Fiat Cinquecento (1991-1998)

Fiat Cinquecento (1991-1998) Fiat Cinquecento (1991-1998)

Fiat Cinquecento (1991-1998)

— 25.02.2002

Mehr Mängel als Auto

Der Exil-Turiner ist ein Autozwerg - doch die Bremsen, der Motor und seine Verarbeitung machen ihn zum Mängelriesen.

Karosserie und Technik

Frau findet ihn meistens süß, Mann hat eher den Ärger im Auge. Immerhin, emotionslos fährt niemand einen Fiat Cinquecento. Und seine Vorteile liegen auf der Hand: Das Italo-Spielmobil, gebaut in Polen, findet mit seinen 3,23 Meter immer einen Parkplatz, braucht im Schnitt nur sechs Liter Sprit und ist als gepflegter Dreijähriger unter 10 000 Mark zu haben. Leider beginnt in diesem zarten Alter oft schon die enge Beziehung zur nächsten Werkstatt. Denn von den Scheiben bis zu den Dämpfern kränkelt der Mini-Fiat an so vielen Ecken, daß die Mängelliste oft länger ist als der Wagen selbst. Ursachen: mäßige Verarbeitung und schwache Konstruktion.

Löbliche Ausnahme: Rost - bei italienischen Autos jahrzehntelang gefürchtet - gibt es nicht mehr. Verzinkte Bleche schützen seit 91 den Cinquecento. Schade, daß der Auspuff nicht genauso gut verpackt wird. Er verrottet schnell, weil die vorwiegend in der Stadt bewegten Kleinwagen nie richtig heiß gefahren werden. Deshalb kann Kondenswasser meist nur unvollständig verdampfen. Folge: Die Abgasanlage rostet heimlich von innen nach außen.

Beim Blick aufs Auspuffende empfiehlt sich zugleich die Prüfung der hinteren Stoßdämpfer. Typischerweise sind sie leck und beginnen zu poltern. Spätestens dann droht TÜV-Ärger, Ersatz kostet 230 Mark. Findige Tüftler greifen beim Austausch deshalb gleich zu Panda-Dämpfern mit längerer Lebensdauer. Nur von kurzer Halbwertzeit sind die Radlagerbuchsen. Nach rund 40000 Kilometern ist ein neuer Satz fällig. Test: Am Rad ruckeln - klackernde Geräusche verraten ausgeschlagene Lager. Ebenso kurzlebig: die Bremsscheiben, die überdurchschnittlich oft von TÜV-Prüfern kritisiert werden.

Auch Ölverluste an Motor und Getriebe registriert der TÜV häufig - unser 97er Testkandidat machte keine Ausnahme. Leider nicht der einzige Ärger mit der Antriebseinheit. Zwar schaltete sich unser Sporting-Modell noch exakt, doch vor allem bei älteren Cinquecento werden die Getriebe schwergängig und hakelig. Ist beim Schalten ein Kratzen hörbar, sind die Synchronringe verschlissen.

Motoren und Verarbeitung

Mühe allein genügt nicht - dieses Motto gilt auch für den kleinen 40-PS-Motor. Zwar wurde die Basis des 0,9-Liter-Vierzylinders mit Steuerkette mehr als sechsmillionenmal gebaut, doch die für den Cinquecento weiterentwicklete Form mit Hydrostößeln ist anfällig und macht öfter mit Klackergeräuschen auf sich aufmerksam. Empfehlenswert ist dafür der größere 1,1-Liter mit 55 PS in den Sporting- und Hobby-Modellen, baugleich in Panda und Punto. Ein anspruchsloses Maschinchen, das nur alle 100 000 Kilometer einen neuen Zahnriemen braucht. Der Verbrauch liegt unwesentlich über dem des kleineren Motors (6,1 Liter). Die 55 PS beißen kräftig zu, machen aus dem 710 kg leichten Fiat einen rasenden Stadtfloh.

Letztes Kapitel der Mängelliste: die Verarbeitung. Zwar passen Türen und Hauben einigermaßen zueinander, aber im Detail liegen die Tücken. Zum Beispiel bei der manuellen Scheinwerferverstellung, die auffällig oft defekt ist. Die Reparatur verschlingt 400 Mark, viele Fahrer investieren das lieber in einen Satz neuer Reifen. Kaum besser ist die Heckklappe mit gleich drei Fehlerquellen: Nach drei Jahren brennt oft der Heckwischermotor durch oder läuft fest. Die Scheibe steht manchmal derart unter Spannung, daß sie schon bei Einschalten der Heckscheibenheizung mit lautem Knall zerspringt. Das vorwiegend aus Plastik gebaute Klappenschloß bricht bei häufiger Nutzung schon mal auseinander.

Ärgerlich auch: Die Sitzbezüge bekommen häßliche Altersflecken. Ursache ist eine weiße Schaumstoffmatte zwischen Polsterung und Bezug, die allmählich durch den Stoff quillt. Als billiges Stadt- und Einsteigerauto begehrt, stellen viele Fahrer schnell fest, daß dem Cinquecento in Sachen Komfort und Dauerhaftigkeit enge Grenzen gesetzt sind. Das drückt die Preise. Teilweise werden nicht mal die DAT-Notierungen erreicht. Besonders bei den über dreijährigen Modellen ist die Auswahl üppig - denn schon in diesem jungen Alter wächst die Mängel-Liste über den Mini-Fiat hinaus.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 12/91 Debüt des Cinquecento (500) als Nachfolger des 126, Produktion in Polen. Frontantrieb: 0,9-Liter-Vierzylinder (41 PS) oder 0,7-Liter-Zweizylinder (31 PS) • 2/93 Einführung in Deutschland nur als Vierzylinder mit G-Kat (0,9 l/40 PS). Basispreis fürs Modell "i.e.": 13550 Mark • 11/94 Sporting-Modell mit 1,1-Liter-Motor (55 PS), Stoßfänger und Außenspiegel in Wagenfarbe, Alufelgen. Preis: 14990 Mark • 3/96 Modell Soleil mit Faltdach und Fahrer-Airbag • 5/97 Sondermodell "Hobby" • 5/98 Produktionsende. Nachfolger: Seicento (600).

Schwachstellen Auspuff mit hoher Rostanfälligkeit. Die flexible Manschette hinter dem Krümmer ist durch die starken Vibrationen beim kurzen Radstand schnell zerrissen. • Radlagerbuchsen sind selbst bei reinen Stadtautos meist schon nach 40000 Kilometern ausgeschlagen. Auf schlechten Straßen ist der Verschleiß noch höher. • Ölleckagen an Motor und Getriebe sind typisch und doppelt so häufig wie der Durchschnitt laut TÜV Auto-Report '99/AUTO BILD-Spezial. • Heckwischermotoren sind nach drei Jahren durchgebrannt. • Bremsscheiben sind sehr kurzlebige Verschleißteile - und fallen beim TÜV viermal häufiger auf als der Durchschnitt in den Altersgruppen der drei- und fünfjährigen Vergleichsautos.

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Fiat Cinquecento i.e. SX, 29 kW/40 PS, Baujahr 1996. Kleines Auto, kleine Preise. Der Mini-Fiat läßt sich günstig reparieren, selbst ein neuer Kotflügel kostet nicht die Welt.

Fazit und Urteil

Fazit Der Cinquecento gehört noch zu der Fiat-Generation mit vielen Detailmängeln. Der Erstbesitzer hat Spaß, für den zweiten wird es teuer. Zum typischen Verschleiß nach 40000 Kilometern zählen abgenutzte Bremsscheiben, ausgeschlagene Radlager, lecke Stoßdämpfer und verrostete Auspuffanlagen. Heckwischermotoren und Scheinwerferverstellungen sind weitere Schwachstellen. Die Karosserie ist zwar verzinkt und rostgeschützt, aber bei so einem Kleinwagen sehr empfindlich. Schon kleinere Unfälle bedeuten häufig Totalschaden. Der 55-PS-Motor ist die bessere Wahl. Die in der Anschaffung billigere 40-PS-Version ist reparaturanfälliger und wird dadurch teurer.

AUTO BILD-Urteil: Bedingt empfehlenswert

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