Ferrari California T im Test

Ferrari California T: V8-Test

— 03.10.2015

Ein Pferd auf der Rennstrecke

Der Ferrari California T mit 560 PS starkem V8 gibt sich unprätentiös, stadtfein und langstreckenfreudig. Wie geht er auf der Rennstrecke? Ein Test.

Beim Namen California spitzen nicht nur Ferraristi die Ohren. Der 250 GT Spyder California, der zwischen 1957 und 1962 gebaut wurde, zählt heute noch zu den begehrtesten Vertretern aus dem Reigen der edlen Pferde und wird mittlerweile für hohe Millionenbeträge gehandelt. Für 16,8 Millionen Dollar wechselte bei einer Auktion in Pebble Beach ein 61er-California Spyder den Besitzer. Dass es dem aktuellen California T auch so ergeht, ist zwar zu bezweifeln – allein die produzierten Stückzahlen sprechen gegen einen dramatischen Wertzuwachs.

Die Erwartungshaltung ist bei einem Ferrari immer hoch

Auch wenn er nicht dafür gemacht ist: Ein aktueller Ferrari muss auch auf der Rennstrecke funktionieren.

Doch lassen sich andere Parallelen zwischen den beiden Heißblütern finden: Sie sind höchst reizvolle Spielzeuge, die nicht auf extreme Sportlichkeit fokussieren, sondern elegante, exklusive und vor allem alltagstaugliche Spielarten italienischer Sportwagen darstellen. Das ist in Bezug auf den aktuellen California T natürlich nur die halbe Wahrheit, denn das 560 PS starke Front-Mittelmotor-Klappdach-Cabrio sollte auch auf der Rennstrecke eine gute Figur machen. Das erwartet man einfach von einem aktuellen Ferrari. Dafür gedacht ist der California natürlich nicht. Schließlich gibt es für die schnelle Zeitenjagd auf der Rundstrecke bei Ferrari andere Kandidaten. Doch der California muss jetzt auch auf dem Sachsenring ran und zeigen, wie viel Sportsgeist in ihm steckt. Der 2+2-Sitzer mit dem schnellen Klappdach (von auf nach zu vergehen 14 Sekunden, der Sprint auf 200 km/h ist bereits drei Sekunden früher abgeschlossen) weist alle Merkmale auf, die ein schnödes Cabrio in den Stand eines rassigen Sportcabrios erheben.
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Die spannendste Neuigkeit steckt unter der langen Haube

Heißes Herz: Der 3,9 Liter große V8 mobilisiert dank Doppel-Turbo 560 PS und 755 Nm Drehmoment.

Unter der Haube arbeitet ein 3,9 Liter großer Turbomotor, der seine Nennleistung erst bei 7500 Umdrehungen erreicht, die Gewichtsverteilung der immerhin gut 1,8 Tonnen wiegenden Karosse ist mit 47 % vorn und 53 % hinten fast ideal. Dazu kommen ein schnelles Doppelkupplungsgetriebe, serienmäßige Carbon-Keramik-Bremsen und ein (optionales) magnetorheologisches Dämpfersystem, das schon in den ausgewiesenen Sportlern mit dem springenden Pferd eine gute Figur macht. Auch die Pirelli P Zero-Reifen im 20-Zoll-Format mit Ferrari-Kennung sollten einem sportlichen Auftritt nicht im Wege stehen. Das größte Interesse gilt indes dem neuen Motor, dem ersten zwangsbeatmeten Aggregat in einem Ferrari-Straßenauto seit dem F40. Stand in der F40-Phase von 1987 bis 1992 der Turbolader vor allem in der Pflicht, dem Fahrer nach einer typischen Gedenksekunde das Hirn gegen den Hinterkopf zu pressen, hat der Turbomotor heute auch andere Aufgaben. Durch das Downsizing des bisherigen 4,3 Liter großen Saugers auf 3,9 Liter und den Einsatz zweier äußerst hurtig ansprechender, kompakter Twin-Scroll-Lader sollen auch Verbrauch und Schadstoffemissionen sinken.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Das kräftigere Drehmoment von Turbomotoren nimmt man bei einem Alltagsauto wie dem California ohnehin gern mit, die Steigerung der Leistung um 70 PS dürfte auch kein Schaden sein. Und trotzdem ist es ein seltsames Gefühl, wenn man den Biturbo-V8 zum ersten Mal per rotem Startknopf im Lenkradkranz zum Leben erweckt. Das vertraute kurze Sirren, das explosionsartige kurze Fauchen, das tieffrequente Leerlaufbollern – nichts deutet zumindest akustisch auf eine tiefgreifende Veränderung hin.

Auch lange Strecken sind im California T kein Problem

Absolut alltagstauglich: Der California T absolviert auch Langstrecken entspannt und komfortabel.

Auch wenn es sich um einen komplett neuen Motor handelt, ist etwa die auch soundbestimmende, im 180-Grad-Winkel gekröpfte Kurbelwelle geblieben, zudem wurden die Abgasrohre in gleicher Länge gehalten – gute Voraussetzungen für einen angemessenen Ferrari-Sound. Auf den ersten verhaltenen Metern im Stadtverkehr zeigt der California T, dass er im Wesen ein GT ist, der sich ohne Murren beim Anfahren und mit soften Schaltvorgängen des Doppelkupplungsgetriebes fast wie ein Auto mit Wandlerautomatik verhalten kann und auch komfortabel federt. Als Neuerung beim "T" lässt sich die Dämpfung nicht nur im Manettino-Gesamtpaket steuern, sondern hat einen eigenen Schalter bekommen. Die Sitzposition ist sehr tief, die Sitze selbst sind bequem und langstreckentauglich. Das seltsam eckige Lenkrad birgt neben dem Manettino auch Blinker, Fernlicht und Scheibenwischerschalter, was nach ein paar Tagen Eingewöhnung keine Gedanken mehr erfordert.

Mit dem Turbomotor hielt ein kleines Rundinstrument zwischen den mittleren Lüftungsdüsen Einzug, das Ferrari als TPE (Turbo Performance Engineer) bezeichnet. Hier sind verschiedene Daten ablesbar, etwa die Außentemperatur, die Uhrzeit, der Ladedruck, die "Turbo-Response", also das drehzahlabhängige Turbo-Motor-Reaktionsverhalten, und die "Turbo-Efficiency", ein Indikator für Effizienz in Relation von Drehzahl zu Benzinverbrauch.

Wie sich der Ferrari California unter vollem Gaspedaleinsatz schlägt, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Fahrzeugdaten Ferrari California T
Motorbauart V8
Hubraum 3855 cm³
Leistung kW (PS) bei 1/min 412 (560) / 7500
Drehmoment Nm bei 1/min 755 / 4750
Beschleunigung
0-100 km/h 3,6 s
0-160 km/h 7,3 s
0-200 km/h 11,0 s
0-402,34 m (Viertelmeile) 11,47 s
Vmax 316 km/h
Elastizität
60-100 km/h im 4. Gang 3,0 s
80-120 km/h im 5. Gang 3,5 s
80-120 km/h im 6. Gang 4,2 s
Bremsweg
100-0 km/h kalt (Verzög.) 34,4 m (11,2 m/s²)
100-0 km/h warm (Verzög.) 33,7 m (11,4 m/s²)
200-0 km/h warm (Verzög.) 134,5 m (11,5 m/s²)
Testverbrauch
Ø auf 100 km 18,4 l Super Plus
Reichweite 420
Gewichte
Leergewicht 1834 kg
Leistungsgewicht 3,3 kg/PS
Grundpreis 183.499 Euro

Toptest: Ferrari California T

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom Ferrari California T (Test).

Veröffentlicht:

11.09.2015

Preis:

1,00 €

Stichworte:

Sportwagen

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