. Während zwischen 170 und 250 km/h viel Anpressdruck gefragt ist, stellt das System zwischen 250 und 325 km/h komplett auf Durchzug. So viel Zusatz-Technik hat natürlich ihren Preis: Der 458 Speciale ist etwa 30.000 Euro teurer als ein Italia ohne alles. Der wahre Fan nimmt's leicht. Passt ja.
Georg Kacher

Georg Kacher

Fazit

Der Speciale hätte ohne weiteres GTO heißen dürfen, denn dieser Straßenfeger ist ein ganz besonderer 458. Die aerodynamische Balance, die Zeitraffer-Reaktionen von Motor und Getriebe, die cleveren Regelsysteme, das Sekundenkleber-Fahrwerk, die Instant-Lenkung und die Lebensretter-Bremse – alles top. Bravo, ragazzi!

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