Ferrari Mondial: Gebrauchtwagen-Test

Ferrari Mondial Ferrari Mondial Ferrari Mondial

Ferrari Mondial: Gebrauchtwagen-Test

— 02.10.2017

Wie gut ist ein gebrauchter Ferrari?

Der Mondial ist der preisgünstigste Ferrari, mit zwei Kofferräumen und Rücksitzen zudem einer der praktischsten. Sollte man sich jetzt noch einen wegstellen – oder ist das der erste Schritt in die Privatinsolvenz?

Wir haben den günstigsten Ferrari, den Mondial, einem Gebrauchtwagen-Check unterzogen. Laut Classic Data kosten frühe Exemplare des von 1980 bis 1993 gebauten 2+2-Sitzers im Zustand drei weniger als 25.000 Euro – nur: Diese Autos gibt es nicht. Nicht dass keine Mondial im Zustand drei (oder schlechter) auf dem Markt wäre, nein, daran mangelt es nicht. Leider aber entsprechen die dafür aufgerufenen Preise eher der Zustandsnote zwei, also rund 35.000 Euro. Hier startet faktisch das Angebot in den einschlägigen Internetbörsen, ab etwa 40.000 Euro bekommt man gepflegte Modelle jüngeren Baujahrs. Wie etwa den von uns bei Scuderia Auto-Neuser in Nürnberg unter die Lupe genommenen Mondial T von 1990. Ihm widerfuhr die Gnade der späten Geburt: längs montierter 3,4-Liter mit immerhin 300 PS statt der schwächeren, quer hinter der Rückbank sitzenden 2,9-Liter- (214 /240 PS) oder 3,2-Liter-Triebwerke (270 PS) der früheren Jahrgänge, dazu gibt's die frischere Optik der Modelle ab 1989. Ein großer Kundendienst inklusive Zahnriemen- und Spannrollenwechsel wurde erledigt, der Kilometerzähler zeigt zarte 47.000 Kilometer – optisch wie technisch taxieren wir das seltene Schiebedachmodell auf den Zustand zwei plus. Neuser ruft dafür 55.000 Euro auf, in seiner sehenswerten Halle tummeln sich aber noch sechs weitere Mondial zu Preisen ab 46.000 Euro, darunter auch ein Cabrio.

Gebrauchtwagensuche: Ferrari Mondial

Wert-Verdoppelung in den nächsten fünf Jahren?

Klappe, die zweite: Hinter dem Motor gibt es einen weiteren passablen Gepäckraum.

Fritz Neuser, selbst ehemaliger Ferrari-Vertragshändler und seit nicht weniger als 55 Jahren im Autohandel tätig, verkauft heute markenübergreifend Hochkarätiges mit Wertsteigerungspotenzial. Der Mann weiß, wovon er spricht, und prognostiziert dem Mondial eine Verdoppelung seines Wertes innerhalb der nächsten fünf Jahre. Und das, obwohl der Mondial weder das schnellste noch das schönste Pferd aus Maranello ist. Da Ferrari unbedingt vier Sitze und einen Motor vor die Hinterachse quetschen wollte, fußt die Frontscheibe seltsam weit vorn, und der Fahrer sitzt gefühlt auf der Vorderachse. Beim Fahren stört das weniger als beim Ein- und Aussteigen, wenn man sich trotz breiter, aber nur in einem schmalen Winkel öffnender Türen beschwerlich weit vorn ein- und ausfädeln muss. Auch der Zustieg nach hinten macht keine Freude: Hier reicht die Kopffreiheit nur für Kleinkinder, wohingegen die Beinfreiheit je nach Größe der Vornsitzenden gegen null geht. Wie beim Porsche 911 dienen die Rücksitze somit als zusätzliche Gepäckablage. Und davon hat der Mondial noch zwei weitere: Ein kleiner Kofferraum unter der vorderen Haube und ein größerer hinter dem Motor summieren sich zu 300 Liter Volumen. Neuser würde den Mondial übrigens dem technisch verwandten, ungleich rassiger aussehenden 348 jederzeit vorziehen, da Ersterer nicht nur in puncto Platzangebot und Fahrkomfort, sondern auch im Handling überlegen sei.
Überblick: Alles zum Ferrari Mondial

Auf V8-Sound muss der Mondial-Fahrer verzichten

Die Probefahrt verläuft erfreulich; abgesehen von der sehr schwergängigen Schaltung fühlt sich der Mondial T überhaupt nicht nach einem Youngtimer an der Schwelle zum H-Kennzeichen an. Die hydraulische Servolenkung arbeitet – im Gegensatz zu den E-Lenkungen vieler aktueller Autos – wunderbar linear und gefühlsecht, der Motor läuft seidenweich und zieht ordentlich durch. V8-Sound? Da muss der 3,4er passen. Im Vergleich zu heutigen Ferrari pufft er zahm und leise aus, klingt dabei aber unspezifisch – man könnte ihn auch für einen Sechszylinder halten.

Standschäden sind oft ein größeres Problem als Verschleiß

Edle Technik anno 1990: hochwertige Gewindefederbeine ab Werk, innenbelüftete Scheibenbremsen rundum.

Jetzt aber rauf auf die Hebebühne zum Technik-Check. Doch so wahnsinnig viel gibt es hier gar nicht zu sehen, der Unterboden ist weitestgehend verkleidet. Also erst mal das kleine Programm: Lassen sich die Räder mühelos drehen, oder haben sich die Bremssättel festgestanden? Bei Exoten sind Standschäden nämlich meist ein größeres Problem als Verschleiß. Sind die Bremsscheiben eingelaufen? Poröse Fahrwerksgummis? Ölfeuchte Dämpfer? Solche scheinbaren Lappalien gehen bereits mächtig ins Geld, Bremsscheiben, Stoßdämpfer oder Fahrwerksbuchsen sind beim Ferrari-Händler entweder nicht verfügbar oder wollen zu Tagespreisen in Gold aufgewogen werden. Ein Blick noch auf den Endschalldämpfer: Bei den meisten Mondial hängt hier bereits ein Aftermarket-Teil, auch das ein Tribut an Bewegungsmangel und Kurzstreckenbetrieb. Ist aber nicht schlimm, wenn es sich wie hier um ein Edelstahlteil (z. B. Tubistyle) mit ABE oder Gutachten handelt. Leider reißen aber auch gelegentlich die Auspuffkrümmer. Richtig teuer wird es, wenn der gern vernachlässigte Zahnriemen reißt – Gummi altert auch und gerade, wenn es nicht bewegt wird. Eine Motorrevision kostet Fünfstelliges. Ferrari empfiehlt den Riemenwechsel alle zwei bis drei Jahre oder 40.000 Kilometer, dazu muss der Motor raus. Im Rahmen einer großen Inspektion mit Ölwechsel und Ventilspielkontrolle kostet der Zahnriemen- und Spannrollenwechsel bei Auto-Neuser rund 3500 Euro, eine Vertragswerkstatt nimmt dafür auch mal 5000 Euro. Bei dieser Gelegenheit empfiehlt sich der Check der Simmerringe und der Wasserpumpe (rund 700 Euro mit Montage).

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Kratzgeräusche auch bei gefühlvollem Schalten? Dann sind die Synchronringe hin. Rutscht die Kupplung? Macht inklusive Drucklager und Arbeitslohn 1500 Euro. Ein neuer Kotflügel kostet 1300 Euro, eine Standlicht-Blinker-Nebelleuchten-Einheit für den Mondial T kann schon mal 1000 Euro verschlingen - gebraucht, versteht sich. Auch Rost ist ein Thema, dank Garagenhaltung kommen die meisten jedoch glimpflich davon. Ein Inspizieren der Türböden und Schweller kann erste Anhaltspunkte liefern.

Ferrari Mondial: Gebrauchtwagen-Test

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Ferrari Mondial
Technische Daten*
Motorbauart V8
Einbaulage Mitte hinten längs
Hubraum 3405 cm3
kW (PS) bei 1/min 221 (300) / 7200
Literleistung 88 PS/l
Nm bei 1/min 324 / 4200
Getriebe 5-Gang manuell
Antrieb Hinterrad
Bremsen vorn – hinten innenbelüftete Scheiben
Reifengröße vorn – hinten2 05/55 – 225/55 R 16
Maße L / B / Hin mm 4535 / 1810 / 1235
Radstand 2650 mm
Leergewicht 1500 kg
Leistungsgewicht 5,0 kg/PS
Tankvolumen 86 l
Kofferraumvolumen 300 l
Fahrleistungen
0-100 km/h 6,3 s
Höchstgeschwindigk. 255 km/h
Normverbrauch 11,9 l Super
Kosten
ehemaliger Neupreis 145.800 DM
Typklassen HP/TK/VK nicht gelistet**
Kfz-Steuer 529 Euro (EU 1)***
Gebrauchtpreis ab ca. 40.000 Euro
* Werksangaben; **) Tarife müssen individuell vereinbart werden; ***) mit H-Kennzeichen: 192 Euro.
Autor:

Florian Neher

Fazit

Der Mondial sieht nicht so rassig aus wie seine Brüder 328 oder 348, und seine 214 bis 300 PS reißen auch nicht den Asphalt auf. Aber bei Handling und Fahrspaß fährt er immer noch weit vorn, zudem ist er recht komfortabel. Die Wartungs- und Ersatzteilkosten sind Ferrari-typisch exorbitant, ganz wichtig ist daher liebevoller Vorbesitz. Jetzt gewinnbringend einsteigen? Nur bei Autos ohne Wartungsstau kann diese Rechnung aufgehen. Im Zweifel lieber 911 kaufen.

Stichworte:

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