Kommt es zur Fusion?

Opel und Fiat drohen Einschnitte

Fiat-Krise – kommt es zur Fusion?

— 16.10.2002

Opel und Fiat drohen Einschnitte

Der mögliche Zusammenschluss der beiden Autobauer könnte zu Werksschließungen und Entlassungen führen.

Fiat schlüpft schon 2003 unters GM-Dach

Zahlreiche Szenarien über die Zukunft des angeschlagenen italienischen Automobilherstellers Fiat Auto werden derzeit erörtert. Zur Diskussion steht eine Beteiligung des Staates an dem Turiner Hersteller, die vorzeitige Übernahme durch General Motors (GM) oder auch die Fusion mit der Rüsselsheimer Adam Opel AG. Branchenexperten glauben, dass beide Konzerne gut nebeneinander existieren könnten. Einschnitte sind aber wohl unvermeidlich.

Fiat Auto wird schon 2003 unter das Dach des amerikanischen Branchenriesen GM schlüpfen, glaubt etwa Ralf Kalmbach, Leiter Automotive bei Mercer Management Consulting. Sollte der Turiner Autobauer mit der Adam Opel AG zusammengelegt werden, seien "radikale Schritte erforderlich." Dazu dürfte seiner Ansicht nach auch die Reduzierung der Werke von Opel und Fiat gehören. "Da würden einige Produktionsstätten wegfallen." Fiat verfügt alleine in Italien über sechs Fabriken, Opel hat in Deutschland vier Werke. Hinzu kommen mehrere Werke im Ausland. Der Automobilspezialist verweist auf Ford. Die Amerikaner reduzierten die Zahl der Produktionsstätten in Europa in den vergangenen Jahren von elf auf sechs Fabriken mit dem Ziel, die Fertigungen stärker auszulasten. "Den gleichen Weg müsste GM gehen."

Die Sanierung der Konkurrenten könne laut Kalmbach nur gelingen, wenn die "Produktionsbasis zusammengeführt, die Wertschöpfung auf nachhaltige Kernfertigung zurückgeführt wird und wettbewerbsfähige Produkte auf den Markt kommen". Die Kardinalsfrage sei, wie die Marken von Opel (Vauxhall, Saab) und Fiat (Fiat, Alfa Romeo, Lancia) positioniert würden. Kalmbach könnte sich vorstellen, dass Fiat am unteren Ende angesiedelt wird, darüber Opel und über der Marke mit dem Blitz Lancia.

Fusion wäre für Opel "kurzfristig nicht gut

Opel und Fiat hätten in der Vergangenheit handwerkliche Fehler gemacht. So liefen Opel-Modelle wie der Astra und der Vectra aus, ohne dass direkt ein Nachfolger auf den Markt gebracht wurde. Dadurch seien Kunden zu anderen Herstellern getrieben worden, die nun mit hohem Aufwand zurückgewonnen werden müssten. Der Opel Zafira befriedige die Bedürfnisse, habe aber viele Käufer vom Astra abgezogen. Fiat habe ähnliche Probleme gehabt. Daneben sei die Dieseltechnologie an Opel und Fiat vorbeigefahren. Gleichwohl räumt Kalmbach sowohl Fiat als auch Opel gute Chancen ein, wenn die Autobauer zusammengelegt würden. "Opel und Fiat sind zwar in Bedrängnis, aber sie haben in ihren Heimatmärkten viel Substanz", meint Kalmbach.

Bei Opel ist man trotz der Szenarien, die in der Öffentlichkeit kursieren, "weit davon entfernt, sich Sorgen zu machen." Sollte GM Fiat übernehmen, wären jedoch Milliarden nötig. "Wir können uns aber keinen zweiten Sanierungsfall leisten", meint Opel-Betriebsratschef Klaus Franz, der auch Europas GM-Betriebsratschef ist. Befürworter sehen dagegen die enorme Einkaufsmacht bei einer Fusion von Opel und Fiat. Für Standorte und Fabriken böte sich ein "verführerisches Monopoly".

Nach Ansicht von Professor Willi Diez vom Institut für Automobilwirtschaft müsste keine Marke bei einer Fusion von Fiat und Opel wegfallen. Allerdings müssten gemeinsame Plattformen über alle Marken hinweg geschaffen werden. Während Fiat in der aktuellen Situation keine andere Wahl habe, als unter das Dach von General Motors zu schlüpfen, wäre ein Zusammenschluss mit Fiat für Opel "kurzfristig nicht gut, da sich die Rüsselsheimer gerade frisch aufstellen". Langfristig könnten sich aber Synergien ergeben, so Diez.

Für schwieriger hält der Automobilexperte die kulturellen Unterschiede zwischen der GM und Fiat. Die Amerikaner neigten zur zentralistischen Führung der Töchter, die nicht unbedingt zur italienischen Mentalität passt. Bei Opel habe GM viel Zeit gebraucht, um dem Autobauer mehr Entscheidungsbefugnisse zuzugestehen. "Von der Kultur her würde man sich nicht leicht tun", glaubt Diez.

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