Fiat-Opel-Verhandlungen — 05.05.2009
Große Pläne
Fiat-Chef Sergio Marchionne sieht Opel in seiner jetzigen Größe nicht überlebensfähig. Sein Plan: Die Italiener wachsen mit Chrysler und Opel zum "zweitgrößten Autokonzern der Welt".
Zu den Bedenken des Opel-Betriebsrates und der Gewerkschaften zu einem möglichen Fiat-Einstieg sagte Marchionne: "Opel kann in seiner jetzigen Größe niemals Geld verdienen. Und wenn man kein Geld verdient, kann man nicht überleben. Ich verstehe die Ängste der Gewerkschaften – aber so ist die Realität." Fiat wolle nach drei Jahren mögliche Staatsbürgschaften zurückzahlen. Opel hat drei Endmontagewerke in Rüsselsheim, Eisenach und Bochum und ein Motorenwerk im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern.
Guttenberg lehnte im ZDF eine Vorfestlegung erneut ab. Die Grundsatzentscheidung darüber, ob Opel von Fiat oder dem österreichisch-kanadischen Autozulieferer Magna übernommen werden solle, liege nun beim amerikanischen Opel-Mutterkonzern General Motors. Man müsse auch abwarten, was Magna nun vorlege. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) äußerte sich zurückhaltend über die Fiat-Pläne. In der ARD-Talksendung "Beckmann" äußerte er die Erwartung, dass das Magna-Konzept besser sei. "Wenn es wirklich so ist, wie alle erwarten, dass das Magna-Konzept besser ist, dann hat sich die Fiat-Frage erledigt." Sollte das Magna-Konzept hingegen wider Erwarten nicht tragfähig sein, dann müsse man sehen, ob es nicht noch andere Interessenten gebe. Über Magna sagte der Fiat-Chef der BILD: "Magna will mit russischer Hilfe bei Opel einsteigen. Wenn die deutsche Regierung das für eine gute Lösung hält, würde mich das überraschen. Unser Plan steht: Wir wollen einen echten europäischen Automobilkonzern bilden, der weltweit erfolgreich sein wird. Die Autosparte von Fiat geht zusammen mit Opel und Chrysler. Damit sind wir der zweitgrößte Autokonzern der Welt hinter Toyota."
Das mache Arbeitsplätze weltweit und in Deutschland zukunftssicher, so Marchionne. Unterdessen konkretisierte Thüringens Regierung nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" ihre Pläne für eine mögliche Staatshilfe bei einer Opel-Übernahme durch Fiat oder Magna. Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) sagte, wenn es ein vernünftiges Konzept gebe, sei das Land zu staatlicher Hilfe bereit: Sehr gut könne er sich staatliche Garantien und Bürgschaften vorstellen, mit deren Hilfe sich Fiat dann am Kapitalmarkt günstig mit Kredit versorgen könnte. Auch eine direkte Förderung vor Ort über Investitionsbeihilfen sei eine Möglichkeit. "Und schließlich könnten wir zum Beispiel die Immobilie des Werkes kaufen und dann an Opel und Fiat zurückvermieten." Das würde dem Konzern sofort eine hohe Bargeldsumme einbringen. Eine direkte Beteiligung an einem Gemeinschaftsunternehmen aus Fiat und Opel schloss Reinholz aber aus.


































