Festliche Fahrt zur Weihnachtszeit

Festliche Fahrt zur Weihnachtszeit

— 12.12.2002

Der Bus zum Christkind

Eine Reise nach Steyr beweist: Das Christkind gibt es wirklich. Es hat sogar eine eigene (Oldtimer-)Buslinie.

Eines wollen wir gleich mal klarstellen: Mit solchen Besinnlichkeiten wie "Leise rieselt der Schnee" oder "Stille Nacht" braucht man hier im Bus gar nicht erst anzufangen. Erstens wrde es bei dem Lrmpegel sowieso keiner hren, und zweitens braucht man auf der Fahrt zum Fest statt Besinnlichkeit eher abgehrtete Ohren: Die Karosserie rappelt, klappert und knarzt, der Diesel brummt, und das Getriebe knirscht so laut, dass einem um das gute Stck Angst und Bange werden knnte. Zumindest, wenn man nicht wsste, dass das alles so gehrt bei einem Bus vom Typ Steyr 380a, Baujahr 1950. Nicht etwa irgendein Bus, sondern der Bus zum Christkind. Wirklich. Ungelogen.

Abgehrtete Ohren statt Besinnlichkeit

Wichtige Aufgabe: Busfahrer Franz Hörmann bringt die Weihnachtspost aus Steyrs Innenstadt nach Christkindl.

Wenn Sie jetzt sagen, das Christkind (oder fr Norddeutsche: den Weihnachtsmann) gibt es gar nicht, dann waren Sie wahrscheinlich noch nie in Steyr. Ein romantisches sterreichisches Stdtchen, in dem es vor Christkind-Beweisen nur so wimmelt: Es gibt dort einen ganzen Stadtteil namens Christkindl, eine Christkindl-Winterwelt, eine Christkindl-Kirche, ein Christkindl-Postamt und den 52 Jahre alten Christkindl-Bus. Der pendelt im Dezember zwischen der Steyrer Innenstadt und dem Weihnachts-Wallfahrtsort, und das genau im 40-Minuten-Takt. Das Christkind lsst man schlielich nicht lange warten.

Heute sitzt Franz Hrmann am Steuer des nur 90 PS starken Weihnachtswagens, und das bedeutet fr den Fahrer der Postautostelle Steyr Schwerstarbeit. Vor allem beim Abbiegen: Blinker an, Bremse treten, Motorbremse ziehen, zwischenkuppeln, Zwischengas, schalten, das Steuer mit aller Kraft herumreien, Blinker aus, Gas geben, wieder zwischenkuppeln, Zwischengas, schalten und so weiter und so weiter. Im Grunde mssen alle Hnde und Fe berall gleichzeitig sein. "Das ist schon anstrengend", sagt der 36-Jhrige, "aber es macht auch viel Spa." Und ist eine gute Abwechslung: Normalerweise fhrt der Mann einen stinknormalen Linienbus, nur ein paar Tage im Jahr werden er und seine Kollegen fr den Oldie eingeteilt.

6000 Kinderbriefe an das Christkind

Dann heit es eintauchen in eine himmlische, nostalgische Welt. Hrmann trgt eine alte Postbus-Uniform, lsst beim An- und Abfahren das Drei-Ton-Signalhorn erklingen und hilft den Damen galant beim Aussteigen. Alles so ein bisschen la "Kss die Hand, gndige Frau". Gibt's ja heute sonst nicht mehr.

Vor allem aber bringt Hrmann Kinder und Touristen nach (und zum) Christkindl, ihre Post auch. Die holt er aus dem Briefkasten in Steyr und gibt sie im Christkindl-Postamt ab. ber zwei Millionen Briefe werden dort mit Sonderstempeln versehen, auerdem knapp 6000 Kinderbriefe an das Christkind gelesen und beantwortet. Wie der des kleinen Markus, der sich wnscht, dass es keine Kriege mehr gibt, dass keiner mehr hungert, dass alle genug Geld haben und erst dann anmerkt, dass ein Handy oder Kinokarten fr Harry Potter auch nicht so schlecht wren.

Runde Sache: das karge Cockpit des Steyr 380a.

Franz Hrmann ist derweil schon wieder auf dem Rckweg in die Innenstadt. Sieben Stunden Dienst haben bei ihm Spuren hinterlassen. Er pustet krftig durch, dann sthnt er: "Der Bus ist dermaen laut, da kriegst du auf die Dauer Kopfschmerzen." Fr Besinnlichkeiten ist das jetzt wirklich nicht der richtige Moment ...

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