Fiat-Debakel

Fiat Deutschland entzieht sich der Krise

Fiat-Debakel

— 21.10.2002

Fiat Deutschland entzieht sich der Krise

Vorstandschef Klaus Fricke: "Negativtrend gestoppt". Nachhaltige Investitionen ins Händlernetz angekündigt.

Der rot-grüne Sparkurs hilft Fiat

Bei Fiat geht die Angst vor einem drastischen Stellenabbau und Werksschließungen um. Fieberhaft suchen Vorstand, Regierung, Gewerkschaften und Gläubigerbanken nach einer Lösung für den angeschlagenen Autobauer. Eine Übernahme durch General Motors scheint unausweichlich. Schon wird über die Fusion von Opel und Fiat spekuliert. Doch auf die deutsche Vertriebsgesellschaft des italienischen Automobilkonzerns hat die Krise der Muttergesellschaft offenbar keine Auswirkungen.

"Im zweiten Halbjahr 2002 werden wir den negativen Trend von Fiat in Deutschland gestoppt haben", sagt Klaus Fricke, Vorstandsvorsitzender der Fiat Deutschland AG, der WELT. Absatz und Umsatz sollen im zweiten Halbjahr 2002 deutlich über dem Vorjahreszeitraum liegen. Gleichwohl wird die Zahl der Neuzulassungen unter dem Wert des Vorjahres von 123.674 verkauften Fahrzeugen liegen. Als Grund führt Fricke die schlechten Verkäufe im ersten Halbjahr an. Im September hätten die Verkaufszahlen leicht über dem entsprechenden Wert des Vorjahres gelegen. Im November und Dezember soll der Absatz sogar deutlich steigen.

"Dafür laufen konstruktive Verkaufsförderprogramme", sagt Fricke. Der Ex-Manager von BMW, Recaro und Smart will zwar keine genaue Prognose für 2003 abgeben. Jedoch könnten die rot-grünen Sparpläne zusätzliche Vorteile für Fiat bieten, "weil die Kunden preissensibler werden". Um die Nachhaltigkeit des deutschen Fiat-Aufschwungs zu gewährleisten, sollen Prozesse, Strukturen und Marktbearbeitung der deutschen Vertriebsgesellschaft und ihrer Händler verändert werden. "Wir haben einen Gang zugelegt", sagt Fricke. Dazu gehört unter anderem die Restrukturierung des mehrstufigen deutschen Händlernetzes mit neuen Standards und Margensystemen. "Durch die Restrukturierung will Fiat eine betriebswirtschaftlich interessante Basis für die Händler schaffen."

2,4 Milliarden Euro für neue Modelle

Gleichzeitig wird bei Fiat Deutschland eine Gemeinkostenanalyse erarbeitet. Fricke sieht ein Einsparungspotenzial von 20 Prozent bei den Sachkosten. "Fiat will für die Händler effektiver werden." Geplant sind zudem "nachhaltige Investitionen in das Händlernetz". Dazu gehört eine Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes sowie ein höheres Budget für Entwicklungsmaßnahmen. Für den Konzern hatte Fiat Auto-Chef Giancarlo Boschetti bereits Mitte des Jahres den Gläubigerbanken ein Restrukturierungskonzept vorgelegt.

Dieses sieht unter anderem Einsparungen von jährlich einer Mrd. Euro und Investitionen von 2,4 Mrd. Euro pro Jahr in neue Modelle vor. Gleichzeitig will Boschetti neue Segmente besetzen und 30 Modellvarianten streichen. Um die Kosten zu senken, sollen Garantieleistungen reduziert, verstärkt Komponenten von GM genutzt und die Rückkaufverpflichtungen aus dem Mietwagengeschäft reduziert werden. Fricke räumt ein, dass Fiat in den vergangenen zehn Jahren einen Imagerückgang hinnehmen musste, der nicht förderlich für den Verkauf war. Trotz der aktuellen Querelen in Italien spürt er aber in Deutschland einen Stimmungsumschwung.

Nachdem das Verhältnis zwischen Fiat und den Händlern lange Zeit angespannt war, die Trends gegen Fiat liefen, häufige Managementwechsel für Unruhe sorgten und es teilweise an der Professionalität fehlte, sei nun ein Zusammenrücken spürbar. "In den vergangenen Jahren wurde zwischen Fiat und den Händlern zuviel laut über die Gegensätze nachgedacht. Heute pointieren wir mehr die Gemeinsamkeiten und versuchen uns konstruktiv zu ergänzen", erklärt Fricke. Ein Zeichen für Kontinuität will auch der seit September amtierende Fiat-Chef setzen. Mindestens drei Jahre will er bleiben, um die Restrukturierung von Fiat erfolgreich umzusetzen.

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