Ferrari/Lamborghini/Porsche: Vergleich — 09.07.2010
Exklusive Ausfahrt in Bella Italia
Schneller, höher, weiter – doch wo bleibt der Genuss? Mit drei erlesenen Supersportlern von Ferrari, Lamborghini und Porsche sicher nicht auf der Strecke. Eine leicht kulinarisch angehauchte Ausfahrt in Bella Italia.
Feinschmecker sind ein eigenes Völkchen. Sie haben die schlichte Nahrungsaufnahme so weit kultiviert, dass daraus fast ein Ritual wird, das bestimmte Regeln erfordert, und selbst die Umgebung zum Gelingen des absoluten Genusses eine Rolle spielt. Nicht anders verhält es sich mit dem automobilen Gourmet, dem Kenner und Genießer rasanter Preziosen. Voilà, hier ist unser automobiles Feinschmeckermenü, das an Exklusivität kaum zu überbieten sein dürfte und das wir uns an einem der schönsten Orte zu Gemüte führen, der sich dafür vorstellen lässt: in den Bergen um Maranello, wo die flache Emiglia Romagna sanft ansteigend in die malerische Hügellandschaft der Toskana übergeht.
Angriffslustig: Gallardo Balboni mit Weiß abgesetztem Zierstreifen.
Die Zutaten kommen in zwei Fällen ganz aus der Nähe: einmal in Gestalt des auf 250 Exemplare limitierten
Lamborghini Gallardo LP 550-2 Valentino Balboni, der gleich um die Ecke in Sant'Agata Bolognese das Licht der Welt erblickt und als einziger aktueller
Lamborghini nur über die Hinterräder angetrieben wird. Nur ein paar Kilometer entfernt vom Geburtsort der wilden Stiere, im kleinen, aber weltbekannten Maranello, entsteht der futuristisch gestylte
Ferrari 458 Italia. Die dritte Zutat für eine Ausfahrt der Extraklasse lassen wir extra aus Deutschland kommen: den
Porsche 911 Sport Classic, ein Genussmittel reinster Prägung, garniert mit klassischen Zutaten, abgeschmeckt mit modernster Technik und angerichtet ausschließlich für Kenner und Liebhaber in einer limitierten Stückzahl von 250 Exemplaren. Er ist leistungsmäßig zwar deutlich unterlegen, aber hier geht es ausnahmsweise mal nicht um reine Leistungsdaten.
Übersicht: Alle News und Tests zum Porsche 911
Der Sport Classic trägt das das 4,4 Zentimeter breitere Hinterteil der Allrad-Elfer, bleibt aber beim leichteren Heckantrieb.
In Valentinos Ehren-Lamborghini fühlt man sich ein bisschen in der Zeit zurückversetzt. In eine Zeit, in der Fahrer solcher Autos noch Lebemänner oder Haudegen waren und die unachtsame Raserei noch kein Volkssport. Doch schon der erste Schaltvorgang verwischt dieses Bild, denn unser Sonder-Lambo ist mit e.Gear ausgestattet. Das ist überaus schade, denn die wunderbare Kulissenschaltung mit dem genial einfachen Kugelknauf macht haptisch deutlich mehr Spaß als das Gängewechseln mit den etwas zu kurz geratenen Lenkradpaddeln der sequenziellen Variante. Auch der
Porsche bewegt sich nicht nur namensmäßig in einer anderen Zeit. Sein mit viel Liebe zum Detail und verschwenderisch mit Leder im geschmackvollen Farbton "Espresso natur" ausgekleideter Innenraum vereint Stil mit schwäbischer Zurückhaltung. Jeglicher Gedanke an Retro wird einem sofort aus dem Hirn geschossen, sobald man hinter dem Steuer des
Ferrari 458 Italia Platz nimmt. Er ist ein Bilderstürmer der Kochkunst, wie
Ferrari seit der Ägide Montezemolo nicht nur mehr gute Sportwagen baut, sondern im besten Fall eine kleine Revolution anzettelt. Für den 458 haben die Freaks in Maranello alles auseinandergenommen, neu über Gewohnheiten und Prioritäten nachgedacht und anschließend die Bestandteile wieder zusammengefügt.
Porsche traditionell mit Boxer
Der vom Allradantrieb befreite, weniger frontlastige und weniger untersteuernde Valentino-Lambo fühlt sich auf engen Bergstraßen sehr wohl. Zunächst die bei Autos dieser Art ritualisierten drei Handgriffe: anschnallen, Musik aus, Scheiben runter. Es folgt ein Fest für die Ohren und alles, was im Körper irgendwie mit der Erfassung von Quer- und Längsbeschleunigungen zu tun hat. Die aufrechte Sitzposition mit leicht angewinkelten Beinen ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, doch dafür sitzt man gefühlt fast über der Vorderachse. Die verbindliche, hydraulisch unterstützte Lenkung ist angenehm schwergängig und gefühlvoll, die Zeiten zwischen Anbremsen und Einlenken werden von Kurve zu Kurve kürzer. Der
Porsche 911 kommt traditionell mit sechs Töpfen aus, die im Falle des Sport Classic ganz besonders sexy aus der für diesen Typ extra entwickelten Abgasanlage tönen. Der typische Boxersound, da Sägen und Rasseln, erstrahlt hier in einer fast harten, rennmäßigen Melodie. Die Steifheit der 20 Millimeter tiefer liegenden Karosserie und die Straffheit des Fahrwerks zeigen, wo das Vorderrad kurzzeitig den Bodenkontakt verliert. Der Fahrer bekommt davon nichts mit, der Wagen liegt stabil.
Übersicht: Alle News und Tests zu Ferrari
Der Ferrari 458 Italia – die Zahlen stehen für die klassische Ferrari-Nomenklatur: 4,5 Liter Hubraum, acht Zylinder.
Annähernd gesättigt mit derart glückselig machenden Fahrerlebnissen, hat der 458 Italia die schwierige Aufgabenstellung, quasi als Dessert noch mehr Appetit zu bereiten oder einfach nur als übermäßig sättigender Menüabschluss in die Erinnerung des automobilen Feinschmeckers einzugehen. Doch die Hightech-Köche aus Maranello haben ganze Arbeit geleistet. Das beginnt bei der optimalen Sitzposition, wird aber in erster Linie geprägt von der zwar relativ leichtgängigen, aber extrem gefühlvollen, linearen und höchst direkten Lenkung und dem messerscharfen Einlenkverhalten. Wie schnell man als Fahrer mit dem 458 eine Einheit bildet, wie schnell man Zutrauen zu dem 570 PS starken Boliden fasst und anfängt, mit einem leicht heraushängenden Heck auf engen Bergstraßen herumzuspielen, ist einmalig. Perfekt passt dazu das affenartig schnelle Doppelkupplungsgetriebe, das sich über die schön großen und damit immer gut erreichbaren, feststehenden Lenkradpaddel bedienen lässt. Der Sound, mit dem der 458 die diversen Lastzustände vertont, gehört schon in die Kategorie Hörspielkrimi. In diesem Auto wird selbst ein Fastfood-Junkie zum absoluten Gourmet.
Wenn Träume wahr werden: Im Ferrari, Lamborghini oder Porsche durch die Frankfurter Innenstadt heizen. Hier geht's zum Video von AUTO BILD TV.
| Technische Daten |
Ferrari
458 Italia |
Lamborghini
Gallardo Balboni |
Porsche 911
Sport Classic |
|
|
| Motor |
V8 |
V10 |
B6 |
| Einbaulage |
Mitte längs |
Mitte längs |
hinten längs |
| Hubraum |
4499 ccm |
5204 ccm |
3800 ccm |
| kW (PS) bei 1/min |
425 (570)/9000 |
405 (550)/8000 |
300 (408)/7300 |
| Literleistung |
127 PS/l |
106 PS/l |
107 PS/l |
| Nm bei 1/min |
540/6000 |
540/6500 |
420/4200–5600 |
| Antriebsart |
Hinterrad |
Hinterrad |
Hinterrad |
| Getriebe |
7-Gang-Doppelkupplung |
6-Gang sequenziell (e.Gear) |
6-Gang manuell |
| Leergewicht |
1380 kg (trocken) |
1380 kg |
1425 kg |
| Beschleunigung
von 0–100 km/h |
< 3,4 s |
3,9 s |
4,6 s |
| Spitze |
> 325 km/h |
320 km/h |
302 km/h |
|
|
| Preis |
194.000 Euro |
202.300 Euro |
201.682 Euro |
Ralf Kund
Fazit
Drei perfekt durchkomponierte, in sich stimmige und atemberaubende Feinkost-Sportler mit unterschiedlichen Geschmacksnuancen: Lamborghini fürs Gemüt, Porsche für den Magen, Ferrari für alle Sinne.
Kommentare zum Artikel (43)
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Lieber Herr Kund,
nicht Herr Balboni ist Namesträger der Lambo-Modells, sondern der Gallardo ist der Namensträger.
hab gestern auf der Autobahn den Porsche 911 Sport Classic in gleicher Farbgebung gesehen kurz darauf auch den Ferrari 458 und muss sagen beide fahrezeuge sind beeindruckend Ein Gallardo sehe ich fast jeden tag das fahrzeug hat einfach keine Emotionen keine Rundungen nur Kanten und ebene Flächen langweilig
Das Gerede Lamborghini und Porsche als VW und Ferrari als Fiat zu betrachten ist völliger Schwachsinn. Sonst würden die Lamborghini, Porsche und Ferrari ja auch solche Fahrleistungen wie VW und Fiat haben ;D. Steckten in Ferraris Fiatteile, würden die Dinger ja schon beim Anschauen auseinanderfallen! Diese Sportwagen werden, obwohl sie einem Großkonzern angehören, trotzdem von der Entwicklungsabteilung der jeweiligen Firma entwickelt! Was würde denn passieren, wenn VW einen Porsche konstruiert oder Fiat einen Ferrari...?
sorry vielmals - dann ists OK - man Name Audilover ist auch nur Provokation (Auch für diese Marke trifft dasselbe wie für BMW zu : überteuert und nichts mehr)- also nichts wie ungut
Audilover:
Du hast vollkommen Recht! Mein Beitrag war lediglich Realsatire auf zahlreiche Beiträge von offensichtlichen "BMW Fanboys" in diesem Forum.