Fiat-Krise

Tauziehen um Turin

Fiat-Krise

— 17.10.2002

Tauziehen um Turin

In Rom beraten Regierung, Gewerkschaften und Banken über den Sanierungsplan – unter dem Protest tausender Arbeiter.

Regierung berät mit Gewerkschaften

Die Beratungen über eine Lösung der Fiat-Krise gehen in die nächste Runde. Nachdem die Gläubigerbanken des hochverschuldeten Konzerns grünes Licht für den Fiat-Sanierungsplan gegeben haben, war am Donnerstag ein Treffen von Regierungsvertretern mit den italienischen Gewerkschaften und der Fiat-Führung vorgesehen. Dabei wollten die Gewerkschaften ihre Position zu dem in den Fiat-Plänen vorgesehenen Abbau von 8100 Stellen vorstellen.

"Der Staat sollte nicht nur an Geldspritzen denken, sondern vor allem Garantien für einen Wiederaufschwung des Autosektors und den Schutz der Arbeitsplätze geben", sagte im Vorfeld ein Gewerkschaftssprecher. Über 1400 Angestellte des sizilianischen Fiat-Werks in Termini Imerese, das den Plänen zufolge ganz geschlossen werden soll, demonstrierten am Donnerstag in Rom.

"Wir bleiben in Rom, bis wir die Ergebnisse des Treffens mit den Gewerkschaften haben", sagte ein Fiat-Arbeiter. Erst danach werde über die weitere Vorgehensweise entschieden. Wirtschaftsminister Giulio Tremonti soll am Freitag im Ministerrat die Resultate der Verhandlungen mit den Banken und den Gewerkschaften erläutern.

Banken geben grünes Licht für den Plan

Die Banken Capitalia, IntesaBci, Unicredito und Sanpaolo Imi hatten sich am Mittwochabend nach einem mehrstündigen Treffen mit Finanzminister Giulio Tremonti und der Fiat-Führung mit dem Sanierungsplan des Unternehmens einverstanden erklärt. Die Restrukturierung der Gruppe ist "mit dem seinerzeit zwischen Konzern und Banken ausgehandelten Vertrag vereinbar", hieß es. Die Investitions- und Stellenabbau-Pläne seien unter dem Gesichtspunkt eines Wiederaufschwungs positiv bewertet worden. "Der Plan bleibt unverändert", erklärte Fiat-Präsident Paolo Fresco.

Fiat hatte sich im Juli mit den Banken geeinigt. Als Gegenleistung für eine Drei-Milliarden-Wandelanleihe muss der Konzern seine Nettoverschuldung bis Ende 2002 auf drei Milliarden Euro halbieren. Die Banken sprachen sich zudem gegen eine Staatsbeteiligung aus und lehnten auch eine Umwandlung von Bank-Krediten in Eigenkapital ab. Dies sei eine negative Antwort auf die Lösungsmodelle Tremontis, kommentierte die Zeitung "Il Sole 24 Ore". Tremonti hatte unter anderem vorgeschlagen, eine neue Gesellschaft rund um die Fiat-Autosparte zu gründen, an der sich der US-Riese General Motors, die Banken und der Staat finanziell beteiligen sollten. An der italienischen Börse legte Fiat bis zum Mittag leicht zu. Die Aktie stieg um 1,95 Prozent auf 8,78 Euro.

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