Fiat Bravo (1995-2001)

Gebrauchtwagen Fiat Bravo/Brava Gebrauchtwagen Fiat Bravo/Brava

Fiat Bravo (1995-2001)

— 25.02.2002

Bravo Fiat?

Daumen runter: So hieß früher das Urteil über Fiat – wegen Rost und übler Verarbeitung. Besserung gelobten Bravo und Brava. Zu Recht?

Karosserie und Verarbeitung

Sieben verflixte Jahre hat Fiat seine Fans mit dem unseligen Tipo auf eine harte Probe gestellt, bevor mit dem Zwillingspärchen Bravo/Brava 1995 die neue Kompaktwagen-Generation präsentiert wurde. Verbesserte passive Sicherheit, mehr Rostschutz und neue Motoren sollten dem alles beherrschenden Golf endlich Paroli bieten. Aber wie sehen sie als Gebrauchte aus? Verdienen die Italiener schon ein herzhaftes Bravissimo, oder reicht es lediglich für verhaltenen Applaus?

Anders als sonst bei Kompakten üblich, unterscheidet sich der dreitürige Bravo deutlich von seinem fünftürigen Bruder. Nicht erst beim angehängten Kofferraum, sondern gleich hinter der A-Säule hört die nahe Verwandtschaft auf und wird an den keilförmig in die Karosserie integrierten Rückleuchten des Brava besonders deutlich. Dessen zusätzliche 16 Längenzentimeter bedeuten immerhin 100 Liter mehr Kofferraum als beim Bravo, der mit mageren 280 Litern nicht die Wolfsburger Norm erreicht.

Besonders kritisch blickt das Auge bei jedem Fiat natürlich auf die Verarbeitung und damit auf die Rostanfälligkeit. Immer noch ein wunder Punkt, wie sich bei unserem erst im Mai 1996 zugelassenen Testwagen wieder mal bestätigt: Die Heckklappe hing schief in den Angeln, und an ausgesuchten Winkeln der angeblich verzinkten Bodengruppe machte sich bereits Väterchen Rost zu schaffen – noch nicht bedrohlich, aber wie wird es an Schnittkanten und Längsträgern wohl in ein paar Jahren aussehen? Das reicht nur für sizilianische Winter. Ebenfalls lästig im Detail: Beim Überfahren von Unebenheiten knarren und knacken diverse Kunststoffteile unrhythmisch im Takt.

Technik und Innenraum

Es scheint zur Philosophie der Italiener zu gehören, Leistung aus kleinen Hubräumen und hohen Drehzahlen zu erzielen. Durchzugskraft ist folglich nicht die Stärke der 1,4-Liter-Vierzylinder, die in diesem Jahr sogar um fünf PS gepusht wurden. Für flottes Vorankommen sollte deshalb der richtige Gang imanliegen – nicht einfach bei der hakeligen Schaltung. Einzig der Zweiliter-Fünfzylinder mit 147 italienischen Vollblütern unter der Haube hat richtig Kraft im Keller, ist aber zugleich der teuerste und dem sportlich getrimmten Bravo HGT vorbehalten.

Schäden sind an den Triebwerken kaum zu befürchten, doch wie bei allen Benutzern eines Zahnriemens für den Nockenwellenantrieb muß dieser regelmäßig untersucht, gespannt und gegebenenfalls erneuert werden. Doch das Risiko ist bei den bisher meist niedrigen Laufleistungen gering. Häufiger schon gab es Ärger mit Zündaussetzern und Motorruckeln – Störungen, denen Fiat mit Veränderungen am Steuergerät und der Einspritzausrüstung zu Leibe rückte. Diesel spielen in der kompakten Baureihe keine Rolle: Denn sie kamen mit einem Jahr Verspätung zur Uraufführung und verdienen mit altbackener Wirbelkammer-Technik wirklich keinen Beifall – weder im Verbrauch noch bei der Laufkultur können sie mit den modernen Direkteinspritzern mithalten.

Im Innenraum heißt es zunächst mal die Airbags durchzählen, denn bis Januar 1996 gab es noch keinen Luftretter für den Beifahrer – ein Umstand, der eventuell den Wiederverkauf erschwert und die Preise drückt. Zu prüfen gibt es drinnen nichts Großartiges, höchstens die Seitenverkleidungen, die sich im Bravo/Brava schon mal selbständig machen. Eine defekte Wegfahrsperre läßt sich dafür leicht feststellen - ein Motorstart ist dann unmöglich.

Daß der Frontantrieb bei Fiat Tradition hat, bleibt auch bei diesen Zwillingen nicht verborgen. Bravourös wieseln sie um Biegungen aller Art. Erwähnenswert in Sachen Bremsen: ABS ist aufpreispflichtig und erst im Bravo GT Serie. Da die 300 Mark teuren Bremsscheiben allgemein als nicht besonders standfest gelten, sollten sie ab der 50.000-Kilometer-Marke etwas kritischer begutachtet werden.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/95 Neueinführung des Bravo (3-Türer) und des bis zur A-Säule identischen Brava (5-Türer): Motoren mit 75, 90, 113 und 147 PS; Fahrer-Airbag, Radio und Wegfahrsperre serienmäßig 1/96 Beifahrer-Airbag Serie 2/96 1,6-Liter-Vierzylinder mit 16 Ventilen und 103 PS 10/96 neuer 1,9-Liter-Dieselmotor mit wahlweise 75 oder 100 PS 1/97 1,4-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor mit 80 statt 75 PS 10/01 Ablösung durch den Stilo, nur noch eine Kompakt-Variante als 3- und 5-Türer

Schwachstellen • Ölverlust an Motor und Getriebe • hakelige Schaltung • Zahnriemen wartungsintensiv • Lichtmaschine defekt • Verarbeitungsmängel im Innenraum (lose Verkleidungen, Innenspiegel vibriert) • Antriebswellenmanschetten undicht • Bremsscheiben schnell verschlissen • Wegfahrsperre defekt • Batterie von kurzer Lebensdauer • Steuergerät der Motronic arbeitet unregelmäßig

Reparaturkosten Keine zwei Jahre haben Bravo und Brava auf dem Buckel, da sind Gebrauchtteile noch rar. Der erste Rost geht auf Garantie – ist also (noch) ein kleines Problem. Der Auspuff ist arg teuer, alles andere bewegt sich im normalen Rahmen.

Fazit und Urteil

Fazit Der Beifall war nicht zu überhören, als Fiat den Bravo und dessen Pendant Brava zu den Händlern rollten – endlich eine echte italienische Alternative zum Golf. Das gilt mit Abstrichen bei Verarbeitung und Rostschutz heute noch, denn Pannen gehören zu den seltenen Erlebnissen. An alte Fiat-Zeiten erinnert nur der sehr hohe Wertverlust was die Gebrauchtkunden freut.

AUTO BILD-Urteil: noch empfehlenswert

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