Drei Supersportler mit Mittelmotor

Ferrari 488 GTB/Lamborghini Huracán/McLaren 675 LT: Vergleich

— 17.03.2016

Mitten ins Herz

Faszination Mittelmotor: Mit Ferrari 488 GTB, Lamborghini Huracán und McLaren 675 LT treten drei Supersportler zum Vergleich an.

Für gewöhnlich sagt man ja, dass der Motor das Herz eines Sportwagens sei; ein (Heck-)Mittelmotor jedoch ist gleichzeitig auch seine Seele. Das emotionale Zentrum, das Wesen der Fahrdynamik, ja sogar der Ursprung seiner Ästhetik. Seit Jahrzehnten prägen Mittelmotor-Sportwagen wie Ferrari 488 GTB, Lamborghini Huracán und McLaren 675 LT das Bild idealer Fahrdynamik ebenso wie die Anatomie wahrer Kurvenästhetik; sie sind nie übertrieben modern, eher ihrer Zeit voraus; und wurzeln doch immer auch in der Tradition.

Seine 670 PS bringt der Ferrari ganz leichtfüßig auf den Aspahlt

Dynamiker: Kein anderer Sportler mit über 600 PS lässt sich so spielerisch und schnell bewegen, wie der 488.

So wie der 488 GTB, dessen Ahnenlinie sich tatsächlich bis tief in die Siebziger zurückfädelt. Verglichen mit dem 308 GTB von 1975 weht der 488 GTB natürlich als Hochdruck-Taifun in die Moderne. Er lädt nicht nur Hubraum, sondern auch Emotionen auf. 670 PS, 760 Newtonmeter, gespeist von bis zu 1,3 Bar Überdruck, der sich jedoch erst im siebten Gang restlos entsichert. Der Ferrari-Biturbo sprudelt derart locker und ansatzlos unter deiner Sohle hervor, dass du wirklich glaubst, die Leistung ohne Geschmacksverstärker kredenzt zu bekommen. Schon im unteren Tourenbereich ist er schneller da, als man selbst Luft holen kann; drückt zünftig, puncht deftig, bewahrt sich trotz aller Vehemenz aber auch immer jene Leichtfüßigkeit im Hochdrehen, die man – ja richtig – eigentlich nur vom Sauger kennt. Das Drehmoment wird progressiv entsichert, eine Launch Control schnippt den Flachkörper in drei Sekunden auf hundert; fünf Schaltlampen zählen den Achttausender-Gipfel an, die Gänge zappen im Zeitraffer durch, während sich das laszive Schnorcheln, das die Turbos im Drehzahlkeller noch so offensichtlich entlarvt, immer weiter im schroff röhrenden Dauerfeuer der hohen Lagen verliert.
Alle News und Tests zum Ferrari 488 GTB

Der betörende Huracán lässt seinen Fahrer niemals im Unklaren

Vertrauenerweckend: Alles am Huracán rückmeldet derart glasklar, dass man fast mit ihm verschmilzt.

Auf noch sinnlichere Weise betört der Lamborghini Huracán, auch wenn er im ersten Moment noch ein wenig auf Distanz zu gehen scheint. Er baut mit Abstand am extremsten, duckt sich gerade einmal 1,16 Meter über den Asphalt und verlangt eine entsprechend biegsame Physis, will man sich ihm mit gebührender Grazie nähern. Einmal jedoch in seinem Flachdach-Kokon eingenistet, lässt er nicht mehr von dir ab. Vorn wächst einem der spitz gekeilte Instrumententräger entgegen, das Dach säbelt bündig übers Haupt, zur Rechten reiht sich ein adrettes Kippschalter-Spalier auf, darunter haust das Audi-stämmige Infotainment, und im Zentrum sitzt der Startknopf – atmosphärisch gesichert von einer roten Schutzklappe, als könnte er jederzeit die Endzeit-Apokalypse initiieren. Erst der kühle Takt des Anlassers, der den V10 in seinen Arbeitsrhythmus schnippt, dann ein dunkles Aufbellen des 5,2 Liter starken Kammerchors, ehe sich das feinmechanische Brodeln als Schwelbrand über den Leerlauf ausbreitet. Mag sein, dass der V10 mit 610 PS und 560 Newtonmetern nicht ganz so überirdisch motorisiert wie der Ferrari; doch das, was ihm an Punch fehlt, kompensiert er locker mit seinem Flair.
Alle News und Tests zum Lamborghini Huracán

Der McLaren 675LT siedelt sich knapp unterhalb des P1 an

Brutaler Punch, abartiger Grip, höchst präzises Feeling: Der 675LT ist eine atemberaubende Fahrmaschine.

In einem McLaren konnte dem Fahrer bislang auch mal das genaue Gegenteil passieren. Ein 12C "flog" sich 2011 ziemlich ähnlich wie ein Space Shuttle – exakt auf Kurs, weil unentwegt rechnergestützt. Oder anders gesagt: Er brauchte eigentlich keinen Fahrer, nur einen, der ihn korrekt bedient. Ganz unten, in der neu geschaffenen "Sports Series", tummeln sich mit 540C und 570S mittlerweile zwei, die sich in Leistung und Elektronik bewusst zurücknehmen, um ihrem Fahrer mehr zu bieten. Darüber sitzt die "Super Series", das bisherige Refugium des 650S, und über den Dingen der P1, der wiederum die "Ultimate Series" begründet. Offiziell soll der 675 LT die goldene Mitte bereichern. Inoffiziell kann man ihn allerdings auch getrost als Brückenschlag zwischen "Super" und "Ultimate" verstehen. Der Biturbo-V8 erstarkt um 25 PS und 22 Newtonmeter, wobei das weit weniger beeindruckt als die 50 Prozent an Neuteilen, die man in diesem Zuge einsetzt. Kohlefaser-Exzess und Ausstattungs-Askese schaben bis zu 100 Kilo von der Straße, die deutlich größere "Long Tail"-Airbrake sattelt zusammen mit dem gleichfalls gewachsenen "Shark Nose"-Frontsplitter 40 Prozent an zusätzlichem Abtrieb drauf. Steifere Federbeine nach P1-Vorbild, 20 Millimeter mehr Spurbreite, die leichtesten Schmiederäder der Firmengeschichte, Pirellis stärkster Kurvenkleber und eine Titanabgasanlage, die derart südländisch posaunt, dass man das 1,19-Meter-Projektil von Weitem auch für einen Lamborghini auf der Flucht vor der Zulassungskommission halten könnte, komplettieren das Paket.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

In den Radhäusern kieseln die Steinchen, das ESP lässt sich erstmals restlos entsichern, fürs Flair gibt's Rennschalen und Gewalt-Beschallung, für die Gaudi einen Burnout-Modus und für den Vortrieb nur ein Wort: abartig! Zum Verständnis: Der Ferrari-V8 schießt die Drehzahlen wie eine Stromschnelle entlang; lebhaft, omnipräsent, mitreißend. Der McLaren jedoch überrollt einen als Jahrhundertwelle. Er braut sich schon von Weitem zusammen, türmt sich auf, flutet heran und brandet ab 4000 Touren mit einer Gewalt auf der Hinterachse, die sich von der brillanten Traktionselektronik zwar punktgenau dosieren, von nichts und niemandem jedoch wirklich aufhalten lässt.
Alle News und Tests zum McLaren 675 LT

Weitere Details zu Ferrari 488 GTB, Lamborghini Huracán und McLaren 675 LT finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Online-Heftarchiv.
Fahrzeugdaten* Ferrari Lamborghini McLaren
Modell 488 GTB Huracán LP 610-4 675LT
Motorbauart V8 V10 V8
Aufladung Biturbo/1,2 bar Biturbo/1,2 bar
Einbaulage Mitte hinten längs Mitte hinten längs Mitte hinten längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Hubraum 3902 cm³ 5204 cm³ 3799 cm³
Bohrung x Hub 86,5 x 83,0 mm 84,5 x 92,8 mm 93,0 x 69,9 mm
Verdichtung 9,4:1 12,7:1 8,7:1
Leistung kW (PS) b. 1/min 492 (670)/8000 449 (610)/8250 496 (675)/7100
Literleistung 172 PS/l 117 PS/l 178 PS/l
Drehmoment Nm b. 1/min 760/3000 (7. Gang) 560/6500 700/5500-6500
Antrieb Hinterrad Allrad Hinterrad
Getriebe 7-Gang-Doppelkupplung 7-Gang-Doppelkupplung 7-Gang-Doppelkupplung
Bremsen vorn 398 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht 394 mm/innenbel./gelocht
Bremsen hinten 360 mm / innenbel. / gelocht 356 mm/innenbel./gelocht 380 mm/innenbel./gelocht
Bremsscheibenmaterial Carbon-Keramik Carbon-Keramik Carbon-Keramik
Radgröße vorn – hinten 9 x 20" – 11 x 20" 8,5 x 20" – 11 x 20" 8,5 x 19" – 11 x 20"
Reifengröße vorn – hinten 245/35 R 20 – 305/30 R 20 245/30 R 20 – 305/30 R 20 235/35 R 19 – 305/30 R 20
Reifentyp Michelin Pilot Super Sport (K1) Pirelli P Zero Pirelli P Zero Trofeo R (MC1)
Länge/Breite/Höhe 4568 / 1952 / 1213 mm 4459/1924/1165 mm 4546/1908/1188 mm
Radstand 2650 mm 2620 mm 2670 mm
Leergewicht 1370 kg (trocken) 1422 kg (trocken) 1230 kg (trocken)
Leistungsgewicht 2,0 kg/PS (trocken) 2,3 kg/PS (trocken) 1,8 kg/PS (trocken)
Tankvolumen 78 l 80 l 72 l
Kofferraumvolumen 230 l 100 l 144 l
Beschleunigung
0-100 km/h 3,0 s 3,2 s 2,9 s
0-200 km/h 8,3 s 9,9 s 7,9 s
0-300 km/h k.A. k.A. 22,5 s
Vmax > 335 km/h > 325 km/h 330 km/h
Grundpreis 204.211 Euro 201.705 Euro 309.750 Euro
*Herstellerangaben

Mittelmotor in drei Akten

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Ferrari 488 GTB, McLaren 675 LT und Lamborghini Huracán LP 610-4 (Vergleich).

Veröffentlicht:

11.03.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Manuel Iglisch

Fazit

Ferrari, Lamborghini und McLaren eint vielleicht nicht ihr Herz, mit Sicherheit jedoch dessen Bestimmung. Alle drei verkörpern Fahrdynamik und Faszination aufs wirklich Allerbeste, nur finden sie eben über drei völlig verschiedene Wege dorthin. Der 488 GTB zum Beispiel, dessen Biturbo derart locker und hellwach ins Hochlagige schnalzt, dass man auf jeder Sprosse der großen Drehzahlleiter meint, das Erbe des alten Saugers herauszufühlen. Oder der 675LT, der sich aufs absolute Maximum reduziert, seine abartige Längsdynamik mit ebensolcher Querdynamik kontert und trotz seiner zugespitzten Anlagen dabei ein höchst fahrbares Vergnügen bleibt. Oder eben der Huracán, der Leidenschaft nicht nur transportiert, sondern schlicht verkörpert. Durch seinen Pracht-Sauger, das glasklare Handling und dadurch, dass man beides in wirklich jeder Faser spürt!

Stichworte:

Supersportwagen

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.