Ducati Scrambler trifft Fiat 500X

Fiat 500X/Ducati Scrambler: Vergleich

— 24.04.2015

Der raue Charme Italiens

Avanti Bergstiefel! Ducati Scrambler und Fiat 500X Italiener spielen gekonnt mit ihrem robusten Sitz. Wir haben die beiden zur gemeinsamen Ausfahrt gebeten.

Schönes Blankenese – wo Hamburgs Gassen enger werden und Blicke aufmerksamer. Hier kommen die beiden Italiener richtig in Fahrt. Die gelbe Ducati Scrambler bollert ihren warmen Zweizylinder-Bass an die Hauswände, als wär's Neapels Altstadt. Der 500X flirtet aus flirrenden Augen wie ein Pizzabäcker mit Dreitagebart. Sie sind Brüder im Geiste, tragen modische Bergstiefel, doch hinter der rauen Schale steckt ein sanfter Kerl. Denn bei Autos wie Motorrädern heißt der Trend der Saison: Landlust.
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Auto und Motorrad folgen demselben Trend

Zwei Brüder im Geiste: Fiat 500X und Ducati Scrambler folgen dem aktuellen "Landlust"-Trend.

Der Fiat spielt das SUV, den schicken Klettermax. Sein Pendant als Motorrad ist die neue Ducati Scrambler – ausnahmsweise mal kein roter Supersportler, sondern eine weich gespülte Geländemaschine im Look der 1970er. Die sind gerade trendy, genau richtig für eine neue Art von Motorrad-Genuss: das entspannte Dahingondeln zum Eiscafé oder auf Landstraßen. Dafür reichen die 75 PS ihres puren, klassisch luftgekühlten Motors völlig aus – ein schöner Gruß aus dem Gestern, so wie das ganze Bike. Denn Ducati zitiert einen Schatz seiner Historie, die 1962 vorgestellte Scrambler: Der hohe Lenker packt dich lässig auf den Sitz, der Blechtank gibt das Gefühl, etwas Echtes, Unverfälschtes zu fahren. Dazu die desmodromische Ventilsteuerung: Eine Zwangssteuerung statt Ventilfedern macht die Motoren drehzahlfest – sie gehört zu Ducati wie der Boxer zu BMW.

Ab 4000 Touren wird der Ducati-Motor richtig bissig

Von wegen gemütlicher Cruiser: Wer will, bringt die Scrambler in vier Sekunden auf 100 km/h.

Was die Scrambler aufregend und glaubwürdig macht, ist weniger modernes Drumherum wie LED-Leuchten oder die überladene Rundanzeige (Drehzahlen lassen sich leichter hören als ablesen) als ihr spritziges Temperament: gute vier Sekunden auf 100, fast 200 Spitze, die aber niemand will – egal, lahme Cruiser und Retro-Bikes verschwinden ratzfatz im Rückspiegel. Der typisch längs eingebaute Motor – noch eine Ducati-Ikone – reißt ab 4000 Touren so lebendig an, dass das Herz in der Jacke hüpft und der Verstand instinktiv die Schutzkleidung checkt. Die straffe Federung und die bissige Einzelscheibe vorn taugen trotz der Stollenräder zu ordentlichen Kurvenlagen. Nur die hintere Bremse beißt zahnlos. Jedenfalls ist die Scrambler definitiv zu flott, um in Jeans ohne Protektoren zu fahren! Was trägt man also? Am besten Jethelm, Leder und Dreitagebart. Reicht, man muss ja nicht gleich in die "Scrambler-Boutique" fallen, die Ducati sofort mitliefert: Die reicht von vier Bike-Styles ("Classic" bis "Full Throttle") über klangvolle Auspuffe bis zu Schuhen, Taschen, Mützen.

Das Wichtigste aber: Ohne Klimbim macht die Duc genauso viel Spaß, selbst alte Hasen entdecken jenseits vom Schräglagen-Fetischismus das gelassene Fahren. Schluss mit Elektronik-Overkill auf Bück-Eisen. Audis Zeit als Ducati-Besitzer beginnt mit einem Knaller: Das wird ein Hit.

Das Revier des Fiat 500X sind die Boulevards der Stadt

Rundliche Form, große Kulleraugen: Wie die Scrambler zitiert auch der 500X seinen Urahnen.

Ein Scrambler auf vier Rädern ist der 500X, weil er das bequem-erhabene Sitzen mit den Kulleraugen des alten Fiat 500 verbindet – der war immerhin Jahrgang 1957. Die sanften Rundungen des Kleinwagens bringt sein Enkel nun auf das Niveau der Kompakt-SUV, garniert mit moderner Technik. Eine Neunstufenautomatik hat in dieser Klassse niemand zu bieten, der Zweiliter-Diesel jedoch läuft so knurrig, dass man besser zum Benziner greift. Aber muss es die 31400 teure Version "Cross Plus" mit Allrad sein, der in der Stadt nie genutzt wird? Dieser Italiener wird niemals Anhänger schleppen, ist eher zwischen Boutique und Biergarten zu Hause. Das gesparte Geld lässt sich leicht in schöne 18-Zoll-Räder oder Leder mit hellen Biesen stecken, die den rauen Charme des Fiat 500X aufpolieren. Schließlich heißt der Trend der Saison: harte Schale, netter Kern.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Triumph und Moto Guzzi gingen mit Retro-Bikes vor, Ducati geht weiter: Denn die Scrambler hat mehr Feuer, kann Absteiger gewinnen und baut Modernes als schicken Stilbruch ein. Ein 1200er-Motor liegt bereit, bleibt die Frage: Wie kommt die Scrambler an?

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