Ferrari Kimi Räikkönen

Ferrari-Teamchef Domenicali

— 19.10.2009

"Die Regeln bei Ferrari sind klar!"

In AUTO BILD MOTORSPORT analysiert Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali die schwierige Saison 2009. Und er kündigt für 2010 an: Wer sich nicht ins Team integriert, kann sich einen neuen Job suchen.

Der Kampf um WM-Platz drei geht weiter. Nach dem GP Brasilien fehlt Ferrari in der Konstrukteurs-WM nur ein Punkt auf McLaren-Mercedes. Dabei hatten die Roten aus Maranello in dieser Saison mit einem ganzen Berg an Problemen zu kämpfen. Teamchef Stefano Domenicali (44) analysierte gegenüber brasilianischen Medien in Sao Paulo das schwierigste Ferrari-Jahr seit 2005 (nur ein Sieg, WM-Platz drei). AUTO BILD MOTORSPORT liegen die wichtigsten Aussagen vor. Die Ferrari-Saisonbilanz. Baustelle eins: das Auto. "Unser Hauptproblem ist ganz klar der Mangel an Abtrieb", erklärt Domenicali. "Aber nachdem wir auch mit der Zuverlässigkeit von KERS einen schwierigen Saisonstart hatten, hat das System uns jetzt geholfen, die Abtriebsprobleme zu überdecken." Resultat: immerhin ein Sieg in Spa. Aber, so Domenicali: "Unser Hauptproblem liegt weiter im Qualifying. Eine schnelle Runde kriegen wir einfach nicht hin. Unser Auto braucht zu lange die Reifen aufzuwärmen. Und wenn du immer von hinten startest, machst du dir das Leben im Rennen selbst schwer." Da konnte selbst der nachträglich eingebaute Doppeldiffusor nicht helfen. "Sogar jetzt holen wir aus dem Doppeldiffusor nicht das Maximum raus, weil unser Auto einfach nicht dafür entworfen wurde. Deshalb haben wir schon im Mai entschieden, uns mehr auf das Auto für 2010 zu konzentrieren."

Testverbot als Herausforderung für 2010

Nachdenklich: Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali spricht über das Seuchen-Jahr 2009.

Baustelle zwei: der Ferrari für 2010.
Schon seit Sommer baut Ferrari am Auto fürs nächste Jahr. Dennoch ist das keine Sieggarantie. Denn: "Niemand hat bisher Reifen getestet. Wir alle designen unsere Autos also nur anhand von Simulationsdaten", warnt Domenicali. "Aber gerade das Verhalten der Reifen kann man am Computer nur schwer nachempfinden. Das Problem: Mit dem Nachtankverbot werden die Autos zu Beginn der Rennen so schwer sein, dass Reifenverschleiß eine Schlüsselrolle spielen wird." Das Testverbot bis Februar stellt ein so großes und reiches Team wie Ferrari demnach vor eine große Herausforderung. "Wir waren es gewohnt 90.000 Kilometer zu testen", präzisiert Domenicali. "Wir hatten also eine ganz andere Arbeitsweise, einen anderen Zuverlässigkeitsprozess. Deshalb fiel es uns schon in diesem Jahr nicht leicht, die Testkilometer runterzuschrauben auf 15000. Das war leichter für Teams, die immer so verfahren sind. Dafür haben wir den Preis gezahlt und zahlen ihn noch."

Teamwork hat bei Ferrari 2010 Priorität

Explosive Mischung: Fernando Alonso (links) und Felipe Massa fahren 2010 für Ferrari.

Baustelle drei: die Fahrer.
Gerade erst wurde Weltmeister Kimi Räikkönen mit einer Abfindungszahlung von etwa 25 Millionen Euro überzeugt, das Team zum Saisonende zu verlassen, da drohte im Umfeld des GP Brasilien neuer Fahrerärger. Nur zwei Wochen nach der offiziellen Verkündung von Fernando Alonso als Räikkönens Nachfolger feuerte Felipe Massa gegen seinen neuen Teamkollegen. Der verletzte Brasilianer warf Alonso vor, in Singapur 2008 von der Manipulation des Rennens durch seinen Teamkollegen Nelson Piquet jr. im Vorfeld gewusst zu haben. Zwei emotionale Südländer in einem italienischen Team – wie will Domenicali das managen? "Das wird schon funktionieren. An gewissen Aussagen sollten wir uns jetzt nicht hochziehen, sonst könnten die benutzt werden, um Druck zwischen den beiden aufzubauen. Die Regeln bei Ferrari waren immer ziemlich klar. Wenn die Fahrer nicht für das Team arbeiten, ist es besser, sie suchen sich einen anderen Job. Teamwork geht bei uns über alles. Deshalb müssen sich unsere Fahrer respektieren. Und ich glaube, das ist bei Felipe und Fernando der Fall. Wenn wir ein gutes Auto haben, sehe ich überhaupt keine Probleme. Beide sind sehr intelligente Piloten. Natürlich will jeder zeigen, dass er der Schnellste ist. Aber das ist Teil des Spiels."

Massa-Comeback erst 2010

Baustelle vier: Felipe Massas Drang zurück ins Cockpit. Der Brasilianer will unbedingt beim letzten GP in Abu Dhabi fahren. Doch Ferrari lässt ihn nicht. "Wir vergessen zu oft, was Felipe vor zwei Monaten zugestoßen ist", betont Domenicali. "Deshalb sollten wir Felipes Comeback Schritt für Schritt angehen. Wir haben darüber viel mit Felipe diskutiert. Er versteht unsere Entscheidung. Sie ist ja nur zu seinem Besten. Trotzdem ist es gut, dass er fahren will. Das ist genau das, was wir sehen wollen. Aber wir müssen berücksichtigen: Was könnte passieren, wenn er das Rennen fährt? Er ist schon jetzt hundertprozentig okay. Aber mit der Hirnverletzung, die er hatte, muss man vorsichtig sein. Eine zweite Gehirnerschütterung in kürzester Zeit könnte schlimmere Auswirkungen haben. Wir sollten Felipes Körper die Zeit geben sich voll zu regenerieren. Denn wir wollen, dass er nächstes Jahr in Bahrain wieder 100 Prozent fit ist. Dann brauchen wir ihn."

Schumi, Fisichella und Badoer mit Problemen

Massas Ersatzpiloten: Schumi musste passen. Luca Badoer war zu langsam.

Baustelle fünf: Massas Ersatzpiloten.
Michael Schumacher musste sein geplantes Comeback aus gesundheitlichen Gründen absagen. Luca Badoer und Giancarlo Fisichella konnten nicht überzeugen. Domenicali erklärt warum: "Unser aktuelles Auto ist extrem schwer zu fahren. Die Piloten haben einfach nicht das Vertrauen, dass das Auto stabil reagiert. Deshalb bremsen sie früher, gehen später aufs Gas. Das kostet Zeit. In dem Zusammenhang möchte ich aber auch etwas Positives über Luca Badoer sagen, denn alle haben ihn so niedergeschrieben: Giancarlo hatte ein Rennen, bevor er zu uns kam und in Belgien ein fantastisches Ergebnis abgeliefert (Platz zwei im Force India; d. Red.). Jetzt kämpft auch er. Es wäre also falsch, den Fahrern alle Schuld in die Schuhe zu schieben." Wäre also auch Michael Schumacher im Mittelfeld hängen geblieben? Domenicali glaubt: "Das erste Rennen wäre auch für Michael sehr schwierig gewesen. Aber wer weiß? Michael ist ein Champion, ein großartiger Fahrer. Und immerhin wollte er die Herausforderung annehmen, obwohl er wusste, dass das Auto schwer zu fahren ist. Vielleicht wäre er vom Kopf her stärker gewesen als Luca und Giancarlo."

Autor: Bianca Garloff

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