Ferrari feiert den Weltmeister

Ferrari feiert den Weltmeister

Ferrari feiert den Weltmeister

— 23.07.2002

Improvisiert und bodenständig

Spontan schmeißt Luca di Montezemolo ein Fest für Michael Schumacher. In der Provinz.

Festakt im 500-Seelen-Dorf

Feste soll man feiern, wie sie fallen, und sei es in der Provinz. Die Ehre, dem Weltmeister anlässlich seines fünften Titels zu huldigen, traf ein schmuckloses Village mit 500 Einwohnern, drei Autostunden südlich von Paris. In Magny-Cours, nahe dem Circuit de Nevers, lud Ferrari seine Angestellten zum Festakt. "Hier ist es ja ziemlich triste", konstatierte Schumachers Manager Willi Weber, "da muss man eben mit dem Weltmeister ein bisschen Glamour reinbringen." Und das sah dann so aus: Der Empfang im Sterne-Lokal "La Renaissance" gestaltete sich bodenständig wie das Weltmeister-Menü: Michael Schumacher verspeiste mit Frau Corinna und seinen Helfern mit Weichkäse gefüllte Crêpes, Rinderfilet vom Grill, Dessertbuffet und Käse. Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo begrüßte mit Champagnerglas in der Linken jeden Neuankömmling und führte ihn artig erst Teamchef Jean Todt, schließlich dem Weltmeister zu.

Der Attraktion des Abends war nicht einmal Zeit geblieben, sich in Schale zu werfen. So bedankten sich Schumacher in beigem Hemd und Blue-Jeans und Corinna in Jeans-Rock, Top und Badelatschen. "Alles improvisiert", so Weber - wie im Vorjahr, als Schumacher in Budapest die Korken knallen ließ. Der 33-Jährige schien auch fünf Stunden nach der Zielankunft den Triumph noch nicht verdaut zu haben. Sein Grußwort an die Mannschaft: "Ich will mich noch einmal ganz herzlich bei Euch bedanken. Ihr seid wunderbar. Um so einen Sieg zu schätzen, braucht es ein paar Tage, glaube ich."

Erst am Sonntag abend hatte Schumacher letzte Gewissheit, dass er die Bestmarke von Juan Manuel Fangio eingestellt hatte. Jean Todt war es, der die frohe Kunde überbrachte. Er kam zu seinem Ziehsohn ins Zelt von Promi-Wirt Zimmermann und legte die Hand auf Schumachers Schulter: "Now it's official", sagte der Franzose. Ralf Schumacher stieß noch einmal mit seinem Bruder an und ließ sich dann zum Flugplatz nach Nevers bringen, um Richtung Salzburg und Frau Cora zu entschweben.

Mercedes-Protest zurückgezogen

Die Rennkommissare hatten nach der Zieleinfahrt noch einmal für Verwirrung gesorgt. Beim entscheidenden Zweikampf um die Spitzenposition vier Runden vor Schluss kam McLaren-Mercedes-Pilot Kimi Räikkönen auf einer Ölspur von der Piste ab und steuerte just in dem Moment zurück auf den Asphalt, als Michael Schumacher schon neben ihm aufkreuzte. Routiniert behielt der Ferrari-Pilot seine Linie bei, Räikkönen musste auf dem Gras bremsen und hinter dem roten Wagen einscheren. McLaren-Chef Ron Dennis verzog zunächst keine Miene, suchte aber nach dem Rennen zwei Mal die Stewards auf.

Er monierte, dass der Führungswechsel während eines gelben Flaggensignals vollzogen worden sei. Spaßbremse wollte McLaren-Mercedes aber doch nicht sein und verzichtete auf einen Protest, nicht ohne einen Tadel an die Automobilbehörde Fia zu diktieren. "Wir finden", heißt es in einem Statement, dass Überholmanöver in gefährlichen Situationen "neu geregelt werden" müssen.

Die Rennkommissare entschieden nach dem Videostudium um 18.08 Uhr, "dass keine Maßnahmen gegen den Fahrer des Autos mit der Nummer 1 (Michael Schumacher) ergriffen werden". Zu diesem Zeitpunkt hatte Manager Weber bereits eine Vermarktungsagentur angewiesen, neue Fanartikel auszuliefern – und hielt selbst das erste Erzeugnis in der Hand: die rote Weltmeister-Kappe 2002. Künstliche Verknappung soll das Textil zum Renner machen. Die ersten 100.000 Stück verscherbelt die Bäckereikette Kamps exklusiv. Jeweils ein Euro fließt in die Stiftung "Brot für die Welt".

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