Gebrauchtwagen-Test: Fiat 124 Spider vs. Fiat 500C

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Fiat 124 Spider/Fiat 500C: Gebrauchtwagen-Test

— 02.09.2016

Neue Knutschkugel oder alter Spider?

Für 10.000 Euro bietet der knuddelige Fiat 500C eine Menge hübschen Cabriospaß. Zum selben Preis gibt es mit dem 124 Spider aber auch einen echten Klassiker. Ob neuer Kleinwagen oder Oldtimer – Sie haben die Wahl.

Soll der nächste Gebrauchtwagen ein Auto mit Rasse und Klasse sein – vielleicht sogar offen? Statt des üblichen und ach so vernünftigen Focus- und Golf-Einerleis? Wer sich diese Frage stellt und rund 10.000 Euro in der Tasche hat (oder sich besorgen kann), der kann beim Fiat 500C landen. Die kleine Retro-Knutschkugel mit Faltdach verzaubert seit Jahren mit liebevoller Retroaura. Aber warum dann nicht gleich einen echten Oldtimer von Fiat? Vor 50 Jahren kam der 124 Spider auf den Markt. Sein Schöpfer: der Edelkarossier Pininfarina. Die Linie: zeitlos und endgültig. Dabei dient dem Schönling die brave Mittelklasse-Limousine 124 als Basis. Der Spider kam so gut an, dass er 20 Jahre in den Preislisten blieb. Späte Modelle aus den 80ern, die von Pininfarina in Eigenregie gefertigten Spidereuropa, bekamen oft sogar schon einen Kat und sind trotz Oldtimerboom auch im brauchbaren Zustand günstig zu haben. Unser 83er 124 DS von Garage 11 in Hamburg besitzt TÜV und macht in Azzurro, einer Art Babyblau metallic, kombiniert mit beigem Leder richtig Eindruck.

Gebrauchtwagensuche: Fiat 500

Die Panda-Basis beschert dem 500C Kleinstwagenstandard

Die Cabrioversion des 500 steht seit 2009 in den Preislisten. Basis ist der Panda, optisches Vorbild ist der Nuova 500 von 1957.

Etwas dröger wirkt dagegen der 500C. Auch wenn sich sein Retro-Design gegen die Mode stemmt und noch immer nicht alt wirkt. Andere Aufgüsse wie der Chrysler PT Cruiser hatten Halbwertzeiten von nur wenigen Jahren, bevor sie megaout waren. Allerdings basiert der 500 auf dem Panda, und das bedeutet eben auch Kleinstwagenmaterial und -standard, wohin das Auge blickt. Das können auch ein paar nette Details wie die breite Metallleiste im Cockpit nicht vertuschen. Wobei das Cockpit auch beim Spider nicht die Schokoladenseite ist. Fingerdicke Spaltmaße und billiges Holzimitat treffen auf speckig-fleckigen Kunststoff. Ein Stich ins Herz jedes Ästheten. Die etwas schwülstige Aufmachung der späten Baujahre ist dem Geschmack des US-Marktes geschuldet – 85 Prozent aller Spider gingen nach Amerika. Später fanden schludrig gewartete, mäßig lackierte oder gruselig restaurierte Exemplare ihren Weg zurück. Der Markt quittierte die Schwemme mit niedrigen Preisen.

Gebrauchtwagensuche: Fiat 124 Spider

Rostprobleme: Lieber ein spätes Spider-Modell wählen

Für einen Oldtimer lässt sich der 124 Spider erstaunlich einfach, komfortabel und entspannt bewegen.

Ab 1978 mussten die klassischen Chromstoßstangen riesigen, abstehenden Bügeln weichen, um den US- Crashnormen zu entsprechen. Während frühe Baujahre noch filigran und schlüssig wirken, irritieren die modifizierten mit Details, die zumindest Gewöhnung verlangen. Bei den großen, in den vorderen Dreiecksfenstern angebrachten Plastikspiegeln hört der Spaß endgültig auf. Dass sie original und nicht von irgendeiner Tuningfirma in den 90ern nachgerüstet wurden, sprengt die Vorstellungskraft vieler potenzieller Käufer. Da bei den frühen Jahrgängen aber auch Verarbeitung und Rostschutz filigran ausfielen, sollten Käufer, vor allem Oldtimer-Einsteiger mit schmalem Budget, besser ein spätes Modell auf die Wunschliste nehmen. Rostprobleme gibt es hier natürlich auch, aber bei Weitem nicht so dramatisch, wie das Markenimage vermuten lässt. Wenn, dann blüht es gern im Spritzbereich der Räder, dem Scheibenrahmen, den Aufnahmen der Radaufhängungen, den Schwellern und den Endspitzen. Auch, wenn sich der Gammel relativ leicht finden lässt, lohnt sich für Suchende ein Begleiter mit Ahnung. Nur er kann zwischen Blender und ordentlicher Substanz unterscheiden. Unter der Haube drohen kaum Überraschungen. Erst recht nicht, wenn der Zweilitermotor (mit zwei Nockenwellen und Einspritzanlage L-Jetronic) verbaut ist. Das alte Graugusseisen mobilisiert mit Kat 105 PS. Den Sportsgeist spart sich der Motor zwar auf, dafür läuft er elastisch und durchzugsstark. Allzu häufiges Rühren in dem hakeligen Fünfganggetriebe ist nicht nötig.
Technische Daten: Fiat 124 Spider
Motor Vierzylinder/vorn längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/2
Hubraum 1995 cm³
Leistung 76 kW (103 PS) bei 5500/min
Drehmoment 149 Nm bei 3000/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0–100 km/h 10,0 s
Tank/Kraftstoff 45 l/Super
Getriebe/Antrieb Fünfgang/Hinterrad
Länge/Breite/Höhe 4105/1615/1270 mm
Kofferraumvolumen 180 l
Leergewicht/Zuladung 1060/200 kg

Beide Kandidaten mögen entspanntes Cruisen

Der moderne 500C geht dagegen einen ganz anderen Weg. Er verteilt seine 0,9 Liter Hubraum auf nur zwei Zylinder. Die schnattern dann auch tatsächlich ein bisschen wie bei der seligen Ente von Citroën. Dafür stürmt der Rolldachwinzling mit 85 PS bei Bedarf kraftvoll voran. Für echten Fahrspaß aber ist die Sitzposition zu hoch, die Lenkung zu schwammig und das Fahrwerk zu holperig. Okay, auch der 124 ist nicht gerade ein Sportwagen. Zwar sitzen Fahrer und Beifahrer eine ganze Etage tiefer, purzeln ohne Seitenhalt aber in jeder Kurve hilflos umher. Die hintere Starrachse legt ihr Veto gegen jede ambitioniert angegangene Kurve ein, und die Lenkung mit viel Spiel klärt über das wahre Alter auf. Entspanntes Cruisen passt besser. Dann röhrt der Spider kernig, und die Sonne flutet das luftige Cockpit. Beim 500er muss das gedehnte Schiebedach-Niveau reichen. Der 500 ist insgesamt vernünftiger, doch das Herz ruft nach dem Spider. Für 10.000 Euro ein idealer Einstieg.

Gebrauchtwagen-Test: Fiat 124 Spider vs. Fiat 500C

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Was beim AUTO BILD-Testwagen aufgefallen ist, und auf welche Mängel Käufer beim gebrauchten Fiat 124 Spider außerdem achten sollten, erfahren Sie in der Bildergalerie.

Fiat 500C und 124 Spider für 10.000 Euro

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Fiat 124 DS Spider (Baujahr 1983) und Fiat 500C 0.9 Twin Air (Baujahr 2012) (Gebrauchtwagentest).

Veröffentlicht:

12.08.2016

Preis:

1,00 €



Autor:

Malte Büttner

Fazit

Der Fiat 124 birgt mehr Risiken als der 500er, klar. Er ist schwerer zu durchschauen, Reparaturen sind wahrscheinlicher. Deswegen verliert er diesen Vergleich – trotz seines Oldiecharmes.

Stichworte:

Oldtimer

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