Ferrari California T (2014): Fahrbericht

Ferrari California T (2014): Fahrbericht

— 03.06.2014

Tabubruch mit Turbo

Im California T setzt Ferrari nach langer Abstinenz wieder auf einen Turbomotor. Wie sich der Tabubruch anfühlt, lesen Sie im ersten Fahrbericht!

Nicht mehr 505, sondern jetzt sogar 755 Nm reißen beim Kickdown an der Hinterachse.

Ferrari setzt im California zum ersten Mal in der jüngeren Geschichte auf einen aufgeladenen Achtzylinder. Aber Ferrari wäre nicht Ferrari, wenn dieser Wechsel nicht auch der Performance dienen würde: Zwar müssen Quartettspieler mit dem neuen 3,9 Liter-Motor den Verlust von 0,4 Litern Hubraum verschmerzen. Aber das versüßen die Italiener ihren Kunden mit 560 statt 490 PS Leistung und vor allem mit einem Drehmoment-Anstieg von 50 Prozent. Nicht mehr 505, sondern jetzt sogar 755 Nm reißen beim Kickdown an den 285er Walzen auf der Hinterachse und lassen wahlweise die ESP-Leuchte im Cockpit oder die Augen jedes Reifenhändlers leuchten. Denn so viel Kraft muss man erst mal sauber auf die Straße bringen.

Ferrari hat auch den Klang des Turbos perfektioniert und so das Gänsehaut-Gefühl in die neue Zeit gerettet.

Viel Zeit hat die Elektronik dafür nicht: Wo sich andere Turbos selbst in Sportwagen gerne eine oder auch mal zwei Gedenksekunden gönnen, hat Ferrari so lange an individuellen Drehmomentkurven für jeden einzelnen Gang getüftelt und so viel Geld in einen Krümmer mit exakt gleich langen Luftkanälen investiert, bis man im Ansprechverhalten kaum mehr einen Unterschied spürt. Und weil der Sound im Rausch der Sinne die halbe Miete ist, haben die Italiener auch den Klang des Turbos perfektioniert und so das Gänsehaut-Gefühl in die neue Zeit gerettet.

Video: Ferrari California T

Offizieller Trailer

Entsprechend scharf und leidenschaftlich kann man den California T bewegen. Spätestens wenn das Manettino auf Race steht, explodiert der Achtzylinder vorn unter der Haube förmlich unter seinem Vorwärtsdrang und katapultiert den Donnerkeil in Richtung Horizont: Nur noch 3,6 Sekunden braucht der offene Zwei-und-ein-bisschen-Sitzer auf Tempo 100 und nimmt seinem Vorgänger damit immerhin zwei Zehntel ab. 200 km/h zeigt der Tacho nach 11,2 Sekunden an, und wenn die Frisur fest genug sitzt, kann man jetzt bis 316 km/h auf dem Gas bleiben. Bei aller Liebe zu einem hochdrehenden Sauger: Wer da noch nach dem alten Motor fragt, der würde sein Smartphone auch gegen ein Telefon mit Wählscheibe tauschen.

Ferrari California T: Preis

Ferrari Califonia T (2014) Ferrari Califonia T (2014) Ferrari Califonia T (2014)

Das versenkbare Hardtop blieb unverändert. Das bedeutet allerdings auch, dass es sich ...

Natürlich ist der neue Motor das alles Entscheidende am California T, den die Ferrari-Mannschaft beharrlich ein nagelneues Auto nennt. Doch weil nach fünf Jahren und mehr als 10.000 Einheiten am erfolgreichsten Einzelmodell in der Firmengeschichte auch sonst ein bisschen was zu tun war, haben die Ingenieure nicht nur unter der Motorhaube zugelangt: Deshalb gibt es zum coolen Turbo-Display zwischen den Lüfterdüsen auch ein neues Navigationssystem, bequemere Sitze, eine neu abgestimmte Lenkung und ein Software-Update für die magnetisch verstellbaren Dämpfer, die siebenstufige Doppelkupplung und das Manettino, mit dem man durch einen Dreh am Lenkradschalter den Charakter des Autos ändern kann.

Ferrari California T (Genf 2014): Sitzprobe

Ferrari California T Ferrari California T Ferrari California T

... nur bei stehendem Fahrzeug bedienen lässt.

Ach ja, und die Bleche haben sie auch neu gebogen. "Nur das versenkbare Hardtop blieb unverändert", sagt Marketing-Mann Nicola Boari und erzählt vom größeren Kühlergrill, der etwas strammer um den Motor geschnürten Haube mit den zwei großen Nüstern und den schlankeren Leuchten, den stärker taillierten Flanken und dem tiefergelegten Heckdeckel, der sich über den unverändert zwischen 240 und 340 Liter großen Kofferraum spannt. Jedes Detail für sich ist tatsächlich neu. Aber im Grunde und vor allem aus der Distanz betrachtet sieht der neue California ganz genauso aus wie der alte – was ja an sich kein Schaden ist.

Video: Ferrari LaFerrari Fahrbericht

Der Hybrid-Extremist

Schon bisher ein tolles Auto, kann man sich für den California T jetzt dem Turbo sei Dank noch besser begeistern. Und mit jedem Kilometer versteht man auch, weshalb die Italiener das Klappdach-Cabrio als "Everyday-Ferrari" loben und die Kunden dieses Auto deutlich öfter und deutlich länger fahren als jeden anderen Sportwagen aus Maranello. "Wir haben 30 Prozent mehr Laufleistung und 50 Prozent mehr tägliche Nutzung im California als bei unseren anderen Modellen", freut sich Boari. Doch sobald man das Auto damit vom Sockel der Extravaganz holt und ihn mit solch gewöhnlichen Luxus-Sportlern wie einem Mercedes SL 63 AMG, einem Porsche 911 Turbo oder einem BMW M6 Cabrio vergleicht, nimmt die Aura des Außergewöhnlichen ein wenig Schaden. Dann nämlich vermisst man plötzlich Annehmlichkeiten wie ein Verdeck, das sich zumindest auch bei langsamer Fahrt öffnen lässt, den bei der Konkurrenz üblichen Servomotor für den Heckdeckel, ein paar Assistenzsysteme oder wenigstens ein Navi, dessen Rechentempo auch nur halbwegs mit der Fahrgeschwindigkeit mithalten kann.

Ferrari LaFerrari: Fahrbericht

Ferrari LaFerrari Ferrari LaFerrari Ferrari LaFerrari
Trotzdem: Er beschleunigt noch rabiater, fährt noch schneller und klingt obendrein besser als der Vorgänger. Schon das ist allemal die 3000 Euro wert, mit denen sich Ferrari die Modellpflege bezahlen lässt. Ach ja, und sparsamer ist das Auto natürlich auch: Auf immerhin 15 Prozent beziffern die Entwickler den Verbrauchsvorteil durch den Tabubruch mit dem Turbo. Aber erstens hat man das mit zwei, drei Gasstößen wieder egalisiert, und zweitens interessiert das offenbar weder die Kunden noch die Ingenieure. Wie wichtig in einem Ferrari der Verbrauch tatsächlich ist, offenbart spätestens der Blick auf den Bordcomputer: Dort sucht man solche Angaben nämlich vergebens.

Ferrari California T (2014): Fahrbericht

Autor: Thomas Geiger

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