Ferrari Enzo Performance Day

Ferrari Enzo Performance Day

— 19.05.2003

Die Drei-Sekunden-Maschine

Feiertag in Fiorano: Bei Messungen vor Zeugen unterbot ein Ferrari Enzo die ohnehin schon eindrucksvolle offizielle Werksangabe.

3,6 Sekunden oder doch nicht?

Nein, also schn ist er nicht, der Enzo. Das bekennen selbst hochrangige Ferrari-Direktoren. Doch der teuerste, strkste und schnellste Straen-Ferrari aller Zeiten, der auf den Vornamen des seligen Commendatore hrt und im feinen Unterschied zu anderen Hochleistungs-Boliden als "Extrem- Sportwagen" tituliert wird, glnzt mit anderen Werten: zum Beispiel mit einem Kohlefaser-Chassis, das in seiner hinteren Hlfte einen Sechsliter-Zwlfzylinder beherbergt. Mit einer Leistung von 660 PS und einem maximalen Drehmoment von 657 Newtonmetern.

Mit einem Preis von 645.000 Euro, in Worten: sechshundertfnfundvierzigtausend! Und mit einer offiziell angegebenen Beschleunigung von null auf 100 km/h, die einem schon auf dem Papier den Atem verschlgt: 3,6 Sekunden. Ein Wert, der auf den ersten Blick Ehrfurcht einflt und auf den zweiten stutzig macht: Gemessen hat ihn auer Ferrari bislang niemand. Kein Testwagen verlie jemals das Werksgelnde und von den bislang rund 100 glcklichen Enzo-Eignern wurden auch keine Messungen vermeldet. Grund genug fr Ferrari, die Fachpresse zu einem "Performance Day" auf die Teststrecke von Fiorano zu bitten, um die Performance des Enzo endlich vor objektiven Zeugen zu beweisen.

Andrea Bertolini, hauptberuflicher Testfahrer bei Ferrari, bernimmt den Job des Beschleunigers, um den ihn in diesem Fall keiner der anwesenden Journalisten beneidet: Wer mchte schon vor Publikum einen Enzo abwrgen oder gar die Kupplung verbrennen?

Ups 6,4 Sekunden auf 160 km/h

Und so ganz entspannt geht auch Bertolini die Sache nicht an, er entert das Cockpit sichtlich konzentriert diese Gesichtszge kennt man von Formel-1-Fahrern vor dem Start. Erst mal zwei Runden zum Warmfahren, anschlieend zwei schnellere Runden, kurzer Check an der Box und dann wird es ernst.

Eingangs der gerade mal 400 Meter langen Geraden stoppt Bertolini. Schaltet das ASR ab, den Race-Modus fr optimale Schaltvorgnge ein und gibt Gas. Die zwlf Zylinder bellen auf, blauer Rauch kruselt aus den hinteren Radhusern und weg ist er. Weder optisch noch akustisch sonderlich imposant, doch das Ergebnis berzeugt: 3,53 Sekunden nadelt der Drucker aufs Papier, Operation gelungen, Enzo wohlauf, Bertolini entspannt.

Doch die Kollegen sind noch nicht zufrieden. Den Wert von null auf 160 htten sie gern noch. Also noch mal: ASR aus, Race ein, Gas, Rauch und weg. Dann ist auch der 160er-Wert im Kasten: 6,4 Sekunden so lange braucht ein Boxster auf Tempo 100. Doch da ist noch was.

Technische Daten

Wie gebannt starrt Versuchsleiter Gimignano Alberguzzi auf den Papierstreifen, schttelt den bebrillten Kopf, kratzt sich nachdenklich an der Wange, kreist mit seinem Bleistift einen anderen Wert ein und reicht den Ausdruck weiter an Giuseppe Pedrotta, den Chefentwickler des Enzo.

Auch Pedrotta runzelt zunchst die Stirn, doch dann weicht die bedenkliche Miene einem breiten Grinsen: "Tre ventisette", verkndet er strahlend, zu Deutsch: drei siebenundzwanzig. Im zweiten Anlauf hat Bertolini die Werksangabe fr den Spurt auf Tempo 100 um gute drei Zehntel unterboten. Man wird die Prospekte neu drucken mssen.

Technische Daten V12-Mittelmotor vier Ventile pro Zylinder Hubraum 5998 cm Leistung 485 kW (660 PS) bei 7800/min max. Drehmoment 657 Nm bei 5500/min Hinterradantr. Sechsganggetriebe Einzelradaufhngung an doppelten Querlenkern mit Schubstreben, Schraubenfedern, Stabilisatoren innenbelftete Keramik-Kohlefaser-Bremsen Reifen 245/35 ZR 19 vorn, 345/35 ZR 19 hinten Leergewicht 1255 kg 0 200 km/h in 9,5 s Vmax ber 350 km/h Preis 645.000 Euro

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